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Ayurveda – Lehre vom langen Leben (Teil 1) Die große Gesundheits-Serie 2003 in Grenzenlos Das Geheimnis der Doshas im Gleichgewicht „Ältestes Gesundheitssystem der Welt“ eröffnet Wege zu einem „gesunden und langen Leben“ / Die Doshas: Wirkprinzipien der Natur von Hartmut Föller Ayurveda, die Wissenschaft vom langen Leben, stammt aus der uralten vedischen Hochkultur Indiens und ist das älteste Gesundheitssystem der Welt. Detailliert werden alle Aspekte des menschlichen Lebens beschrieben und Möglichkeiten gezeigt, wie sich der Mensch an einem gesunden und langen Leben erfreuen kann. Erhaltung der Gesundheit und Vorbeugung von Krankheiten stehen dabei im Mittelpunkt.
Ende der siebziger Jahre begann eine grundlegende Wiederbelebung der Lehre. Initiator war Maharishi Mahesh Yogi, der aus der uralten Tradition vedischer Meister stammt und so das alte Wissen mitbrachte. Durch seine Autorität hat er in Indien viele hervorragende ayurvedische Ärzte und Gelehrten gewonnen. In einer Zusammenarbeit, an der auch westliche Wissenschaftler beteiligt waren, ließ sich das ursprüngliche Verständnis des Ayurveda herauskristallisieren und seine Ganzheit restaurieren.
Der menschliche Körper ist in einer ständigen inneren Bewegung und Erneuerung. In seinen 100 Billionen Zellen findet in jeder Sekunde eine Quadrilliarde chemischer Reaktionen statt. Ungeachtet der vielen Belastungen, die dieses innere Gleichgewicht täglich gefährden, ist der menschliche Organismus in der Lage, seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Der Ayurveda beschreibt drei grundlegende Funktionsprinzipien (Doshas) – Vata, Pitta und Kapha, die in der gesamten Natur und auch in uns wirken. Ihr harmonisches Zusammenspiel ist die Ursache für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Diese Doshas werden jedoch von vielen Faktoren beeinflusst, wie z.B. unsere Arbeit, die Nahrung oder das Wetter. Als ganzheitliche Gesundheitslehre beschreibt der Ayurveda verschiedene Möglichkeiten, um die drei Doshas im Gleichgewicht zu halten, z.B. Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung, Tages- und Jahreszeitenroutine, Aroma- und Musiktherapie, Entschlackungskuren, Yoga und Meditation. Krankheiten entstehen durch Zunahme der Doshas. Am Anfang empfinden wir vielleicht nur ein leichtes Unbehagen, Konzentrationsschwäche, Einschlafstörungen, Verstopfung oder leichte Gelenkschmerzen. Wir sollten jedoch diese Vorboten nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern rechtzeitig gegensteuern. Der Ayurveda lehrt uns, wie die Doshas aus dem Gleichgewicht geraten und wie wir sie wieder ins Lot bringen können. Eines der wichtigsten ayurvedischen Regeln besagt „heyam dukham anagatam“ – vermeide die Gefahr bevor sie entsteht.
