Vergesslichkeit adé

Wie man sich Namen, Zahlen, Gesichter und andere

Informationen spielend merken lernen kann

Von Oliver Geisselhart

Namen und Gesichter von Menschen einmal hören und sehen und dann niemals mehr vergessen. Bücher nur einmal lesen müssen um die wichtigsten Informationen daraus zu behalten. Auch ohne Kalender alle wichtigen Termine im Kopf zu haben, die wichtigsten Telefonnummern und "Geheimzahlen" (PIN-Nummern) zuverlässig im Kopf zu haben. Grenzenlos-Autor Oliver Geisselhart sagt, daß dies für die meisten Menschen möglich ist zu erlernen - auch wenn es unglaublich klingen mag. Wie überaus effektiv diese "Geisselhart-Methode" sein kann und warum sie "funktioniert", beschreibt er in seinem anschaulichen Praxisbericht.

Liebe Grenzenlos-Leserinnen und Leser!

Bitte lesen Sie sich die folgenden Gegenstände einmal durch. Nun schreiben Sie die, die Sie noch erinnern können auf, ohne zu spicken und wenn möglich in der richtigen Reihenfolge.

Kleiner Einstiegstest

Computer, Badetuch, Schreibtisch, Getriebe, Lexikon, Aktenordner, Thermometer, Pappkarton, Fenster, Säule, Musikkassette, Fotoapparat.

Rekapitulieren Sie jetzt bitte die Liste. Wieviel wissen Sie noch?

Die meisten Menschen liegen bei einem solchen Test bei ca. fünf bis sieben Gegenständen. Wenn Sie schlechter sind, so ist das doch toll für Sie: Dadurch haben Sie automatisch ein riesiges Steigerungspotential.

Sich einen "Film" kreieren

Da unser Gehirn in Bildern denkt und Bilder auf der Großhirnrinde - dort werden Informationen gespeichert - einen größeren Platz einnehmen als einfache Worte, bleiben uns Bilder besser in Erinnerung. Diese Fähigkeit unseres Gehirns können wir uns zunutze machen. Als Kinder dachten wir automatisch in Bildern. So ist es auch nicht verwunderlich, daß uns die Kinder, bevor sie in die Schule gehen, beim Memory-Spiel haushoch überlegen sind.

Also kreieren Sie sich Ihren "Film" entweder selber oder Sie benutzen die von mir vorgegebene kleine Geschichte. Diese brauchen Sie dann lediglich als "Filmchen" in Ihrem "Kopf-Kino" mit anzugucken und Sie werden feststellen, daß Sie (fast) alle Gegenstände spielend leicht aufzählen können. Sogar in der richtigen Reihenfolge. Die Gegenstände um die es geht sind unterstrichen.

Setzen Sie sich bequem hin, zur besseren Konzentration schließen Sie bitte ab und zu die Augen. Dadurch "sehen" Sie die Gegenstände noch besser. Wenn Sie lediglich das Gefühl haben, irgend etwas zu sehen, so reicht dies. Mit etwas Training wird dieses "Visualisieren" immer besser und besser. Also nicht verzagen wenn Sie nicht gleich alles in super Technicolor vor sich sehen. Nach dem Lesen und dem "Sehen" im "Kopf-Kino" schreiben Sie bitte wieder die Gegenstände der Geschichte auf und vergleichen.

Kleiner Test zur Fortschrittsmessung:

Straßenbahn, Mineralwasserflasche, Filzstift, Diskette, Koffer, Telefon, Deckenbeleuchtung, Ersatzrad, Regal, Buch, Autobahndreieck, Geldbörse.

Das Geheimnis: Gegenstände miteinander verknüpfen

Stellen Sie sich bitte eine Straßenbahn vor, sehen Sie in Ihrem "Kopf-Kino" also jetzt bitte eine Straßenbahn. Als nächstes stellen Sie sich bitte eine Mineralwasserflasche vor.

Jetzt verknüpfen wir die beiden Gegenstände auf völlig absurde Art und Weise, denn: Je absurder ("merk-würdiger"), desto besser erinnern Sie sich daran. Stellen Sie sich also vor, wie Sie in die Straßenbahn einsteigen möchten und als die Tür aufgeht kommt Ihnen eine Flut Mineralwasser entgegen. Fix beschriften Sie mit Ihrem wasserfesten Filzstift die Diskette, legen sie dann behutsam in Ihren Koffer und treten ein. Bitte denken Sie immer an Ihren Film. Denken Sie in Bildern mit. Schließen Sie kurz die Augen und stellen Sie sich eine lebendige Szene vor. Kaum haben Sie sich gesetzt, klingelt Ihr Telefon. Um den Hörer abnehmen zu können schalten Sie die Deckenbeleuchtung an und werden dann telefonisch daran erinnert, daß Sie Ihr Ersatzrad im Regal haben liegen lassen. Also setzen Sie sich sofort auf Ihr Buch und fahren damit zum nächsten Autobahndreieck wo Sie Ihre Geldbörse abholen. Bitte die Geschichte als Filmchen deutlich vor Ihrem geistigen Auge ablaufen lassen, "Bilderdenken" ist die Zauberformel.

