von Volker Hoffmann Ein entspannter Körper regeneriert sich schneller. Diese Tatsache, die in der Medizin mittlerweile ihren Eingang gefunden hat, ist ein wichtiger Kernsatz der Vitametik. Hier wird versucht über einen gezielten Entspannungsimpuls im Körper einen Zustand zu erreichen, der es dem Gehirn ermöglicht, eine, vielleicht über Monate oder Jahre fest abgespeicherte Anspannung zu löschen. Dauerhafte Entspannung kann letztendlich nur über die Rindenfelder der Großhirnrinde gesteuert werden. Das heißt, dass dort alle Informationen über den Spannungszustand der Muskulatur zusammenlaufen und dass von eben dort auch die Information zur Entspannung an chronisch angespannte Muskeln gesendet werden muss. Mit der Vitametik haben wir eine solche Möglichkeit, die, ohne einzelne Muskeln zu bearbeiten, sich die nervale Informationsübertragung zunutze macht.
Das sensomotorische System in den Rindenfeldern der Großhirnrinde (siehe Abb. 1) reagiert täglich mit spezifischen Muskelreflexen auf Belastungen, Traumata und Anspannungen. Durch diese dauernd sich wiederholenden Reflexe entwickeln sich gewohnheitsmäßige Muskelverspannungen, die im Laufe der Zeit völlig unbewusst und unwillkürlich ablaufen, so dass das Gehirn nicht mehr weiß, wie es die Muskeln noch willkürlich entspannen kann. Diesen Zustand, der einer Wahrnehmungsblockade gleichkommt, bezeichnet man als sensomotorische Amnesie (SMA) – ein durch Gewöhnung herbeigeführtes mangelndes Erinnerungsvermögen des sensomotorischen Systems. Bislang ist die sensomotorische Amnesie im Gesundheitswesen weder erkannt worden, noch wird sie berücksichtigt. Die herkömmlichen Methoden erreichen nicht das sensomotorische System in dem sich die SMA manifestiert und die ständige Information der angespannten Muskeln abgespeichert ist. Bei der SMA geht es also um einen Erinnerungsverlust, wie sich bestimmte Muskeln, bzw. ganze Muskelgruppen anfühlen (Sensorik) und wie man sie kontrollieren und bewegen kann (Motorik). Da sich dies in den Rindenfeldern abspielt, also im Zentralnervensystem, ist man sich dessen nicht bewusst und doch beeinfußt es den Körper und somit den ganzen Menschen bis in sein tiefes Inneres. Da die SMA insbesondere durch Stress (psychisch wie körperlich) entsteht, kann gesagt werden, dass es sich nicht um ein Symptom oder eine Krankheit, sondern um eine völlig normale adaptive, der Anpassung dienende Schutzreaktion des Nervensystems handelt. Doch gerade weil sie eine adaptive Reaktion ist, kann sie auch wieder verlernt werden.
Die Abläufe im Gehirn bezüglich einer Sinneswahrnehmung und der darauf folgenden Bewegung laufen unbewusst ab. Über das Sehen einer Gefahr und der sofortigen Reaktion in Form von „Flucht oder Kampf“ denken wir nicht erst lange nach, sie wird vielmehr vom sensomotorischen System innerhalb von Sekundenbruchteilen umgesetzt. Dieses Zusammenspiel von Sensorik (Sinneswahrnehmung) und Motorik (Bewegung) bezeichnet man in der Neurophysiologie als Feedbacksystem (Rückkopplung). Über die sensorischen Nervenbahnen werden Informationen in das sensorische Rindenfeld geleitet und von dort über das motorische Rindenfeld an motorische Nervenbahnen weitergegeben mit der Information bestimmte Muskelgruppen zu innervieren (siehe Abb. Nr. 2). Diese Funktionen laufen dauernd ab, nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht, das heißt das sensomotorische System arbeitet permanent. Das muss es auch, da wir ansonsten keine zielgerichteten Handlungen vornehmen könnten. Uneffizient werden die Handlungen und die Koordination des Körpers dann, wenn es zum Beispiel durch Drogen oder auch in der Dunkelheit zu einer Trübung der Sinneswahrnehmung kommt.
