von Roland Häke
Der Mediator – Vermittler mit einfühlendem Verstehen So bedeutet Mediation wörtlich übersetzt „Vermittlung“. Dabei kommt dem Mediator als neutralem Helfer eine wesentliche Bedeutung zu. Allerdings ist er nicht als „Schiedsrichter“ anzusehen, sondern „als neutraler Helfer, der seine Tätigkeit als schlichte Dienstleistung begreift und ausübt“ (Handbuch Mediation, Beck-Verlag 2002). Mediation versteht sich – ganz anders als ein Zivilverfahren vor Gericht - als Konfliktvermittlung, die nicht nur auf die Inhalte des zu lösenden Problems ausgerichtet ist, sondern die sich auch mit Streitregeln befasst, denen die Konfliktparteien folgen (sollen). Dabei wollen Mediator wie auch der Prozess der Mediation den Parteien „Kompetenzen einer konstruktiven Konfliktaustragung“ vermitteln, so dass die „Gegner“ sich in der Lage sehen, ihren Konflikt selbst zu bewältigen. Sie erarbeiten sich die Problemlösungen selbst, wobei der Mediator als Moderator Hilfestellungen bei diesem Prozess gibt. Er konzentriert sich vor allem darauf, die Kommunikation zwischen den Konfliktparteien (wieder) herzustellen, aufrechtzuerhalten und hilft, dass sich die Kontrahenten über ihre Interessen und Gefühle klar werden und sie angemessen artikulieren können. Ebenso gehört es zu den Aufgaben eines Mediators, für den Ausgleich von Machtungleichgewicht zur sorgen und auf die Realisierbarkeit von getroffenen Vereinbarungen zu achten. Um dies leisten zu können, muss der Mediator natürlich eine hohe Sachkompetenz in Bezug auf den Auseinandersetzungsgegenstand mitbringen und über ausgezeichnete kommunikative Fähigkeiten verfügen. Nur so kann er sich den Respekt und das Vertrauen der Konfliktparteien erwerben und für diese glaubwürdig sein, zu einer fairen Problemlösung beitragen zu können. Es versteht sich von selbst, dass der Mediator kein eigenes Interesse an dem Konfliktausgang haben und auch keine Wertungen oder Urteile abgeben darf. Zwar ist er für den Verlauf der Gespräche mit verantwortlich, jedoch nicht für deren Ergebnis. Des Mediators Aufgabe ist es, klare Strukturen so zu schaffen, dass die Konfliktparteien wissen, worauf sie sich einlassen und worauf sie sich verlassen können. Soll eine Mediation erfolgreich sein, muss vor allem der Ablauf des Mediations- verfahrens transparent sein, die Kommunikationsregeln müssen nach ihrer Aufstellung auch eingehalten werden. Auch hierbei ist der Mediator gefordert. Er ist nicht nur ein Außenstehender, der bei der Kooperation der Konfliktparteien behilflich ist - der Mediator soll durch seine positive Wertschätzung und sein einfühlendes Verstehen (Empathie) den nach einer Lösung suchenden Beteiligten zeigen, dass er ihre subjektive Sichtweisen, Gefühle, Einstellungen, Widerstände und Interessen ernst nimmt, auch wenn er sie nicht unbedingt teilt. Die einzelnen Stufen eines Mediationsverfahrens Grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Konfliktvermittlung ist natürlich das wirkliche Einverständnis dazu und der tatsächliche gute Wille der beteiligten Parteien. Sie müssen jeweils von einer „Gewinner-Verlierer“-Sichtweise sich hin zu einer „Gewinner-Gewinner“-Lösung bewegen wollen. Dann kann eine Mediation wie folgt ablaufen: 1. Ausgangssituation Die Streitenden können oder wollen nicht mehr direkt miteinander reden. Starke negative Gefühle lassen jeden Kommuni- kationsversuch scheitern und in einen destruktiven Streit ausarten. 