Chartres

Kathedrale des Kosmos

Anwendung der „Heiligen Geometrie“ zeigt Zusammenhänge
zwischen Architektur und Spiritualität auf

von Dr. Sonja Ulrike Klug

Die Kathedrale von Chartres liegt 90 Kilometer südwestlich von Paris und gehört zu den herausragendsten gotischen Bauwerken der Welt. Ihre imposante architektonische Erscheinung, weithin über die Stadt hinaus sichtbar, birgt ein in Stein gemauertes Geheimnis, das erst zu einem kleinen Teil entschlüsselt wurde.

Die Geschichte von Chartres

Die Anfänge von Chartres verlieren sich im Dunkel. Zwar wird die Stadt Chartres als das römische Autricum bereits in Cäsars “Gallischem Krieg” erwähnt, doch ist die Wallfahrtsstätte selbst bedeutend älter. Wahrscheinlich hat der Ort, an dem die Kathedrale heute steht – ein Hügel aus Granit, der aus der Kalksteinebene der Beauce herausragt – schon in vorchristlicher Zeit als druidisches Heiligtum gedient. Über dem Erdhügel wurde ein Dolmen und ein Brunnen errichtet, dessen Wasser heilende Kraft gehabt haben soll.

Seit dem 4. Jahrhundert war Chartres Bischofsstadt. Dem eher bescheidenen hölzernen Bau von damals folgten mehrere Steinbauten, die – wie häufig im Mittelalter – durch zahlreiche Brände immer wieder zerstört wurden.

Der erste romanische Bau wurde von Bischof Fulbert um 1020 initiiert. Die gotische Kathedrale, wie wir sie heute sehen, wurde nach dem verheerendsten Brand, den die Stadt jemals erlebt hat, in der kurzen Zeit zwischen 1194 und 1220 errichtet. Seitdem scheint die Kathedrale unter einem günstigen Stern zu stehen: Sie blieb bis heute im Wesentlichen von Bränden, Kriegen und anderen Katastrophen verschont, ähnlich wie der Ort selbst.

Offene Fragen und Rätsel

Chartres gehört zu den vollkommensten, größten und ersten gotischen Kathedralen Europas. Woher kam so spontan dieses architektonische Wissen, zumal die romanischen Vorgängerkirchen früherer Jahrhunderte klein und gedrungen sowie ohne jede Glasmalerei waren?

Warum hat die Kathedrale so monumentale Ausmaße, obwohl Chartres im Mittelalter ein Marktflecken mit nur einigen tausend Einwohnern war und selbst heute nicht mehr als 87.000 Bürger zählt?

Woher kam das viele Geld, das nötig war, um diesen prächtigen Bau zu errichten? Wieso ist die Vierung von Notre Dame de Chartres – dem “Herzstück” der Kathedrale – nicht quadratisch, wie bei Kirchenbauten üblich, sondern rechteckig?

Und wo genau liegt das Heilige Zentrum, von dem aus die erste und “ursprüngliche” Kirche erbaut worden ist? Wir sind heute weit davon entfernt, all diese offenen Fragen zu beantworten, und doch führt die Anwendung der Heiligen Geometrie zu einigen neuen Erkenntnissen.

Die Heilige Geometrie

Die “Heilige” Geometrie rechnet nicht anders als die uns bekannte “profane” Geometrie; sie stellt aber einen spirituellen Bezug her. Eine der zentralen Formen der Heiligen Geometrie, das Urmuster, ist die „Blume des Lebens“. Sie besteht aus einem Kreis in der Mitte, der im Allgemeinen als Gott interpretiert wird. Um diesen Kreis herum ordnen sich in gleichmäßigen Abständen konzentrisch weitere Kreise, insgesamt 19, an. Die Entstehung dieses geometrischen Urmusters, das nicht nur zwei-, sondern auch dreidimensional zu denken ist, entspricht dem Schöpfungs- bzw. Entstehungsprozess von Mineralien, Pflanzen, Tieren und Menschen (Zellentwicklung in der Gebärmutter!).

Darstellungen der Blume finden sich z.B. am ägyptischen Tempel von Abydos und in Werken Leonardo da Vincis. Nimmt man nun den Grundriss der Kathedrale von Chartres, so lässt sich auf ihm die Blume des Lebens einzeichnen, wenn man weiß, dass ins Innere des Kirchenschiffs genau drei gleichseitige Dreiecke passen.  

