Ayurveda – Lehre vom langen Leben (Teil 9)

Die große Gesundheits-Serie 2003 in Grenzenlos

Die Gesundheits- und Lebenslehre des Ayurveda ist eine der ältesten unserer Welt. Auch wenn sie unserem Kulturkreis erfreulicherweise inzwischen etwas mehr an Zuspruch gewonnen hat, fehlt es vielerorts einfach an Information zu diesem aus der verdischen Hochkultur Indiens stammenden Gesundheitssystem. Grenzenlos-Autor Hartmut Föller beschreibt deshalb in einer Jahresserie einige wesentliche Themen aus dem Ayurveda. Bisher sind erschienen: Das Geheimnis der Doshas im Gleichgewicht (Ausgabe 1/2003), Entschlacken und Wohlfühlen (Ausgabe 2/2003), So wird der Tag ein guter Tag (Ausgabe 3/2003), Agni und Ojas stärken - dann hat Ama keine Chance (Ausgabe 4+5/2003). 


Wärme und Behaglichkeit

Ayurvedische Tipps für die kalte Jahreszeit

Von Hartmut Föller

Viele Faktoren beeinflussen das Gleichgewicht der Doshas – zum Beispiel unsere Tagesroutine, die Nahrung und die Jahreszeiten. Die hier vorgestell- ten Tipps sollen Ihnen helfen, Ihr inneres Gleichgewicht zu bewahren. Es geht dabei nicht um die strikte Einhaltung aller Empfehlungen, denn der Ayurveda soll eine Bereicherung für Ihr Leben sein, keine Einengung. Neues ausprobieren, Spaß daran haben und sich wohlfühlen stehen da- bei an erster Stelle.

Ernährung:
Im Winter ist aufgrund der äußeren Kälte das innere Agni – die Verdauungskraft – normalerweise stärker als zu den anderen Jahreszeiten. Deshalb können Sie jetzt ruhig etwas kräftiger und reichhaltiger essen. Zu leichte Nahrung würde bewirken, dass das starke Verdauungsfeuer Körper-Gewebe abbaut und Vata aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Ebenso bewirken Wind und Kälte eine Erhöhung des Vata-Doshas, da dieses die Haupteigenschaften luftig, trocken, kalt und unregelmäßig besitzt. Deshalb sind im Herbst und Winter Vata-reduzierende Maßnahmen angezeigt.

Bevorzugen Sie in jedem Fall warme und nahrhafte Speisen (z.B. Eintöpfe, Nudelgerichte, Aufläufe), Milchprodukte (z.B. Sahne, Milchreis), Nüsse und Mandeln. Besonders lecker sind auch eingeweichte Trockenfrüchte wie Datteln, Rosinen oder Feigen (Tipp: mit Sahne und Zimt!).

Reduzieren Sie dagegen Rohkost, Salate, Kohlsorten und trockene Speisen.

Benutzen Sie zum Kochen immer etwas Ghee (geklärte Butter). Ghee wird im Ayurveda wegen seiner gesundheitsfördernden Eigenschaften besonders hoch geschätzt. Die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig sind jetzt zu bevorzugen.

Zu den Vata-beruhigenden Gewürzen zählen:
Zimt, Fenchel, Anis, Muskat, Kümmel, Kardamom, Süßholz, Nelken, frischer Ingwer, Petersilie und Basilikum, um nur einige zu nennen. Probieren Sie auch einmal die Gewürzzubereitung Vata Churna.

Vermeiden Sie eiskalte Getränke – trinken Sie statt dessen Warmes:
z. B. Vata Tee, Sanfter Atem Tee, Vata Milk Shake, Mandel Mix- Getränkepulver oder Raja’s Cup (ein köstlich-feines ayurvedisches Kaffeesurrogat). Zum Mittagessen kann man ein Glas Lassi trinken. 1 Teil Joghurt und 3 Teile Wasser mixen – etwas Steinsalz oder für süßes Lassi Zucker und zum Beispiel Kardamom und Zimt oder Vanille hinzufügen). Das regelmäßige Trinken von heißem Wasser ist sehr empfehlenswert. Meiden Sie dagegen Stimulanzien wie Kaffee, Schwarztee und Zigaretten.

Nahrungsergänzungen   
Im Ayurveda sind eine Vielzahl an Kräuter- und Mineral-Mischungen beschrieben. Ihre ganz bestimmte Kombination unterschiedlicher Inhaltsstoffe macht sie so besonders: Die verschiedenen Inhaltsstoffe ergänzen und verstärken sich gegenseitig. Die bedeutendste ayurvedische Nahrungsergänzung ist Amalaki (Emblica officinalis). Sie besitzt von allen Früchten weltweit den höchsten Vitamin C Gehalt und  reduziert nachweislich zellschädigende freie Radikale, was besonders notwendig ist, wenn unser Körper stark gefordert wird, wie dies im Herbst und Winter der Fall ist. Speziell für das Immunsystem empfiehlt sich Guduchi (Tinospora cordifolia). 