Vata steuert jegliche Art von Bewegung, nicht nur unsere Fortbewegung, sondern auch Bewegung in unserem Darm (die Peristaltik), unser Kreislaufsystem oder auch Bewegung in unserem Geist in Form von Gedanken. Vata ist auch das Luftprinzip und steht für Trockenheit und Schnelligkeit. In unserer Gesellschaft ist Vata das am meisten aus dem Gleichgewicht geratene Dosha. Hektik, Stress, Zeitdruck, Lärm, Fast Food, kaltes Wetter, Autofahren, Reisen, aber auch viele Sinneseindrücke wie Fernsehen, Kino oder die Leuchtreklamen erhöhen ständig das Vata-Dosha. Dieser permanente Vata-Überschuss stört alle Vorgänge, für die Vata in unserem Körper und Geist zuständig ist. Der Stuhlgang wird zum Problem, wir leiden an Einschlafstörungen, machen uns viele Gedanken in Form von Sorgen und Ängsten, sind nervös (beobachten Sie mal, wie viele Menschen mit wippendem Fuß ihnen gegenüber sitzen, d.h. zuviel Vata = Bewegung in sich haben), haben Kreislaufprobleme (z.B. kalte Füße und Hände) oder die Gelenke fangen an zu schmerzen; aber auch Kleinigkeiten wie trockene Haut und Lippen sind erste Anzeichen von erhöhtem Vata. Wenn wir auf unseren Körper hören und rechtzeitig gegensteuern, kann das Vata-Ungleichgewicht nicht zur chronischen Krankheit werden. Vata wird durch Unruhe und Kälte aus dem Gleichgewicht gebracht, das Gegenteil, nämlich Ruhe und Wärme, gleicht Vata aus. Nehmen Sie sich genügend Zeit, gönnen Sie sich manchmal eine Musestunde und achten Sie vor allem auf einen regelmäßigen Tagesablauf, denn dieser hält ganz besonders Vata im Gleichgewicht. Morgens zur gleiche Zeit aufstehen, regelmäßige Essenszeiten und abends regelmäßig früh zu Bett. Damit ist schon die Basis für ein gesundes Leben gelegt. Warme Kleidung und vor allem warmes Essen harmonisieren Vata ebenfalls. Salat, obwohl er viele Vitamine enthält, sollte deshalb nur als kleine Beilage gegessen werden. Auch empfiehlt es sich, Vata-erhöhende Nahrungsmittel zu reduzieren, dies sind vor allem die blähenden Gemüse (Luft = Vata). Warme Ölmassagen morgens vor dem Duschen oder Baden ist Vata-ausgleichend und fördert das Wohlbefinden. Aromaöle in der Duftlampe, sanfte Musik und eine schöne Umgebung tun ihr übriges, um überschüssiges Vata zu beseitigen. Achten Sie darauf, dass Sie es sich immer gut gehen lassen. Bei Vata-Indikationen ist dies sehr wichtig – besonders während der Vata-Jahreszeit, d.h. im Herbst und Winter und bei Vata-Tätigkeiten (= Reisen, am Computer arbeiten). Dass Meditation und Yoga eine positiven Einfluss auf uns und unser Wohlbefinden haben, hat sich schon seit vielen Jahren herumgesprochen. Diese Techniken sind besonders wirkungsvoll, um das Gleichgewicht der Doshas wiederherzustellen. Der Geist, der während der Meditation zu seinem Selbst findet, erfährt dabei einen Zustand perfekten Gleichgewichts und perfekter Harmonie der Doshas. Wenn der Geist regelmäßig diesen Zustand erfährt, projiziert er ihn in unser Aktivität, in unser tägliches Leben. Dies ist die effektivste Methode, ein Dosha-Ungleichgewicht zu beseitigen.
Pitta ist Energie und Hitze, es reguliert alle Stoffwechselvorgänge in unserem Körper. Die Verdauungsenzyme sind von Pitta gesteuert. Leber und Bauchspeicheldrüse sind „Pitta-Organe“. Entzündungs- und Hautkrankheiten sind Anzeichen eines Pitta-Überschusses. Viel Pitta erkennt man auch an roten Haaren und Sommersprossen. Pitta wird in erster Linie durch Hitze aus dem Gleichgewicht gebracht, aber auch Überanstrengung im Beruf oder scharfe Gewürze erhöhen Pitta. Im Geist steht Pitta für Intelligenz und Präzision. Zuviel an Pitta zeigt sich in Form von Zorn, Ärger und Reizbarkeit. Wichtig bei Pitta-Überschuss ist Kühlung, z.B. durch Lassi (Joghurt-Getränk) oder Pfefferminztee (im Gegensatz zu einem kalten Schnaps, der sehr stark erhitzend wirkt, hat ein warmer Pfefferminztee kühlende Eigenschaften). Pitta wird durch Ruhe und Mäßigung ausgeglichen. Allerdings sollte das hohe Maß an Energie, das durch viel Pitta bewirkt wird, durch genügend sportliche Tätigkeit ein Ventil finden. Wichtig ist auch genügend zu Essen, da viel Pitta sich durch viele Verdauungssäfte kennzeichnet und die brauchen immer etwas zum Arbeiten, sonst verdauen sie sich selbst. In jedem Fall sollten Reizstoffe wie Kaffee, Tee, Nikotin und Alkohol weggelassen werden.