Zur eingeschränkten Muskelfunktion kommt es aber auch durch chronischen Stress. Hierbei werden nicht nur die Stresshormone Adrenalin und Cortisol, die im Körper auf Dauer toxisch wirken, ausgeschüttet, sondern es kommt auch zu einer chronischen Muskelanspannung, zunächst der Nackenmuskeln und hierbei insbesondere des Kopfwenders (Musculus Sternocleidomastoideus), des Trapezmuskels (Musculus Trapezius) und des Schulterblatthebers (Musculus Levator Scapulae) (siehe Abb. Nr. 3) und im Laufe der Zeit auch der weiteren Rückenmuskeln. Jedes Ungleichgewicht im sensomotorischen System hat ein Ungleichgewicht im gesamten Körper zur Folge. Wenn ein Muskel verkrampft und angespannt ist, verursacht dieser Kontroll- und Koordinationsverlust innerhalb des Skelettmuskelsystems eine automatische Kompensation in allen anderen, damit verbundenen Muskelgruppen und Körperteilen. Es kommt zu einer unbewussten Dysbalance im gesamten Bewegungsapparat, mit der Konsequenz, dass man mittlerweile davon ausgeht, dass 95 Prozent der Bevölkerung einen muskulär bedingten Beckenschiefstand aufweisen (siehe Abb. Nr. 4). Chronische Muskelanspannung bedeutet, dass die natürliche Elastizität und die Fähigkeit eines Muskels, sich auf einen Reiz hin zu strecken und zu kontrahieren eingeschränkt ist. Folglich ist der Tonus im Ruhezustand nicht mehr bei null Prozent, sondern höher, der betreffende Muskel fühlt sich hart an. Dies wird oft damit verwechselt, dass der Muskel nun schwach wäre und man ihn deshalb trainieren und aufbauen müsste.
Das Gegenteil ist der Fall. Der Muskel ist stark, allerdings durch die permanente Anspannung müde und überarbeitet. Wie ein Motor, der sich nicht mehr abstellen lässt, er läuft und läuft und verbraucht Energie. Es muss also zunächst nicht noch mehr trainiert werden, sondern dafür gesorgt werden, dass das sensomotorische System, wo diese Dauerspannung gespeichert ist, den Impuls an den Muskel zur Entspannung geben kann.
Bei einer chronischen Muskelanspannung (CMA) handelt es sich gleichzeitig um eine sensomotorische Amnesie (SMA) und umgekehrt. Das eine bedingt das andere. Dauerhaft angespannte Muskeln benötigen und verbrauchen Energie, die dem Körper für seine normalen Leistungen und Aufgaben dann nicht zur Verfügung steht. Dies lässt sogar vermuten, dass sich dieser Prozess bis ins tiefste Innere, auf die Psyche auswirkt. Es genügt also nicht nur den somatischen Aspekt der SMA eines einzelnen Menschen zu sehen, sondern sich darüber klar zu werden, dass hier weitreichende volksgesundheitliche Aspekte angesprochen sind, weil fast jeder in der heutigen stressbetonten Zeit von der SMA betroffen ist. Das aber heißt schlussendlich nichts anderes als, dass Kraft und Energie verpulvert werden und viele Menschen ein Leistungsdefizit aufweisen. Dies ist auch ein Grund für häufige Konzentrationsschwäche und Müdigkeit, aber auch für ein instabiles Immunsystem mit daraus resultierenden weiteren organischen Störungen.
Es ist nun nicht so, dass das oben beschriebene Feedbacksystem bei der SMA außer Kraft gesetzt wäre. Es ist vielmehr so, dass der normale Schaltkreis (Sinneswahrnehmung – sensorisches Rindenfeld – motorisches Rindenfeld – Bewegungsausführung) der willkürlichen Kontrolle des Gehirns entzogen, sozusagen abgelenkt ist. Stattdessen wird er in die unwillkürlichen Reflexbahnen in den tieferen, entwicklungsgeschichtlich älteren Schichten des Gehirns eingebunden. Die Rückkopplungsschleife ist immer noch dieselbe, jedoch findet die Rückkopplung der sensomotorischen Impulse unterhalb der bewussten Ebene des willkürlichen Kortex statt. Dies geschieht durch anhaltende „Notfallreaktionen“ des Gehirns, wie zum Beispiel Stress oder traumatische Erlebnisse.
Die Kontrolle wird dann von den tiefer gelegenen, primitiveren Hirnschichten übernommen, was eigentlich einem Rückschritt zu unwillkürlichem Reagieren entspricht. Besser wäre es, wenn die Kontrolle der Muskulatur nach Stressmomenten sofort oder zumindest nach kurzer Zeit wieder dem willkürlichen Kortex unterliegen würde. Es müsste nicht unnötig Energie dafür verschwendet werden die Muskelkontraktion ständig aufrecht zu erhalten. Sehr leicht kann diesen Zusammenhang jedermann testen, indem er seinem Gegenüber den Arm hochhält und ihn dann spontan loslässt. In den meisten Fällen wird der Arm oben bleiben und nicht, wie eigentlich bei einem völlig entspannten Zustand zu erwarten wäre, wieder nach unten fallen.
Dass sich eine SMA nicht nur durch eine durch Dauerstress ausgelöste chronische Muskelanspannung, sondern auch durch ein kurzzeitiges Trauma wie Unfälle, Stürze oder auch Operationen einstellen kann, soll folgendes Beispiel verdeutlichen: wie in jedem Jahr Äpfel geerntet werden, so fallen auch in jedem Jahr Menschen vom Apfelbaum und verletzen sich mehr oder weniger schwer. So erging es auch Markus Wagner (Name geändert). Mit Prellungen und Stauchungen kam er nach Aussagen seines Arztes noch einmal glimpflich davon. Allerdings zeigten sich Wochen später Verspannungen im Nackenbereich.
