Handlesen
Hände – Datenträger der Seele

Linien und Furchen in der Hand haben durchaus Aussagekraft und Bedeutung. Wenn die Qualität und Kompetenz des Beraters stimmt: keine Wahrsagerei, sondern psychologisch orientierte Lebenshilfe.

Wer kennt sie nicht, die (vorzugsweise) Damen, die bei den bekannten Esoterik-Messen als Handleser ihre Dienste anbieten. Mehr oder weniger reißerisch bis seriös wird dabei erklärt, welche Möglichkeiten und Wahrheiten das Lesen aus der Hand bietet. Meist sind es Frauen, die sich an den Handleser-Tisch setzen um sich etwas erzählen zu lassen. Männer finden sich seltener als Kunden ein – zumindest nicht offen und öffentlich. Zu groß ist wohl die Befürchtung, ein Bekannter könnte einen „erwischen“ – oder ist es einfach nur die Angst, etwas von sich zu erfahren, was man zwar wissen und dennoch nicht hören will ? Die Kunst des Handlesens ist in der Tat faszinierend und schon recht alt. Bereits in chinesischen und indischen Schriften die immerhin 3000 Jahre zurückreichen, soll es erwähnt sein. Der große griechische Denker Aristoteles schrieb dazu: „Die Hand gleicht der Seele, denn wie die Hand das Werkzeug ist, so ist der Geist die Form aller Formen und die Wahrnehmung die Form alles Wahrnehmbaren“.

Unterschieden wird beim Handlesen eigentlich zwischen der Chirologie und der Chiromantie. Zumeist jedoch sind die Grenzen fließend und es geht einfach um „Handlesen“.

Handlese-Experten erklärt den Unterschied so: „Bei der Chirologie schließt man aus der Handform, der Fingerform, den Fingernägeln und den Linien in beiden Händen auf Charakterzüge und Persönlichkeit. Bei der Chiromantie nimmt man einen Zeitschlüssel hinzu und versucht so, einem bestimmten Lebensabschnitt bestimmte Ereignisse zuzuordnen. Abhängig davon, wo auf welchen Linien welche Störungen auftauchen, meint man, den ungefähren Zeitpunkt gewisser Ereignisse ablesen zu können. Chiromantie fällt also eher unter die Rubrik ‚Zukunftsschau’“.

Maria Duttenhöfer aus Mannheim beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren intensiv mit dem Handlesen. Für sie ist die Bedeutung dessen, was sie aus den Händen ihrer Kunden liest klar. Frau Duttenhöfer verweist auf das Sprichwort das besagt: „Wir handeln mit den Händen, also muss das, was uns zum Handeln treibt, als Kraft in den Händen sichtbar sein“. Demnach ist Handlesen (Chirlogie, griech. Handlehre) keine Wahrsagerei, sondern wie die Astrologie und die Graphologie (Handschrift-Schriftanalyse) – sofern ernsthaft betrieben – „ein Mittel zur Erfassung der Persönlichkeit“. Die in Ungarn geborene Expertin führt weiter aus: „So sinnvoll und kunstreich es ist, die Ereignisse der Vergangenheit verblüffend genau zu bestimmen, so ist es noch wichtiger, aus der Hand zu erkennen, was das Ereignis uns mitteilen will, welche Ratschläge es uns gibt. Sich seiner Veranlagung bewusst zu werden, erkennen, welche Möglichkeiten in uns stecken, hilft uns weiter in dem Bestreben, Glück, Erfüllung und Zufriedenheit zu erlangen. Ein jeder von uns trägt die Karte seines Lebens in der Hand. Wenn sie richtig gelesen wird, kann sie sogar Vorherbestimmtes entschlüsseln helfen“.

In persönlichen Gesprächen mit den Ratsuchenden sehen Maria Duttenhöfer und andere seriöse Handleseexperten ihre Hauptaufgabe darin, neue Impulse zu geben, Entscheidungshilfe zu bieten und eine positive Einstellung zu den Lebensaufgaben aufzubauen.
Einig sind sich alle Handleseexperten darüber, dass die linke Hand Aufschluss über die vererbten Anlagen gibt und in der rechten Hand – so die Chirologin Evelyn Müller – „die eigenen Wesensmerkmale und das Ausmaß der Verwirklichung des Potentials erkennbar ist“. Für Patrick Gutter ist die rechte Hand die „Entwicklungshand“, in der sich Vergangenheit und Gegenwart widerspiegeln, ebenso wie das, was man plant. Zu beachten: Bei Linkshändern soll dies umgekehrt sein.

