Strukturelle Körpertherapie

Beweglichkeit neu erfahren

Damit Körperarbeit nicht zum “Reparaturbetrieb” verkommt: 
Arbeit mit dem Ganzen Menschen. Hilfe zur inneren und äußeren Aufrichtigkeit

von Erich von Derschatta &  Herbert Grassmann

Die Strukturelle Körpertherapie (SKT) ist eine ganzheitliche Therapieform, die Körper und Psyche zum Gegenstand hat und zahlreiche Indikationen aus beiden Bereichen erfolgreich zu behandeln erlaubt.  Ihre Begründer, Erich von Derschatta und Herbert Grassmann entwickelten mit der SKT eine Vision der menschlichen Aufrichtung und Integrität, die über den psychosomatischen Prozess der Mensch-Werdung hinausgehen soll.

Wer kennt nicht das Unwohlsein und die Schmerzen, wenn wir den ganzen Tag vor dem Computer sitzen oder anstrengende körperliche Arbeit verrichten. Die Ursache vieler dieser Probleme sind Fehlhaltungen, d.h. Haltungen die nicht ökonomisch und daher anstrengend sind. Wir fühlen uns nicht im Lot, erleben uns schwer, belastet bis hin zu depressiven Stimmungen. Umgekehrt beschert uns ein Liebeserlebnis, eine erfolgreiche Begegnung nicht nur einen Zuwachs an Lebensenergie, wir bewegen uns auch beschwingt und manchmal “auf Wolke Sieben“ in der Welt. Unmerklich richten wir uns zu unserer “wirklichen” Größe auf, Rücken und Nacken gestreckt, Brust leicht “geschwellt” und dennoch mit “beiden Beinen auf dem Boden”. Über lange Jahre  entwickeln wir unser unverwechselbares Haltungsmuster und damit verwoben unseren  Charakter. Gewohnheiten brauchen wir zum Überleben, sie engen uns aber auch ein und besitzen dadurch Macht über unsere Vorstellungen und Träume.

Dem Menschen dauerhaft zu mehr äußerer und innerer Aufrichtung zu verhelfen, hat sich die “Strukturelle Körpertherapie” zum Ziel gesetzt.

Dabei ist das Thema der Aufrichtung schon sehr alt. So hat man herausgefunden, dass der Aufrechte Gang, also die Fähigkeit auf zwei Füßen zu stehen, offenbar viel früher entwickelt wurde als z.B. die Entwicklung und damit Dominanz unseres Gehirns. Man kann sagen, der Mensch ist das Wesen mit dem aufrechten Gang. Als sich irgendwann in der biologischen Entwicklungskette ein Primat auf die Hinterbeine erhob, sich angewöhnte, sie als alleinige Gehwerkzeuge und seine vorderen Gliedmaßen als Greifinstrumente zu benutzen, begann die Geschichte des Menschen. Als Kleinkind vollzieht jeder Mensch diese jahrmillionenlange Entwicklung in wenigen Monaten nach.

Bei dem Erlernen von Fähigkeiten wie zum Beispiel die der menschlichen Aufrichtung kommt dem Körpergedächtnis eine besondere Bedeutung zu. Jede Bewegung wird von unserem Körper sensorisch aufgezeichnet. Bei jeder neuen Bewegung werden Körpererinnerungen miteinander verglichen und in muskuläre Tätigkeit übertragen. Mit der Zeit bilden sich musterhafte Gewohnheiten, die wir auch als Haltung kennen.

In Beziehung: Innere und äußere Aufrichtung

Als wir 1993 das “Institut für Strukturelle Körpertherapie” gründeten, hatten wir verschiedene Ausbildungen auf dem Gebiet der Köperarbeit und Psychotherapie durchlaufen.

In der Praxis stießen wir dabei immer wieder an die Grenzen sowohl der reinen Körperarbeit, die zum Reparaturbetrieb zu verkommen drohte, als auch der Psychotherapie, die oft über Vermittlung von Einsichten nicht wesentlich hinauskam. Eine wirkliche Intergration von Körperarbeit und Psychotherapie tat not. Arbeit am Körper musste daher eine Arbeit mit dem Ganzen Menschen sein.

Der Ausgangspunkt für diese Körpertherapie ist die Struktur unseres menschlichen Körpers. “Struktur” definieren wir als “gewohnheitsmäßig, nicht willentlich veränderbare Form”, die unser Körper über die Jahrzehnte hinweg annimmt.

In dieser “Struktur” manifestieren sich vielerlei Einflüsse, angefangen von Erbanlagen, lebensgeschichtlichen Dauerbelastungen, Traumata, Unfällen etc. Wir ahmen nach, imitieren unbewusst die Haltungen unserer Eltern, Lehrer, Idole und damit auch der gesellschaftlichen Trends und Moden. In dieser “Struktur” haben wir auch alle unsere charakterlichen Züge und Eigenheiten eingewoben, mit denen wir uns schützen und von seelischen Schmerzen abzuschotten gelernt haben.

