| Tai Chi Chuan (1.Teil) Wie in Zeitlupe tanzen
Sanfte Bewegungsmeditation lenkt gezielt
Körperenergien
Bestandteil der Traditionellen
Chinesischen Medizin
Von Volker Jung
| Tai Chi Chuan,
oft auch nur kurz Tai Chi genannt, ist ein Jahrhunderte altes chinesisches meditatives
Bewegungssystem mit gesundheitsfördernden Aspekten. Sein Ursprung ist eine höchst
effektive Kampfkunst, die in China als die Krone der klassischen Drei Inneren
Kampfkünste galt. So bedeute Tai Chi wörtlich übersetzt, oberstes höchstes
Gesetz, oder Krone der Kampfkunst. Chuan bedeutet
Bewegungsfolge oder Boxform. Unter dem Begriff
Schattenboxen ist Tai Chi Chuan ebenfalls bekannt. Dabei wirkt die Lebenskraft (chinesisch
Chi oder Qi) sowohl als Kraftquelle für unvergleichliche
Vitalität im Alltagsleben, als auch zur Bereitstellung ungeheurer Energiemengen in
lebensbedrohenden Notwehrsituationen. Es ist erstaunlich und klingt unwahrscheinlich: Ein
Mensch kann völlig entspannt stehen und dennoch ein unverrückbares Hindernis für seinen
Gegner darstellen. Möglich wird das durch eine ganz bestimmte Körperhaltung, ergänzt
durch geistige Konzentration. Schon ein Finger, der in die falsche Richtung zeigt, kann
den Effekt zunichte machen. Diese Körperbeherrschung erlernt man durch Tai Chi. |
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Trotz höchster Konzentration: Tai Chi ist
ideal zur Entspannung und als Anti-Stress-Mittel |
Was kann uns jetzt eine solche
Jahrhunderte alte Kampfkunst, wohlgemerkt kein Kampfsport, in der heutigen hektischen und
von ständig wachsenden Stressfaktoren geprägten Zeit hier in Europa nutzen?
Autogenes
Training in der Bewegung
Tai Chi ist wohl eines der umfassendsten
ganzheitlichen Systeme, das je auf der Erde erfunden und von den Chinesen über
Jahrhunderte weiterentwickelt wurde. Heutzutage kennen hierzulande viele nur die reinen,
langsam dahin fließenden Bewegungsabläufe aus dem Fernsehen, oder
von Übenden aus öffentlichen Parks im Sommer. Dass man einen sehr großen
gesundheitlichen, geistigen und fitnessmäßigen Nutzen aus diesen Bewegungen ziehen
kann, wissen auch heute noch die wenigsten. Hauptgrundsatz von Tai Chi, diesem
autogenem Training in der Bewegung ist die Einheit von Geist und Körper. Es
ist höchste Konzentration erforderlich, damit der Wille die Körperenergie lenken kann.
Tai Chi kann man hier im Westen in keine bekannten
Kategorien einordnen, da es in der westlichen Kultur keinerlei Entsprechungen für dieses
Bewegungssystem gibt. Es hat sportliche Komponenten, gymnastische Übungen, Atemübungen
und Kreislauftraining, kann aber nicht mit einer Sportart gleichgesetzt werden. Es sieht
aus wie ein Tanz in Zeitlupe, ist aber keinerlei westlicher Tanzart zuzuordnen.
Es versucht philosophische Weisheitslehren in Bewegung
umzusetzen, ist ein hervorragendes Konzentrations- und Gedächtnistraining und ein
hocheffizientes Selbstverteidigungssystem in einem.
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Wie funktioniert Tai Chi? Am Anfang steht der Entspannungs- und Fun-Faktor
absolut im Vordergrund. Tai Chi alleine oder in der Gruppe zu üben ist derzeit mega-In
macht Spaß, relaxt und ist überdies hinaus noch eines der besten bekannten
gesundheitlichen Präventivsysteme aller Kulturen weltweit.
Man beginnt einen sogenannten Formteil
zu erlernen und hat in der Anfangszeit genug damit zu tun, sich diesen vorgegebenen
Bewegungsablauf zu merken. Später, wenn man diesen Formteil oder die ganze 3-teilige Form
vom Ablauf her beherrscht, dann werden geistige und energetische Prinzipien über diesen
reinen Formablauf gelegt und jede Bewegung der Form wird einzeln in Bezug auf eines dieser
Prinzipien hin getestet und geübt. Dies erhöht in großem Maße den Gesundheits- und
Entspannungswert der reinen Bewegungen. Heutzutage geht man davon aus dass fast 70 %
aller Arztbesuche auf Stress und stressbedingte Faktoren zurückzuführen sind. |
Ein Leben für Tai Chi: Grenzenlos-Autor Volker Jung bei einer
Übung in den Schweizer Alpen. |
Tai Chi zu üben ist eine der
anerkanntesten Methoden, um Stress zu vermindern oder gänzlich abzubauen und dessen
negative Folgen für den Organismus aufzuheben. Eine ideale Methode sich aktiv gegen die
Belastungen und Herausforderungen unserer hektischen Zeit zu schützen.