Ölmassage
Da Vata die Eigenschaften „kalt“ und „trocken“ besitzt, kann es mit Wärme und Feuchtigkeit ausgeglichen werden. Eine morgendliche Ganzkörper-Ölmassage gehört dabei mit zu den angenehmsten Vata - beruhigenden Maßnahmen. Dabei massieren Sie vor dem Duschen oder Baden den ganzen Körper mit warmem Sesamöl – oder noch besser mit Vata Massageöl – und lassen das Öl ein paar Minuten einziehen. Diese Massage hat eine besänftigende Wirkung auf das Nervensystem, kräftigt den Kreislauf und hilft, Toxine aus dem Körper zu transportieren. Die anschließende Dusche oder das Bad sollten ebenfalls angenehm warm sein. Auch ein warmes Fußbad am Abend beruhigt Vata auf wohltuende Weise.

Achten Sie des weiteren immer auf warme, natürliche Kleidung (z.B. feine Lambswool) und meiden Sie in geschlossenen Räumen Zugluft und Trockenheit. 

Tagesroutine
Da im Winter Stoffwechsel und Körperkraft bei einem gesunden Menschen stärker sind als zu anderen Jahreszeiten, kann man sich nun etwas mehr körperlich betätigen. Achten Sie aber immer darauf, dass Sie sich nicht verausgaben und ein gesundes Maß an Aktivität und Ruhe einhalten. Neben ausreichend Schlaf ist die regelmäßige Ausübung von Meditation ein Schlüssel zu tiefer innerer Regeneration und Entspannung. Ganz besonders empfehlenswert ist jetzt auch eine regelmäßige Tagesroutine, denn Regelmäßigkeit gleicht Vata aus.  

Nehmen Sie deshalb regelmäßig Ihre Mahlzeiten ein, gehen Sie ungefähr zur selben Zeit – und nicht zu spät – zu Bett und stehen Sie immer um dieselbe Zeit auf.  

Damit haben Sie schon einen regelmäßigen Rahmen in Ihrem Tagesablauf geschaffen, was oft eine deutliche Verbesserung des körperlichen und geistigen Wohlbefindens zur Folge hat. 

Reduzieren Sie vor allem im Herbst und Winter nach Möglichkeit alles, was das Vata-Dosha aus dem Gleichgewicht bringt. Dies sind in erster Linie Stressfaktoren wie Überbelastung am Arbeitsplatz, langes Reisen, spätes zu Bett gehen und zuviel fernsehen. Lesen Sie statt dessen vielleicht mal wieder ein gutes Buch oder hören Sie entspannende Musik. Bereichern Sie Ihre Wohnatmosphäre mit wohlduftenden, ayurvedischen Aromaölen. 

Kräuteröle: Die Nasenschleimhäute sind bei kalter Witterung besonders anfällig. Geben Sie deshalb am besten morgens 1-2 Tropfen Sesamöl in die Nase. Mit dem ayurvedischen Minzöl kann bei Bedarf inhaliert werden. Es besteht aus reinen ätherischen Ölen von Kampher, Minze, Eukalyptus und weiteren Kräutern denen im Ayurveda eine klärende und erfrischende Wirkung zugeschrieben werden.

Bitte beachten Sie, dass die hier aufgeführten Empfehlungen allgemeiner Natur sind, die jedem Menschen in der kalten Jahreszeit gut tun. Bei Bedarf wird Ihnen jedoch ein ayurvedischer Arzt individuell abgestimmte Empfehlungen geben.

Die wichtigsten Maßnahmen zusammengefasst:

1.) Gesundes Maß an Aktivität und Ruhe, Sport, ausreichend Schlaf, Meditation

2.) Kräftigende, nahrhafte und warme Speisen

3.) Regelmäßiger Tagesablauf – insbesondere regelmäßige Eßgewohnheiten

4.) Wärme – warme Ölmassage, warmes Essen, warme Kleidung

5.) Stärkung des Organismus mit ayurvedischen Nahrungsergänzungen (Amalaki und Guduchi). 
 

Der Autor Hartmut Föller, Studium der Biologie, TH Darmstadt. 8 Monate Ausbildung zum Lehrer für Transzendentale Meditation, CH-Seelisberg. 3 Jahre Ausbildung in Ayurveda, Maharishi Vedic University,  NL-Vlodrop. 7 Jahre Tätigkeit bei einem ayurvedischen Versandhandel, seit 2 Jahren selbständig als Ayurveda-Consultant.

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