Ayurveda – Lehre vom langen Leben (Teil 5)

Die große Gesundheits-Serie 2003 in Grenzenlos

Die Gesundheits- und Lebenslehre des Ayurveda ist eine der ältesten unserer Welt. Auch wenn sie unserem Kulturkreis erfreulicherweise inzwischen etwas mehr an Zuspruch gewonnen hat, fehlt es vielerorts einfach an Information zu diesem aus der verdischen Hochkultur Indiens stammenden Gesundheitssystem. Grenzenlos-Autor Hartmut Föller beschreibt deshalb in einer Jahresserie einige wesentliche Themen aus dem Ayurveda. Bisher sind erschienen: Das Geheimnis der Doshas im Gleichgewicht (Ausgabe 1/2003), Entschlacken und Wohlfühlen (Ausgabe 2/2003), So wird der Tag ein guter Tag (Ausgabe 3/2003), Agni und Ojas stärken - dann hat Ama keine Chance (Ausgabe 4+5/2003). 


AyurvedischeTipps für Sport und Fitness 

von Hartmut Föller 

Beobachten Sie einmal die Beweglichkeit eines kleinen Kindes und vergleichen Sie sie mit der von älteren Menschen. Man könnte natürlich der Meinung sein, der Unterschied sei normal und das Alter bringe das halt so mit sich – allerdings behauptet der Ayurveda, dass selbst im hohen Alter Beweglichkeit, Gesundheit und Fitness erhalten werden können.          

Eine Hauptursache für Unbeweglichkeit ist Ama (ayurvedisch = Schlackenstoffe), das durch falsche Ernährung entsteht. Stoffwechsel und Verdauung arbeiten nicht optimal, die Folge ist unvollständige Verstoffwechselung der Nahrung und es entstehen Stoffwechselschlacken, die der Körper in Zellzwischenräumen, den Körperkanälen (= Shrotas) oder den Gelenken ablagert. Fehlende Energie und Unbeweglichkeit sind die Folge bis hin zu chronischen Rückenschmerzen und Gelenkproblemen (Artritis, Artrosen oder Gicht).

Was können wir dagegen tun? Der Ayurveda gibt uns viele hilfreiche Tipps, um gesund, fit und leistungsfähig zu bleiben. Wichtig sind eine gesunde Ernährung (siehe Grenzenlos 4/5 2003), eine natürliche Tagesroutine (siehe Grenzenlos 3/2003)  und auch genügend Bewegung.                                       

Sportliche Aktivität hat viele gesundheitsfördernde Wirkungen: Der Körper bleibt fit und beweglich, die Muskulatur wird aufgebaut und alle inneren Organe werden gestärkt. Schlackenstoffe werden verbrannt, aber auch Stresshormone werden abgebaut. Ganz besonders wird die Verdauungskraft gestärkt. Trotzdem gilt auch hier wie überall, das richtige Maß ist entscheidend. Ein zuviel kann genau das Gegenteil bewirken. Erschöpfung, Energieverlust oder auch körperliche Beeinträchtigungen sind die Folge.

Auf die Frage was „gesunder Sport“ ist, gibt der Ayurveda ganz konkrete Anweisungen: 50 % Belastung = maximaler Erfolg . Aber wie finde ich das richtige Maß für mich heraus?

Der Ayurveda gibt auch hier eine einfache Faustregel: Wenn man anfängt schwer zu atmen, so dass man nicht mehr durch die Nase sondern durch den Mund atmen muss, sollte man aufhören oder etwas langsamer machen.

Zweck des Sports liegt nicht ausschließlich darin, Muskeln aufzubauen und Rekorde zu brechen. Sport zu treiben soll vor allem auch dazu beitragen, im gesamten Körper ein vollständiges inneres Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, alle Organe zu stärken und das Immunsystem widerstandsfähiger zu machen.

In dem klassischen Ayurveda-Lehrbuch Charak Samhita heißt es: „Wer Sport im Übermaß betreibt, dessen Kräfte werden auf einmal schwinden, wie die Kraft eines Löwen, der versucht, es mit einem Elefanten aufzunehmen.“

Einige allgemeine Regeln:

1. Regelmäßigkeit: Wie beim Essen oder der Tagesroutine - regelmäßig Sport ausüben ist besser, als nur ab und zu seinen Körper zu martern. Der Körper profitiert von regelmäßigem Sport: stark, ausdauernd, energievoll und flexibel.

2. Alter: Kinder und Menschen bis 25 Jahren sollten regelmäßig ausreichend Sport und Bewegung haben. Ab 25 das Ganze dann etwas gemäßigter und über 40 sollte der Sport dann mehr in Richtung Bewegung gehen – radfahren, schwimmen oder wandern.

3. Konstitution:   Vata-Typen (schlanke Menschen mit feinen Gliedern) moderat aber kontinuierlich.

Pitta-Typen ( mittlerer bis kräftiger Körperbau) sind Menschen mit hohem Energie-Niveau. Diese können etwas mehr Beanspruchung gebrauchen.