Und nicht zuletzt ist diese gewachsene Form unseres Daseins den ständigen und unsichtbaren Einflüssen der Schwerkraft unterworfen, jener 90 Grad zur Erdoberfläche wirkenden Kraft, die uns auf der Erde hält. Oft wird dabei übersehen, dass die Erdanziehung für uns nicht nur eine Herausforderung darstellt, sondern dass sie uns auch unterstützen und nähren kann.

Den körperlichen Ausdruck wahrnehmen

Bereits, wenn ein neuer Mensch zu uns in die Therapie kommt, nehmen wir seinen körperlichen Ausdruck in uns auf. Welche Grund-“haltung” dem Leben gegenüber bringt er/sie uns körperlich- ihm/ihr selbst meist unbewusst – entgegen? Dieser erste Eindruck erweist sich wie im richtigen Leben oft als sehr tiefgreifend. Nach einem Erstgespräch beginnen wir die eigentliche Behandlung mit einem “Körperlesen”. “Einen Körper betrachten, heißt ihn mit den Augen zu berühren” (Ida Rolf ***). Wir erlauben uns gemeinsam mit dem Klienten - nicht von außen als Eindringling - ihre körperlichen Muster bezüglich der Schwerkraft, der Energieverteilung, der Spannungsverhältnisse etc zu untersuchen.

Wir pendeln dabei immer zwischen dem Gesamteindruck und den Details hin- und her. Jetzt sind wir und unsere Klienten für die Sitzung bereit.

*** Ida P. Rolf, amerkanische Biochemikerin (1896-1979), Begründerin der “Strukturellen Integration”, besser bekannt unter dem Namen „Rolfing“. Sie hat die „Kunst der Aufrichtung“ und die Modifikation des menschlichen Bindegewebes bis zu ihrem Tode 1979 praktiziert und gelehrt.

Die Behandlung auf der Massageliege

Anatomisch wird die “Struktur” des Menschen vor allem durch das Bindegewebe, speziell den “Faszien” gebildet, einer gallertartigen, fasrigen Substanz. Neben den Knochen, Muskeln und Sehnen verbindet gerade das “Binde”-gewebe, dieses “Organ der Form”, wie Ida Rolf es genannt hat, die einzelnen Körperteile zu einem einheitlichen interdependenten Ganzen. Es ist auch der Mittler zwischen “Körper und Seele”.

Eine Behandlung auf der breiten Massageliege beginnt oft mit einer vorsichtigen Kontaktaufnahme. Eine achtsame Berührung oder ein sanfter Massagestrich den Nacken hinauf erlaubt unserer Klientin, sich ein wenig zu entspannen und mit unseren Händen vertraut zu werden.

Dann beginnt die “eigentliche“ Sitzung. Koordiniert mit dem Atem wird das Bindegewebe “massiert”. Es geht darum, die Muskelhüllen zu lockern, zu dehnen, und die “Verklebungen“ zu benachbarten Faszien zu lösen. Erst dann kann der Muskel selbst sich entfalten, weicher werden, mit mehr Sauerstoff versorgt werden. Obwohl nicht jeder einzelne Strich vorgeschrieben ist, arbeiten wir doch nach einem bestimmten “Fahrplan”.

Ida Rolf hat mit ihrem 10- Sitzungssystem ein geniales Modell für die Aufrichtung entwickelt. Dabei werden in jeder Sitzung bestimmte Körperbereiche schwerpunktmäßig behandelt, der Körper gleich einer Zwiebel in immer tieferen Schichten geöffnet und “neu organisiert”. Der Beckengürtel, bei dem viele Fäden zusammenlaufen, spielt hier eine besondere Rolle.

Um die nötige Tiefe und Intensität zu erreichen, benutzen wir Finger, Knöchel und manchmal auch unsere Ellbogen. In jeder Sitzung am Schluss und in den letzten drei Behandlungen integrieren wir die gesamte Arbeit. Der Klient erlebt seinen Körper bis in immer subtilere Bereiche und er erlebt ihn als “für ihn richtig”. Dieses Gefühl markiert für uns, dass der Kontakt da ist und der Mensch sich immer mehr mit sich selbst und der Schwerkraft in Harmonie befindet. Er fühlt sich leicht und beschwingt an, viel bislang gebundene Energie kann nun freigesetzt werden.

Individueller Tanz zwischen Körper und Seele

Durch das einfühlsam unterstützende Gespräch begleitet der Strukturelle Körpertherapeut die Körperarbeit, unterstützt den Ausdruck von bislang nicht integrierten Gefühlen und ermöglicht die Überprüfung einschränkender Glaubenssätze aus der Kindheit. So erlaubt jedes gelebte Gefühl ein Stück mehr “Aufrichtigkeit” und Wahrhaftigkeit. Durch die Arbeit an den Faszien mit Hilfe von Griffen und Strichen, wie sie in der Strukturellen Körpertherapie üblich sind, kann diese Aufrichtung unmittelbar erfahren und auch von außen bemerkt werden. Die Aufrichtung wirkt somit auf die seelische und energetische Befindlichkeit zurück.