Nun testen Sie wieder wieviel Sie noch erinnern, indem Sie einfach die Geschichte nochmals im Geiste ablaufen sehen und die entsprechenden Gegenstände zählen. Haben Sie sich gesteigert im Vergleich zur ersten Übung? Vielleicht haben Sie sogar fast alle Gegenstände wieder gewußt?

Mit dieser Grundtechnik können wir nun weiter üben. Das Ganze funktioniert natürlich auch mit Namen und Gesichtern, Vokabeln, Fachbegriffen, Zahlen, Texten, Daten, Fakten, usw.

So merkt man sich Namen und Gesichter:

1. Namen deutlich hören und wiederholen, dabei auf korrekte Aussprache achten ( evtl. Schreibweise).

2. Namen "verbildern".

3. Die betreffende Person und deren Gesicht genau betrachten, evtl. auffällige Merkmale beachten.

4. Das Bild des Namens mit dem Bild der Person, dem Gesicht oder dem auffälligen Merkmal verknüpfen.

5. Die Verknüpfung bleibt ein Geheimnis!

zu 1. Meistens liegt der Fehler schon hier. Denn wir hören oft nicht richtig hin wenn uns jemand vorgestellt wird. Deshalb: Namen bewußt wiederholen und nachfragen, ob Sie den Namen korrekt aussprechen bzw. richtig verstanden haben.

zu 2. Unser Gedächtnis behält Bilder leichter als Worte weil Bilder mehr "Speicherplatz" einnehmen. Die beste Methode sich Namen, sowie alles Wissenswerte, zu merken, ist sie sich als Bilder vorzustellen. Wie das in der Praxis funktioniert zeigen die Beispiele unten.

zu 3. Je genauer Sie hinschauen, desto genauer können Sie sich die Person wieder als Bild im Geiste entstehen lassen. Dies ist für Punkt 4. überaus wichtig.

zu 4. Nun werden auf möglichst lustige Art und Weise die beiden Bilder, das des Namens und das der Person, miteinander verknüpft. Näheres wird aus den Beispielen weiter unten deutlich.

zu 5. Es kann vorkommen, daß sehr ungewöhnliche Verknüpfungen entstehen. Das ist durchaus gewollt, denn: Je ungewöhnlicher, je "merk-würdiger", desto besser erinnern Sie sich daran. Diese Bilder sind aber für die betreffende Person nicht immer lustig. Daher behalten Sie die Verknüpfungen lieber für sich. In jedem Fall gilt: Egal wie absurd Ihnen eine Verknüpfung erscheinen mag, wenn Sie sich wieder an den Namen der betreffenden Person erinnern, ist es eine gute Verknüpfung.

Beispiele aus der Praxis

Bei Tiernamen wie z.B. Wolf, Bär, ..., stellen Sie sich die betreffende Person z.B. mit einem Wolf im Arm vor. Frau Fuchs verkriecht sich vielleicht gerade in ihren Fuchsbau.

Berufsnamen wie z.B. Müller, Bauer, ... Herrn Müller stellen wir uns vor wie er einen riesigen Mehlsack schleppt, oder wir stäuben ihn komplett mit Mehl ein. Herr Bauer fährt mit Trecker und Pflug durch die Gegend, usw.

Namen, die aus evtl. zusammengesetzten, konkreten Begriffen bestehen, sind ebenfalls denkbar einfach zu "verbildern". Herr Kochendorf kocht für ein ganzes Dorf eine leckere Mahlzeit. Frau Goldmund versprüht lauter Goldstücke wenn sie den Mund aufmacht.

Namen, die eine leicht veränderte Schreibweise besitzen, sind auch kein Problem. Herr Tanner sägt im Wald eine Tanne ab. Frau Bardt stellen wir uns mit einem dicken Rauschebart vor.

Auch Namen ohne jede Bedeutung sind mit der "Geisselhart-Methode" leicht zu erinnern. Wir benötigen hierzu nur etwas Phantasie. Damit fällt uns dann leicht ein Ersatzwort ein. Herr Traimer wird zum Träumer, Herr Lambro ißt gerne Lamm mit Brot, Frau Nuskowsky fährt mit einer Nuß auf dem Kopf Ski, Herr Papadouppolus knackt mit seinem Papa eine doppelte Nus, Herr Rommel fährt nach Rom um Mehl zu besorgen und Frau Koufalis besitzt eine Kuh die einen Pfahl ißt.

Auf die gleiche Art wie bedeutungslose Namen lassen sich auch Vokabeln und Fachbegriffe leicht merken. So können Sie sich für das lateinische Wort "cubare" z. B. eine Kuh auf einer Bahre vorstellen. Um zu behalten das diese Vokabel "liegen" bedeutet, brauchen Sie die Kuh lediglich auf der Bahre liegen lassen. Sehen Sie dieses Bild in Ihrem Geiste, so wird es sich sicher in Ihrem Gedächtnis abspeichern und jederzeit abrufbar sein.

Natürlich haben die "Götter", wie anderswo auch, vor dem Erfolg zunächst einmal den Schweiß gesetzt. Also gilt es "üben, üben, üben". Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg dabei!

Der Autor Oliver Geisselhart ist als Trainer und Berater zumeist in der freien Wirtschaft tätig. Mit seinem Onkel Roland Geisselhart entwickelte er die "Geisselhart-Methode-des Mental- und Gedächtnistrainings". "Normalbürger" können seine Seminare u. a. im Hoedekenhus in Winzenburg besuchen.