Kapha-Typen (von Natur aus etwas korpulente Personen) sind zwar von Natur aus nicht so motiviert, benötigen aber in jedem Fall genug Bewegung, um die Trägheit herauszubekommen und den Stoffwechsel und die Verdauungskraft zu aktivieren.

4. Tageszeit: Morgens zwischen 6 und 10 Uhr ist die beste Zeit. Der Abend ist mehr zum Entspannen und regenerieren, was nicht heißt, dass ein Abendspaziergang verboten ist.

5. Jahreszeit: Bei Hitze (was in unseren Breitengraden nicht so häufig vorkommt) wird Sport entsprechend der Ayurveda-Lehre generell nicht empfohlen. Dies gilt für jegliche Art von Überanstrengung.                                                             

6. Regeneration: Eine ausreichende Regenerationsphase ist genauso wichtig wie die sportliche Betätigung. In ihr erholt sich der Körper und sammelt wieder Kräfte. Eine sanfte Ölmassage entspannt die beanspruchten Glieder und Gelenke. Sie lockert die Muskulatur und hilft, die zu Muskelkater führende Milchsäure (Laktat) abzubauen.

Auf Sport sollte man verzichten wenn man sich erschöpft fühlt, bei Krankheit, wenn man Hunger oder Durst hat, direkt vor oder nach dem Essen. Nach dem Essen mindestens 2 - 3 Stunden warten. Gegen einen Verdauungsspaziergang ist dagegen nichts einzuwenden.

Frauen sollten während der Menstruation, der Schwangerschaft und einige Zeit nach der Geburt keinen oder nur sehr leichten Sport treiben. Yoga gehört zwar nicht direkt in die Kategorie Sport, sollte aber an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden. Yoga hat zwei Aspekte. Den körperlichen und den geistig-seelischen. Ziel von Yoga ist Erleuchtung (Samadhi oder Moksha). Die Yoga-Übungen sind ganz gezielt so aufgebaut, feinstoffliche Energien fließen zu lassen und so Körper und Bewusstsein zu entwickeln.

Betrachtet man allerdings nur den körperlichen Aspekt, so hat dieser alleine schon äußerst positive Auswirkungen. Alle Glieder und Gelenke werden flexibel gehalten, Muskeln und Sehnen trainiert und durch Beugen, Strecken und Dehnen alle inneren Organe systematisch „massiert“. Selbst unter diesem grob-stofflichen Aspekt sind Yoga-Übungen eine optimale körperliche Ertüchtigung, die man selbst im hohen Alter noch durchführen kann.

Wer sich viel sportlich betätigt sollte natürlich ganz besonders auf eine gesunde, vollwertige Ernährung achten. Was der Ayurveda darunter versteht wurde ausführlich in Grenzenlos 4/5-2003 erläutert. Ergänzend sei hier nur erwähnt, dass für mehr Leistung auch mehr Brennstoff benötigt wird. Stoffwechsel belastende Ernährung wie eiweiß- und fetthaltige Nahrung sollte reduziert werden. Leichte Kohlehydrate (z.B. Reis) in Verbindung mit vitamin- und mineralstoffhaltigen Nahrungsmitteln (= Obst und Gemüse) sind zu bevorzugen.

Wichtig sind Nahrungsergänzungen, da diese dem Körper wichtige Substanzen zuführen.  

Nachfolgend sind einige ayurvedische Basiskräuter und deren Wirkung aufgeführt:

• Amalaki (Emblica officinalis) stärkt den gesamten Organismus. Sie ist die Vitamin C- reichste Frucht und enthält Substanzen, die freie Radikale abbauen. Die Früchte senken Cholesterin und Stimulierung des Immunsystems. Zellregeneration sowie anabolische Wirkung auf Muskel- und Knochengewebe wurden ebenfalls wissenschaftlich nachgewiesen. Amalaki harmonisiert alle drei Doshas und ist die am stärksten verjüngende Substanz.             

• Triphala ist nützlich zur Optimierung des Stoffwechsels, es ist Pitta reduzierend und entzündungshemmend. Es besitzt stark reinigende und Ama-reduzierende Wirkung und sollte täglich genommen werden. 

• Ashwagandha (Withania somnifera) wird als das indische Ginseng bezeichnet. Es ist immunstimulierend und regenerierend. Ashwagandha ist anabolisch und fördert dadurch den Muskelaufbau ohne jede Nebenwirkung.

• Shatavari (Asparagus racemosus) stärkt und baut auf und hilft deshalb bei Erschöpfung. Shatavari wird besonders für Sportlerinnen empfohlen, da es speziell auf den weiblichen Organismus wirkt. 

Der Autor Hartmut Föller, Studium der Biologie, TH Darmstadt. 8 Monate Ausbildung zum Lehrer für Transzendentale Meditation, CH-Seelisberg. 3 Jahre Ausbildung in Ayurveda, Maharishi Vedic University,  NL-Vlodrop. 7 Jahre Tätigkeit bei einem ayurvedischen Versandhandel, seit 2 Jahren selbständig als Ayurveda-Consultant.

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