„Die Blume des Lebens“, ein weltweit anzutreffendes Symbol von hohem spirituellem Gehalt, ist in Chartres im Grundriss der Kathedrale „versteckt“ zu finden. Einzelheiten dazu im Buch von Sonja Klug auf Seite 46 ff

Der innerste Kreis der Blume, der für Gott steht, umschließt die Vierung, die als Herzstück jeder Kirche gilt; außerdem durchschneidet der Kreis unten exakt das weltberühmte Labyrinth und berührt oben einen weiteren bemerkenswerten Ort, nämlich das Heilige Zentrum. Wie bereits ausgeführt, besaß Chartres einige tausend Jahre lang einen heiligen Brunnen mit Heilwasser. Leider wurde er im 17. Jahrhundert zugeschüttet, weil das Trinken des Wassers angeblich ein heidnischer Brauch war. So weiß man heute nicht mehr, wo sich das Heilige Zentrum im Kirchenschiff befand. Es liegt auf jeden Fall im Chor, doch schwanken die Vermutungen, wo genau.

Schaut man sich den Grundriss mit der Blume des Lebens an, so wird jetzt klar, dass der innere Kreis oben am Schnittpunkt zum nächsten Kreis genau das Heilige Zentrum berührt. Es liegt also etwas unregelmäßig zwischen dem 1. und 2. Chorpfeiler. Dass die Lage stimmen muss, dafür gibt es auch noch weitere geometrische Hinweise: Schlägt man nämlich einen Kreis um den als Zentrum identifizierten Punkt, dessen Radius (r) genau bis zur Mitte der Vierung reicht, dann zeigt sich:

Es passen genau 3 ganze bzw. 5 einander überschneidende Kreise derselben Größe in das Längsschiff und  2 ganze bzw. 3 einander überschneidende in das Querschiff.

Das Heilige Zentrum teilt demnach das Längsschiff im Verhältnis 2 : 1, was harmonikal exakt der Oktave entspricht, und legt das Verhältnis des Längs- zum Querschiff als Quinte (3 : 2)  fest. Harmonikale, also der Musik entsprechende Relationen (Oktave, Quinte, Quarte usw.), finden sich vielfach in der Gliederung des Kirchenschiffs – ebenso wie der Goldene Schnitt, der das Größenverhältnis des Längs- zum Querschiff bestimmt.

Chartres als Ort der Kraft erleben

Die Kathedrale kann auch heute jeder Besucher als Kraftort für sich erleben. Dass am Ort des Heiligen Zentrums im Chor eine starke Energie fühlbar ist, hat bereits Blanche Merz Geomahntisch festgestellt, als sie dort eine Strahlung von 11.000 Bovis maß.

Gegenüber 6.500 Bovis an “durchschnittlichen” Orten ist der Chor also geeignet, den Menschen energetisch aufzuladen. Der Chor ist häufig nicht für jedermann zugänglich, aber auch noch an anderen Plätzen in der Kathedrale lassen sich die starken “Schwingungen” ausmachen. Wer sich zum Beispiel in die Krypta begibt, bemerkt dort nicht selten so etwas wie “Verwirrung”: Psychosomatische und somatische Beschwerden verstärken sich plötzlich, ohne dass eine Ursache dafür ausfindig zu machen wäre. (Objektiv gesehen, liegt die Ursache in den starken tellurischen Strömen unterhalb der Kathedrale.)

Hier soll eine kraftvolle Energie spürbar sein:
Das berühmte Westportal mit der Jesus-Vesica

In die Krypta begaben sich im Mittelalter die Pilger zur Heilung, um von dem Wasser des nun zugeschütteten Brunnens zu trinken. Nicht nur Schulmediziner wissen, dass einer Heilung immer zuerst eine Verschlimmerung der Symptome vorausgehen muss.

Als besonders positiv habe ich persönlich die Energie genau in der Mitte des Westportals unter der Jesus-Vesica empfunden. Wer dort mindestens eine Viertelstunde in einer entspannten Haltung steht - ideal ist z.B. die Grundposition des Tai Chi - fühlt sich nachher angenehm harmonisiert, was über mehrere Stunden anhalten kann.

Empfehlenswert, wenn man eine strapaziöse Reise nach Chartres mit wenig Schlaf und ungewohntem Essen hinter sich hat! Auch durch eine bewusste Begehung des Labyrinths wird man als Besucher energetisch aufgeladen, sobald man das Zentrum des Labyrinths erreicht hat.

Ich wünsche Ihnen, liebe Grenzenlos-Leser/innen, dass auch Sie als Besucher den „Guten Geist“ von Chartres spüren und erleben.

Die Autorin Dr. Sonja Ulrike Klug studierte Sprachwissenschaften, Psychologie und Politik. Seit 1991 ist sie als freie Schriftstellerin und Seminarleiterin tätig. Ihr besonderes Interesse gilt dem kosmischen Charakter der Naturgesetze und dem spirituellen Erbe der Menschheit. Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter “Kathedrale des Kosmos. Die Heilige Geometrie von Chartres”.

Kontaktadresse:  Dr. Sonja  Klug, Menzenberger Str. 22,  53604 Bad Honnef, Tel. 02224- 902802, Fax  - 9028

  Im Verlag Hugendubel ist das Buch unserer Autorin Dr. Sonja Klug erschienen:
Chartres - Kathedrale des Kosmos, ISBN 3-7205-2133-8