Schon alleine durch die sehr langsam und andächtig
ausgeführten sanften Bewegungen der Tai Chi Formen wird es mit der Zeit möglich genau
herauszufinden, welche Muskeln man für die Ausführung der jeweiligen Bewegung wirklich
benötigt und welche man oft unbewusst aber unnötig mit anspannt. Nach und nach
kristallisieren sich immer klarer sogar einzelne Muskelfaserbündel heraus, die eine
beliebige Bewegung nahezu perfekt ausführen lassen. Durch die Einsparung an unnötiger
Muskelarbeit wird einerseits viel Energie eingespart, andererseits auch viel weniger
geistiger Aufwand getrieben, um die Bewegung auszuführen.
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Der
erste spürbare Faktor ist ein großer Entspannungseffekt nahezu der gesamten
Skelettmuskulatur und eine erfrischende geistige Leichtigkeit. Danach spürt man, dass man
mit immer weniger Einsatz an geistiger und körperlicher Energie den gleichen physischen
Effekt erzielen kann. Der dadurch eingesparte und freigesetzte Energieüberschuss kann nun
anderweitig für Regeneration von Krankheiten und Verletzungen und zu geistigem Wachstum
genutzt werden. Die
sanften, nahezu mühelosen Bewegungen erzielen einen enormen Entspannungseffekt in der
Muskulatur. Eine entspanntere Muskulatur ist besser durchblutet als eine verspannte. Eine
entspanntere und besser durchblutete Muskulatur erhöht den inneren Energiefluss, der
weiterhin den Stoffwechsel verbessert und damit den Zellen und dem gesamten Körpergewebe
eine optimale Versorgung an Nährstoffen sichert. Eine perfekt ernährte und optimal
entgiftete Zelle kann fast nicht altern, so dass man einen Verjüngungseffekt mit den
Übungen erzielen kann. |
Tai Chi-Gruppe beim morgendlichen Üben auf einer Dachterasse |
Wenn man das Yin Yang Prinzip des
Wechsels von Spannung und Anspannung in den Formbewegungen berücksichtigt, dann wird
während der Hälfte einer jeden Bewegung jeweils ein Teil des Körpers benutzt (
angespannt ) und ein anderer meist größerer Teil nicht angespannt. Auch durch diesen
Wechsel von Anspannung und Entspannung ( Ruhe und Bewegung) wird der polare Energiefluss
im Körper gefördert und auf Dauer ein relativ freier Fluss der Lebenskraft
gewährleistet, was über längere Zeiträume des Übens zu einem ziemlich ausgeglichenen
Energiefluss führt. Außerdem ist immer mindestens der halbe Körper in Ruhe, obwohl er
sich eigentlich bewegt. Dies führt auf die Dauer zu einer enormen geistigen inneren Ruhe,
die als sehr angenehm empfunden wird. Man hat quasi das Gefühl, als ob sich die
Bewegungen von selbst ausführen würden und man fast dabei nur zusehen kann.
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Durch
verbesserte Durchblutung, Entspannung und einen optimalen Zellstoffwechsel wird das Gehirn
und der Geist mit der Zeit sehr ruhig und zentriert. Ein ruhiger und zentrierter, in sich
ruhender Geist ist die Grundlage einer langanhaltenden, guten körperlichen und auch
geistigen Gesundheit. Ein ruhiger Geist kann das Chi, die innere Lebenskraft , sehr gut
wahrnehmen und auch gezielter lenken, als ein unruhiger und sprunghafter Geist. Jemand der Tai Chi praktiziert, kann sich
besonnener und körpergerechter bewegen und tut dies so, dass weniger Verspannungen
auftreten. Dieses neue Körperbewusstsein legt den Wunsch nach einer ausgewogenen
Lebensführung Tai Chi-Fans meistens irgendwann von selbst nahe. Schließlich führen
schon mehr als 3 Zigaretten täglich alle Vorteile des Tai Chi ad absurdum.
Wichtig: Tai Chi eignet sich für
Menschen jeden Alters. Von einer chinesischen Geheimkunst, die nur wenigen Familien
bekannt war, entwickelte sich das Schattenboxen unter Mao Tse Tung zu einem
von oben verordneten Volkssport und wird heute auch hierzulande von den
unterschiedlichsten Leuten ausgeübt.
Tai Chi Chuan ist, das kann man ohne
Übertreibung sagen, in der heutigen Zeit zum Hoffnungsträger für viele chronisch kranke
Menschen avanciert. |
Verordnete Tai Chi als
Volkssport: Mao Tse Tung |
Mehr über die positiven Gesundheitsauswirkungen des
Tai Chi in der nächsten Mai-Ausgabe von Grenzenlos.
| Der Autor Volker
Jung, 1958 geboren, beschäftigt sich seit frühester Kindheit (mittlerweile 33 Jahre) mit
den Kampf- und Heilkunstsystemen des fernen Ostens. Der anerkannte Experte hat Erfahrungen
in über 10 Systemen. Er ist u.a. leitender Tai Chi und Qi Gong-Lehrer und Ausbilder des
Tai Chi-Forums Deutschland und arbeitet seit 1997 in einer hessischen Fachklinik für
Psychiatrie. Den Vollberuf des Tai Chi-Lehrers mit 5 bis 8 Stunden Unterricht pro Tag übt
Volker Jung seit 1986 aus. Kontaktadresse:
Volker Jung, Johannesweg 1, D-56355 Nastätten,
Tel. 06772-3297, Fax 06772-2281, eMail: vjung@tai-chi.de , www.tai-chi.de |
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