Kapha sorgt für Struktur und Festigkeit. Die Kindheit, das Frühjahr oder der Morgen sind von Kapha geprägt. Es ist das Prinzip des Entstehens, von Wachstum und Zunahme. Ein zuviel an Kapha drückt sich in Form von Trägheit aus, aber auch Festhalten und Geiz sind Anzeichen. Am besten erkennt man ein zuviel an Kapha anhand des Körperumfanges. Zuviel und zu schwer und zu häufig essen ist die Hauptursache von Kapha-Ungleichgewicht. Wir führen dem Körper mehr zu als er verdauen kann. Ein altes ayurvedisches Sprichwort besagt, dass 2/3 unserer Ernährung für unser eigenes Wohl ist, das restliche Drittel dient dem Wohlstand des Arztes. Zuviel Schlaf und vor allem tagsüber schlafen erhöht Kapha, zu wenig Sport und Bewegung ebenfalls. Die Folge ist Übergewicht und dadurch bedingte Kreislauf-, Herz, Nieren- und viele Stoffwechselprobleme. Es ist übrigens bereits seit 70 Jahren in der Wissenschaft bekannt, dass der Körper von selbst weiss, wieviel er zu essen hat. Allerdings ist uns aufgrund von Erziehung („Du bleibst so lange sitzen bis der Teller leer ist!“), Werbung und Fast Food dieser Sinn verlorengegangen. Wir sollten wieder lernen, bewusster zu essen. Essen sollte keine Nebensache sein, sondern immer unsere volle Aufmerksamkeit besitzen. Niemals im Stehen essen. Bereits die Upanishaden sagen, dass essen im Stehen die Nahrungsmittel sofort in Gift verwandelt – auch wenn sie noch so biologisch sind. Der Ayurveda gibt uns viele Tipps zum Essen, nicht nur bezüglich der Nahrungsmittel, sondern insbesondere wie und wann wir essen. Auch Trennkost ist keine moderne Erfindung sondern im Ayurveda schon lange bekannt.
1. Richten Sie regelmäßige Essenszeiten ein. 2. Essen Sie erst wieder, wenn die vorhergehende Mahlzeit vollständig verdaut ist (ca. 3-6 Stunden nach einer Hauptmahlzeit). 3. Überessen Sie sich nicht. Der Magen sollte nach dem Essen nur zu etwa 3/4 voll sein. 4. Das Mittagessen sollte die Hauptmahlzeit sein, Frühstück und Abendessen sollten leicht sein. Nehmen Sie das Abendessen nicht zu spät ein. (Morgens und abends ist Kapha-Zeit, da nimmt man besonders gut zu!) 5. Trinken Sie regelmäßig tagsüber heiße Getränke (ca. 1,5 Liter pro Tag). 6. Benutzen Sie Gewürze, denn Gewürze machen das Essen nicht nur schmackhaft, sondern unterstützen auch den Verdauungsvorgang. Also: weniger essen, dafür aber sehr gut gewürzt und viel Bewegung, das hilft Kapha auszugleichen. Tagsüber viel heißes Ingwerwasser trinken ist sehr hilfreich. Um Vata auszugleichen ist Wohlbefinden angesagt, bei Kapha wird genau das Gegenteil empfohlen. Trägheit und Muse erhöhen Kapha noch. Etwas Anregung tut Kapha gut, um es wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ansonsten ist Kapha das vom Ayurveda am meisten geliebte Dosha. Es verleiht Sanftmut und Güte, Stabilität und Toleranz. Allerdings ein zu viel macht träge und faul. Und Übergewicht ist für den Körper auch nicht von Vorteil. Wichtig ist zu bemerken, dass alle Doshas lebenswichtig sind und ihre Qualitäten besitzen. Nur ein „zuviel“ stört die gesunde Funktionsweise von Körper und Geist. Deshalb gilt es, die Doshas in einem harmonischen Gleichgewicht zu halten und sie nicht über einen langen Zeitraum in uns anzusammeln, so dass sie sich festsetzen können.
Diese Serie über Ayurveda wird auch in der nächsten Grenzenlos - Ausgabe (Februar) und darüber hinaus fortgesetzt! |