Herr Wagner nahm den Entspannungsprozess subjektiv wahr. Er äußerte dies mit Bemerkungen wie: „ich bin entspannter“, ich fühle mich wohler“, „ich bin leistungsfähiger“.
Es gibt im Körper eine ganz bestimmte Region, über welche gleichzeitig Informationen an das Gehirn, an das vegetative Nervensystem und an die Muskulatur geleitet werden. Diese Region liegt im Hals-Nackenbereich, wo der elfte Hirnnerv (Nervus Akzessorius) die seitliche Halsmuskulatur (explizit den Musculus Sternocleidomastoideus und den Musculus Trapezius) innerviert und wo sich außer den wichtigen Ganglien des Nervus Vagus und des Sympathikus auch noch vergleichsweise viele Rezeptoren befinden. Während der Klient in einer seitlichen Position auf einer speziell für die Vitametik konzipierten Anwendungsliege ruht, wird vom Vitametiker mit den Daumen genau in dieser Region ein sehr schneller Entspannungsimpuls (40 Millisekunden) in der Muskulatur ausgelöst. Hierbei gilt der Grundsatz: minimaler Druck aber hohe Geschwindigkeit. Von hier wird die notwendige Entspannungsinformation über den Nervus Akzessorius an die sensorischen und motorischen Rindenfelder weitergeleitet. Diese Technik, die, infolge der bei jedem Menschen gleich ablaufenden muskulären Stressreaktion, auch bei jedem Menschen gleich ausgeführt wird, ist eine Entspannung für die gesamte Muskulatur entlang der Wirbelsäule, da sich die Entspannungsinformation über die Nerven und Muskeln als Kettenreaktion nach unten fortsetzt. Dass der Körper dadurch Fehlhaltungen selbst korrigieren kann, liegt genau so in der Natur der Sache, wie vordem die muskuläre Anspannung.
Dass es nicht genügt mit den herkömmlichen Methoden Muskeln entspannen zu wollen, zeigt sich an der immer mehr zunehmenden Zahl der unter Verspannungen leidenden Menschen, mit allen Folgeerscheinungen wie Rückenleiden, Abnutzungserscheinungen etc.. Wenn es gelingt, das sensomotorische System so anzusprechen, dass die Rückkopplungsschleifen nicht mehr in die tieferen Hirnschichten zurückgedrängt werden, sondern wieder im Neokortex ablaufen, dann werden sich die Muskeln selbständig entspannen. Vergleichbar mit einem falsch ablaufenden Programm, welches neu generiert wird. Dies kann mit der Vitametik gelingen, da bei dieser Anwendung ein spezifisches Signal zur Neugenerierung über das Nervensystem an die Rindenfelder im Gehirn und von dort über die absteigenden Nervenbahnen an die Muskulatur geleitet wird. Insofern ist die Vitametik keine Methode zur Diagnose und Beseitigung von Symptomen oder Krankheiten, eigentlich nicht einmal direkt zur Beseitigung von Verspannungen, sondern primär zur besseren Verarbeitung von Stresskomponenten im Gehirn. Gerade deshalb auch äußerst wichtig, da dort die wahren Ursachen für Muskelanspannung mit allen Begleit- und Folgeerscheinungen zu suchen sind und insofern vorbeugend eingesetzt werden soll.
Das besondere Anliegen der Vitametik liegt insbesondere in der Prävention begründet. Wenn auch der Präventivgedanke in der Bevölkerung noch viel zu wenig verankert ist, so will die Vitametik um so mehr dazu beitragen, dass die Menschen erkennen, dass rechtzeitige Vorbeugung viel Unheil schon im Keim ersticken kann.
Allein das Wollen zur Vorbeugung oder geflügelte Worte reichen hierbei nicht aus. Was zählt ist das aktive Tun, die immer wieder sich einschleichenwollende Trägheit und Bequemlichkeit zu überwinden. Der Einzelne ist aufgefordert sich diejenigen Methoden und Maßnahmen zu suchen, die speziell zu ihm „passen“. Denn was für den Einen gut ist, muss nicht unbedingt für den Nächsten gut sein. Die Palette der Vorbeugemaßnahmen ist groß genug. Von sinnvoller sportlicher Betätigung angefangen, über gesunde Ernährung, bis hin zu Methoden zur Stressbewältigung. Mit Hilfe der Vitametik wird es mehr und mehr Menschen ermöglicht ein bewussteres, stressfreieres und damit gesünderes Leben zu führen. Weniger Stress bedeutet weniger Verspannung und mehr freie Energie und dadurch mehr Leistungsfähigkeit, ein besseres Lebensgefühl und ein besseres Wohlbefinden.
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