Ayurveda – Lehre vom langen Leben (Teil 2)

Die große Gesundheits-Serie 2003 in Grenzenlos


Fit in den Frühling mit Ayurveda

Tipps zum Entschlacken und Wohlfühlen

von Hartmut Föller

 

Ayurveda, die traditionelle Gesundheitslehre aus Indien hat für unsere Gesunderhaltung viele Tipps auf Lager. Der Schwerpunkt liegt dabei immer auf Vorbeugung, entsprechend dem Motto von Patanjali, dem Urvater des Yoga: Heyam dukam anagatam (vermeide die Gefahr, bevor sie entsteht).

Wichtig ist eine gesunde Tagesroutine sowie Essens- und Verhaltensregeln entsprechend den Jahreszeiten. Leicht können wir nämlich die Doshas (siehe Grenzenlos Nr. 1-2003) aus dem Gleichgewicht bringen. Doshas sind Wirkprinzipien der Natur, die Struktur und Funktion von Geist und Körper steuern. Sind die Doshas erst einmal aus dem Gleichgewicht, ist es zu einer konkreten Krankheit nicht mehr weit.

Im Frühjahr nimmt in der gesamten Natur das Kapha-Dosha zu. Kapha zeigt sich in Form von Schleimbildung, Zunahme des Körpergewichtes oder Trägheit. Wir müssen also Gegenmaßnahmen treffen, um das Kapha in uns nicht zu stark anwachsen zu lassen. Charaka, einer der Begründer des Ayurveda schreibt dazu in seinem Lehrbuch: „Im Frühjahr wird das während des Winters angesammelte Kapha durch die Wärme der Sonne verflüssigt. Es schwächt die Verdauungs- kraft und verursacht viele Krankheiten. Tagsüber sollte man nicht schlafen. Entschlackende Therapien werden jetzt empfohlen, dagegen schwere, fette, saure und süße Nahrung vermeiden. ... Erfreuen sollte man sich an schönen Frauen und am Erblühen der Blumen im Garten.“ (Charaka Samhita Sutrasthan Kapitel 6 Vers 22 – 26)                    

  • Leichtes Essen entlastet die Verdauungskraft

Aus vielen Kulturen kennen wir besondere Diätvorschriften während dieser Zeit. Sei es die 6-wöchige Fastenzeit der Christen oder die leichten Brote und bitteren Kräuter des jüdischen Passafestes. Diese traditionellen Regeln unterstützen die Reduzierung von Kapha. Generell wird leichtes Essen empfohlen, besonders morgens und abends, da zu diesen Tageszeiten die Verdauungskraft (ayurvedisch = Agni) nur schwach ist.

Zum Frühstück ist Müsli oder Getreidebrei viel zu schwer. Ein leichtes Toastbrot oder nur ein Glas warme Milch sind ausreichend. Menschen mit Kapha-Dominanz (das sind Menschen mit Übergewicht) können sogar für einige Wochen das Frühstück ganz ausfallen lassen. Ein scharfer Gewürztee (Kapha Tee oder Yogi Tee) mit Zitrone und Honig sind ein ideales „Frühstück“ während dieser Zeit.

Abends sind warme Gemüsesuppen mit etwas Reis oder Cuscus sehr sinnvoll. Mittags sollte die Hauptmahlzeit sein – leicht, gut gewürzt und nicht zu viel.

Hilfreich bei der Kapha-Reduzierung sind Gewürze – im Frühjahr können dies ruhig die etwas schärferen Varianten wie Pfeffer oder Ingwer sein. Sinnvoll ist auch manchmal eine Mahlzeit ausfallen zu lassen – z.B. einmal pro Woche ein Abendessen. Fasten ist nicht für alle Konstitutionstypen empfehlenswert. Es führt gerne zum Jojo-Effekt und belastet deshalb den Stoffwechsel zu sehr. Fasten hat zur Folge, dass der Stoffwechsel nur auf Sparflamme läuft. Bei der vom Ayurveda vorgeschlagenen reduzierten Nahrungsmenge bleibt dagegen die Stoffwechselaktivität (Agni) „angeschaltet“, was dem Körper hilft, die Schlackenstoffe abzubauen und auszuschleusen.  

  • Viel Trinken - auch das ist Ayurveda

Von Zwischenmahlzeiten hält der Ayurveda sowieso nicht viel, ganz besonders nicht im Frühjahr. Eine der bedeutendsten ayurvedischen Essensregeln heißt: Erst dann wieder essen, wenn die vorhergehende Mahlzeit verdaut ist! Süßigkeiten auch am besten ganz weglassen (süß erhöht Kapha). Viel trinken hilft die durch die Kapha-Dominanz entstehende Schleimbildung in den Griff zu bekommen – besonders warme Getränke. Der Schleim entsteht auf Grund der Verflüssigung der während der Wintermonate angesammelten Schlackenstoffe. Diese will der Körper nämlich loswerden und bedient sich dadurch der zunehmenden Wärme des Frühlings. Sind die Körperkanäle aber verstopft, kann sich der Schleim nicht lösen, was zu Kopfschmerzen, Husten, Erkältungen, Heuschnupfen und anderen Beschwerden des Atemsystems führt.  

  • Weitere Hilfen zur Entschlackung

Helfen wir also unserem Körper die Schlackenstoffe zu beseitigen. Außer den zuerst erwähnten Essensregeln, kennt der Ayurveda noch weitere Hilfen. Morgens z.B. ist eine warme Ölmassage vor dem Duschen ist nicht nur nützlich sonder auch sehr angenehm. Ein paar Tropfen Nasenreflexöl in beide Nasenlöcher unterstützt besonders die Kapha-Reduzierung im Kopfbereich. Zunge reinigen gehört ebenfalls dazu, da sich auf der Zunge über Nacht Toxine ansammeln, die nicht mit dem Frühstück in den Magen gelangen sollten. Yoga-Übungen oder auch leichte körperliche Tätigkeiten (Spazieren gehen, Rad fahren oder Schwimmen) sollten ebenfalls zur Tagesroutine gehören. Mittagsschlaf dagegen erhöht Kapha – also weglassen. 

Eine ganz besondere Maßnahme sind die ayurvedischen Pancha Karma Kuren. Mit Hilfe von sehr viel Sesamöl, Butterfett, Wärmebehandlungen, Massagen und ausleitenden Maßnahmen werden sogar äußerst festsitzende Schlackenstoffe, mit denen der Körper normalerweise alleine nicht fertig wird, beseitigt.

Eine bedeutende Rolle spielt das Wohlbefinden. Lassen Sie sich vom Stress nicht anstecken, ärgern Sie sich nicht und tun Sie sich regelmäßig Gutes. Hören Sie entspannende Musik, meditieren Sie regelmäßig und verschönern Sie die Atmosphäre mit angenehmen Aromaölen.

Wenn Sie sich an die Empfehlungen halten, werden Sie gesund und zufrieden durch das Frühjahr kommen – weitgehendst ohne Frühjahrsmüdigkeit oder Erkältungskrankheiten.

Und sicher werden Sie auch um einige Pfunde erleichtert sein.

Der Autor Hartmut Föller, Studium der Biologie, TH Darmstadt. 8 Monate Ausbildung zum Lehrer für Transzendentale Meditation, CH-Seelisberg. 3 Jahre Ausbildung in Ayurveda, Maharishi Vedic University,  NL-Vlodrop. 7 Jahre Tätigkeit bei einem ayurvedischen Versandhandel, seit 2 Jahren selbständig als Ayurveda-Consultant.  

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