2. Beginn des Mediationsprozesses Der Mediator wendet sich den Streitenden zu, informiert sie über den Mediationsprozess, schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre und lässt sich den Streithergang von beiden Parteien erzählen. Gegenüber dem neutralen und akzeptierten Vermittler lässt sich die Sachlage zusammenhängend und meist ohne größere Ausfälligkeiten schildern. Wo es doch dazu kommt, werden sie vom Mediator durch Umformulierung neutralisiert. Unterbrechungen und eskalierende Einwürfe der Gegenseite können weitgehend ausgeschaltet werden, da die Kontrahenten nicht direkt in das Gespräch einbezogen sind, sondern lediglich zuhören sollen. Die erzählende Partei wird emotional entlastet, während die zuhörende Partei einiges Neues erfahren kann. 3. Schrittweise direkte Kommunikation herstellen Der Mediator ermöglicht erste konstruktive Direktkontakte, indem er Gelegenheit zu klärenden Rückfragen gibt und wichtige Kernsätze zum Verständnis der gegnerischen Partei „spiegeln“ lässt. Durch Anleitung und Vorbild des Mediators lernen die Kontrahenten, wie sie aktiv zuhören und das Gehörte nichtwertend wiedergeben können. Das Vertrauen kann dadurch wiedergewonnen werden. 4. Zunehmende Direktgespräche Je mehr die Hintergründe des Streits erhellt werden, desto mehr Verständnis der Kontrahenten füreinander wird möglich. Unter Anleitung und Hilfestellung des Mediators kann das direkte Gespräch zwischen den Parteien konstruktiv geführt werden. 5. Seite an Seite nach Lösungen suchen Aus einem unversöhnlich erscheinenden Streit ist ein gemeinsames Problem geworden, das nun auch gemeinsam gelöst werden soll. Anstatt gegeneinander wird nun Seite an Seite miteinander nach einer Lösung gesucht. Der Mediator gibt nur noch methodische Hilfestellung und lässt das Gespräch hauptsächlich zwischen den Konfliktparteien selbst stattfinden. Die Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen führt zu neuen positiven Gefühlen und festigt die Vertrauensbasis. 6. Ohne fremde Hilfe wieder miteinander auskommen Nachdem eine Vereinbarung getroffen wurde, zieht sich der Mediator wieder zurück. Die Grundlage für ein künftig vertrauensvolleres Zusammenleben ist gelegt. Lediglich zur Vergewisserung, ob sich die Vereinbarung als tragfähig erwiesen hat, tritt der Mediator nochmals in Erscheinung. Natürlich unterscheiden sich diese Abläufe je nach Art des Konfliktes. Und natürlich spielt das individuelle Verhalten der Konfliktparteien eine Rolle. Ziel des Mediators sollte es sein, so viel einzugreifen wie notwendig (je destruktiver sich die direkte Kommunikation - zumeist anfangs -gestaltet, um so mehr wird er dies tun müssen) und so wenig wie möglich (je konstruktiver die ehemaligen „Streithähne“ miteinander umgehen können, desto mehr tritt der Mediator in den Hintergrund). Wann hilft Mediation ? Die Mediation - Experten sehen in ihr eine überaus sinnvolle Kombination von Psychologie und Diplomatie - kann in vielen Bereichen zum für die beteiligten Parteien nutzbringenden Einsatz kommen: Im Familienbereich, um eine zwischenmenschliche Trennung zu verhindern, eine Partnerschaft wieder möglich zu machen - oder, wenn eine Trennung doch erforderlich ist, diese ohne aggressive Auseinandersetzungen und Zerwürfnisse vorzubereiten. Gleiches gilt bei Erbschaftsstreitigkeiten, Konflikten in einem Unternehmen, bei Mobbing, Streit unter Nachbarn oder bei Konflikten zwischen Lehrern, Schüler und/oder Eltern. Aber auch bei Behörden und Verwaltungen findet diese Form der wirklich lösungsorientierten Konfliktbewältigung Einsatzmöglichkeiten.
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