Transformation negativer Glaubenssätze

Diese intensive Körperarbeit kann fast ohne Worte in einer meditativen Trance zwischen Behandler und Behandeltem stattfinden. Es kann sich jedoch auch eine lebendige therapeutische Interaktion entwickeln. Dabei greifen wir Gefühls- und Stimmungsänderungen, die durch die Bindegewebsmassage ausgelöst werden, verbal auf, spiegeln sie unseren Klienten zurück. 

In den verkürzten Bindegewebsschichten sind oft schmerzhafte Erlebnisse aus der Kindheit oder traumatische Schockzustände gespeichert, die jetzt zu Tage treten. Wir vertiefen den emotionalen Ausdruck, suchen gemeinsam nach mehr Informationen und den tieferen Bedeutungen eines Ausdrucks. Bei entwicklungsgeschichtlichen Themen sind es die Glaubenssätze ( z.B. „Ich bin nicht liebenswert“), die nach einer Transformation rufen.

Bei einem  traumatischen Geschehen ist es oft wichtig, die eingefrorenen Impulse (Flucht, Angriff) auf der körperlichen Ebene zu Ende zu führen und dadurch zu integrieren.

In den verkürzten Bindegewebsschichten sind oft schmerzhafte Erlebnisse aus der Kindheit oder traumatische Schockzustände gespeichert, die jetzt zu Tage treten. Wir vertiefen den emotionalen Ausdruck, suchen gemeinsam nach mehr Informationen und den tieferen Bedeutungen eines Ausdrucks. Bei entwicklungsgeschichtlichen Themen sind es die Glaubenssätze ( z.B. „Ich bin nicht liebenswert“), die nach einer Transformation rufen.

Bei einem  traumatischen Geschehen ist es oft wichtig, die eingefrorenen Impulse (Flucht, Angriff) auf der körperlichen Ebene zu Ende zu führen und dadurch zu integrieren.

In den verkürzten Bindegewebsschichten sind oft schmerzhafte Erlebnisse aus der Kindheit oder traumatische Schockzustände gespeichert, die jetzt zu Tage treten. Wir vertiefen den emotionalen Ausdruck, suchen gemeinsam nach mehr Informationen und den tieferen Bedeutungen eines Ausdrucks. Bei entwicklungsgeschichtlichen Themen sind es die Glaubenssätze ( z.B. „Ich bin nicht liebenswert“), die nach einer Transformation rufen.

Bei einem  traumatischen Geschehen ist es oft wichtig, die eingefrorenen Impulse (Flucht, Angriff) auf der körperlichen Ebene zu Ende zu führen und dadurch zu integrieren.

Wir vermitteln unserer Umwelt eine bestimmte “aufrechte” Ausstrahlung in unserem “Gang”. Auch hier geht es nicht so sehr um Funktionalität im Sinne einzelner Bewegungen, auch nicht ausschließlich um deren Verbesserung- obwohl die Strukturelle Körpertherapie durchaus eine solche detaillierte Veränderung ermöglichen kann - es geht auch hier um den Menschen in seinem lebendigen Ausdruck in der Welt.

Wie er auf Menschen und Dinge zugeht, ist hier ebenso gefragt, wie seine Fähigkeit, sich “bewegen” und “anstoßen” lassen von dem, was ihm begegnet.

Am Ende einer Behandlung kann sich der Klient im aufrechten Stehen oder der Bewegung im Raum neu erfahren, erstmals vielleicht die Auswirkungen der Schwerkraft positiv besetzen. Er spürt manchmal ganze Körperbereiche völlig neu, erlebt sich ganz lebendig oder im Aufwachen begriffen. In solchen Momenten können Menschen tiefere spirituelle Erfahrungen machen. Sie erleben sich dann sowohl mit der Erde als auch mit dem Himmel in tiefer Verbindung. Durch die bewußte Wiederholung von Bewegungen können neue Programme verankert werden. Manchmal entstehen daraus Angebote für den Alltag in Form von “Hausaufgaben” oder Übungen.

Auf jeden Fall: Neues kann leicht(er) beginnen.

Die Autoren

Herbert Grassmann, Jahrgang 1955, Studium Psychologie und Betriebswirtschaft. Gestalttherapeut, Hakomi Bodywork-Therapeut, Integration Practitioner, Trauma-Therapeut, Unternehmensberater und Trainer. Promotion zum Thema „Geistheilung“. Eigene Praxis in Nürnberg.

Tel. 0911-536165

   

Erich von Derschatta  Jahrgang 1943, ursprünglich Sozialpädagoge, seit 1992 Körpertherapeut und Heilpraktiker mit eigener Praxis in Coburg. U. a. Ausbildung in Sanagam-Tiefengewebsmassage, Hakomi-Psychotherapie, Fortbildung nach Dorn/Preuss.

Tel. 09561-79110