Wechseljahre

Chance, alte Wege zu verlassen

 

von Dr. med. Ulrike Banis 

Über die Wechseljahre der Frau wird viel geschrieben, und zuweilen habe ich den Eindruck, dass frau in der Schulmedizin als etwas angesehen wird, was ohne die Zufuhr künstlicher Hormone mit den Wechseljahren auch noch den letzten Rest an Attraktivität und Jugendlichkeit verliert, von der drohenden Osteoporosegefahr einmal ganz zu schweigen. Dabei wird verschwiegen, dass die Hormonbehandlung riskant ist, und z.B. das Brustkrebsrisiko erheblich erhöht. Dennoch verschreiben viele Frauenärzte Hormone nach dem “Giesskannenprinzip”: je mehr, desto besser.

Meine Praxiserfahrungen sprechen da eine ganz andere Sprache:

Frauen, die zeitlebens mit den Pfunden zu kämpfen hatten, kommen häufig gänzlich ohne Hormone durch die Wechseljahre, weil ihr Fettgewebe körpereigene Hormone sehr lange speichern kann.

Grazile Frauen hingegen leiden häufig sehr stark unter Hitzewellen, vor allem dann, wenn sie dazu starke Raucherinnen sind, oder viel Kaffee trinken. (Rauchen verengt die Blutgefässe, auch die zu den Eierstöcken, und Kaffee im Übermass macht den Körper sauer, und fördert so das Schwitzen, um die Säure wieder über die Haut auszuscheiden).

Stress und übertriebene Erwartungen an sich selbst – zugleich die erfolgreiche Frau im Beruf, Hausfrau, Mutter, Ehefrau, Freundin und Tochter zu sein – überfordert viele Frauen in dieser Lebensphase. Die Werbung gaukelt den Frauen auch noch vor, sie seien nur solange attraktiv, solange sie jung, schlank und faltenlos sind.

Innere Umorientierung

Die Wechseljahre heissen nicht zufällig “Wechseljahre”, sollten sie doch eine Zeit des Wechsels und der Wandlung sein. Von der Frau, die noch Kinder gebären kann, sollte der Übergang erfolgen zur reiferen Frau. Zugleich sollte eine innere Umorientierung erfolgen:

Die Frau im Klimakterium sollte nach der Zeit der Kindererziehung – oder Bewährung im Beruf – die eine vermehrte Aussenorientierung mit sich bringt, umschalten nach innen, und sich nun vermehrt sich selbst widmen.

Sie darf die Frage stellen: ”Was habe ich in den vergangenen Jahren alles zurückgestellt an eigenen Hobbies und Interessen, um für die Familie oder den Beruf da zu sein?”

Diese Interessen gilt es nun wiederzuentdecken, und zu pflegen!

Sie kann sich auch überlegen, was sie immer schon gerne getan hätte, ob das eine kreative Tätigkeit ist, eine zusätzliche Ausbildung zu ihrer geistigen Anregung, oder ausgedehnte Reisen. Sie sollte sich selbst mehr in den Mittelpunkt des Interesses stellen, auch eine Reise nach innen antreten, und das “Aussen” mehr in den Hintergrund treten lassen.

Dabei kann frau viele Talente an sich entdecken, die bisher geschlummert haben. Diese ins Bewusstsein zu bringen, geistig umzusetzen und dann auch zu leben, bringt sehr viel innere Zufriedenheit, und macht Wechseljahrsbeschwerden weniger wahrscheinlich.

Als Beleg möchte ich die älteren Frauen in China oder Afrika anführen, die mit zunehmendem Alter in ihren sozialen Gemeinschaften immer mehr Anerkennung und Respekt erfahren, und bei denen Wechseljahrsbeschwerden gänzlich unbekannt sind. (Sie bewegen sich aber auch viel mehr als wir Europäerinnen, und ernähren sich vielfach überwiegend vegetarisch).

Um den sogenannten Verschleisserscheinungen des Alters, wie Arthrose oder Osteoporose vorzubeugen, ist es wichtig, dass frau sich bewegt, und Sport macht – und das möglichst schon in jungen Jahren. Tanzen, Gehen, Walking, Schwimmen, Gymnastik oder Fitnesstraining sind gut geeignet, den Kreislauf zu trainieren, und die Muskeln und Gelenke geschmeidig zu halten. Geübt werden sollte mindestens zweimal wöchentlich 20 bis 30 Minuten. Wählen Sie eine Sportart, die Ihnen auch Freude macht! Training ohne Spass ist schädlicher, als faul auf dem Sofa zu liegen!

Wichtig ist in dieser Lebensphase eine vernünftige Ernährung: Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Kartoffeln, Reis, Vollkornbrot und Teigwaren sollten jeden Tag auf dem Speiseplan stehen, zusammen mit reichlich Wasser zum Spülen der Nieren und zum Entgiften.

Hilfreich sind kalt- warme Duschen, Bürstenmassagen, Sauna oder Dampfbad, um die Hautzirkulation anzuregen, und das Immunsystem zu unterstützen.

Bei ausgeprägten Beschwerden helfen pflanzliche Wirkstoffe, wie Cimicifuga, Agnus castus oder Hypericum sehr gut.

Hormone würde ich, von den wenigen Ausnahmen abgesehen, grundsätzlich nur lokal einsetzen, d.h. da, wo sie gebraucht werden: In Form von Östrogensalben für die Scheidenschleimhaut, damit die Schleimhaut, die mit den Wechseljahren trockener und spröder wird, wieder besser durchblutet wird. Damit treten auch keine Schmerzen oder Blutungen beim Verkehr auf, und das Sexualleben kann auch im höheren Alter lustvoll und beglückend sein.

Grundsätzlich sollte frau ihre Wechseljahre als eine Chance betrachten, alte Wege zu verlassen, und viele Dinge anders zu bewerten – nochmals eine Möglichkeit, ganz neu zu beginnen und sich dabei selbst zu entdecken.

Die Autorin Dr. med. Ulrike Banis ist - zusammen mit ihrem Mann - als praktische Ärztin in Ostfildern bei Stuttgart tätig. In ihrem Praxisalltag finden zahlreiche Naturheilverfahren ganz selbstverständlich Anwendung. Sie ist beim nächsten Grenzenlos-Kongress am 12./13. April 2003 Referentin in Saarbrücken

Kontaktadresse: Dr. med. Ulrike Banis, D-73760 Ostfildern-Ruit, Kronenstr. 30, Tel. 0711-2488800