So wie Körperhaltung, Gang und Gesichtsausdruck bzw. die Antlitzdiagnostik bis zu einem gewissen Grade unser Innerstes offenbaren, geben also auch die Hände mit ihren Linien, Rillen und Furchen Auskunft. Nur sind sie expressiver und spezifischer in ihrer Aussage, können sie den Kern unseres Wesens mit größter Genauigkeit - wohl mehr als jedes andere Körperteil - widerspiegeln. Außer unseren ererbten genetischen Veranlagungen offenbart die Hand wechselnde Gesundheitsmuster, Gefühlsstabilität, die Entfaltung von Talenten, sowie unsere psychischen Mechanismen auf Lebenserfahrung zu reagieren.

Und an anderer Stelle heißt es: „Mit der Handform und deren Linien ist der Grundcharakter des Menschen zu sehen, und jeder gestaltet sein Schicksal mit seinem Charakter, wie auch der Charakter vom Schicksal geformt wird“.

Ein erfahrener Handleser kann Entscheidungshilfe in kniffligen Situationen leisten aber auch Krankheitszeichen erkennen, und die so genannte Lebenslinie soll sogar die zumindest ungefähre Anzahl der Jahre anzeigen, die dem einzeln vergönnt sind auf dieser Erde zuzubringen. Vor allem aber zeigt die Lebenslinie, wie stark die Vitalität, die Lebenskraft ausgebildet ist und wie sich diese weiterentwickelt.

Ein Millimeter Linie in der Hand soll in etwa einem Jahr im Leben entsprechen. Das gilt für alle Linien und Zeichnungen, die sich in den Händen zeigen. Als Grundlage für die Aussagen einer Handleseberatung dienen zunächst die Form und die Größe der Hände, Hautbeschaffenheit, Farbe und Wärme. So hat eine spatelförmige Hand (breit, kräftig, leicht knotige Finger, fächerförmig auslaufende Fingerspitzen) ebenso ihre Bedeutung wie die quadratische (viereckige Form, stumpfe Fingerspitzen), die sensitive (lange, spitz zulaufende Finger) oder die konische Handform (an den Fingerspitzen und der Handwurzel eher schmal, mit zarter Haut). In den allermeisten Fällen findet der Handleser eine Mischung aus den genannten Handtypen vor, wobei die eine oder andere Form sich deutlicher abzeichnet.
 

Beraterin Evelyn Müller achtet gar auf den Händedruck Ihres Klienten bei der Begrüßung. Anschließend schaut sie ihrem Gegenüber im wahrsten Sinn des Wortes „auf die Finger“: jedes einzelne Fingerglied inklusive Fingerspitzen ist mit besonderen Bedeutungen belegt. Über die Beschaffenheit und Form der Fingernägel sollen Erkenntnisse zur Gesundheit möglich sein. In den Handlinnenseiten geht es um so genannte „Berge“ und „Täler“, werden die Linien gedeutet. Diese Linien – alle mit Namen versehen - unterscheiden sich in ihrer Art, Länge und Farbe. Aber auch die vielen so genannten „Kreuzungen“ tragen erheblich zum Gesamtbild bei. Da gibt es Begriffe wie „Einschlüsse“, „Ketten“, „Sterne“, „Dreiecke“ oder „Unterbrechungen“. Wichtige Linien sind, neben der bereits erwähnten Lebenslinie, Kopflinie, Herzlinie oder die Schicksalslinie. Die „Berge“ tragen Namen wie „Jupiterberg“, „Venusberg“, „Mondberg“, „Merkurberg“ oder „kleiner/großer Marsberg“. Hier wird eine gewisse Verwandtschaft zwischen Handlesen und Astrologie deutlich.

Das menschliche Leben ist ein Auf und ein Ab, mit Veränderungen und Einschnitten. Während sich die Form der Finger und der Hand nicht mehr verändern, zeigen sich Störungen und Blockaden in den Handlinien wie auch mögliche Veränderungen zum Positiven hin. Den Zweiflern an der Aussagekraft dessen was aus den Händen zu lesen ist sei in Erinnerung gerufen, welche Bedeutung den Händen im menschlichen Leben zukommt: Schon ein kleines Kind lernt als erstes, mit den Händen zu be-greifen und zu er-fassen. Über die Hände treten wir in Kontakt mit unserer Umwelt. Wir befühlen, streicheln und ergreifen. Gehirn und Hände stehen in engem Zusammenhang: Geistige Beweglichkeit wird durch Geschicklichkeit der Hände gefördert. Die moderne Wissenschaft hat gezeigt, dass die Handfurchen durch Vorgänge im zentralen Nervensystem wiedergegeben werden, dass die Linien und Zeichnungen in unseren Händen Gehirnreaktionen darstellen, die in der Hand ihren Ausdruck finden. Wir haben unser Leben „in der Hand“ – in des Wortes bester Bedeutung.