Das Kraftwerk in uns

„Herzschutzvitamin“ Coenzym Q10

Wer sich heute vorausschauend Gedanken über seine Gesundheit, seine Vitalität macht, stößt zumeist immer wieder auf die gleichen Begriffe: Zellschutz, Freie Radikale, Antioxidansien, Herzkreislauf-Erkrankungen, Alterungsprozess und einige mehr. Dass unsere Ernährung unserem Körper schon längst nicht mehr das gibt, was dieser eigentlich an Nährstoffen benötigt, ist vielen Menschen ebenfalls bereits bekannt. Industriell hergestellte Fertiggerichte wie auch das unter großem Einsatz von Chemikalien erzeugte Obst und Gemüse, zumeist auf ausgelaugten Böden angebaut, sind – neben der mangelnden Bewegung an frischer Luft – Gründe für fehlende Energie, die der menschliche Körper doch so dringend braucht. Dabei möchte jeder von uns gerne gesund und vital älter werden. Doch was tun, bei den negativen Umwelteinflüssen, die unsere Zellen schwach und schwächer werden lassen? Sehr oft ist es hilfreich, lebensnotwendige Substanzen die der Körper selbst nicht mehr in genügender Menge herstellt, durch Zufuhr von Nahrungsergänzungsprodukten zu ergänzen, den Bedarf aufzufüllen. Eine der ganz wesentlichen Substanzen zur menschlichen Energieversorgung und für den Zellschutz ist das körpereigene Coenzym Q10. Q10 ist nicht nur wichtig, es ist unersetzlich für unsere Gesundheit, für unser Leben.

Coenzyme Q werden als chemische ringförmige Verbindungen aus Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Sauerstoffatomen definiert. Diese Substanzen kommen in allen lebenden Zellen in der Natur vor. Bekannt sind die Coenzyme Q1 bis Q10. Für den Menschen ist vor allem das Q10 wichtig, das in unserem Körper selbst produziert wird aber auch durch Nahrung gezielt zugeführt werden kann. Die Tatsache, dass Q10 Bestandteil aller menschlicher Zellen ist, erklärt auf einfache Art und Weise seine Bedeutung. Einfach ausgedrückt ist Q10 eine vitaminähnliche Substanz, die für die Produktion körpereigener Energie zuständig und verantwortlich ist. Biochemische Reaktionen (Stoffwechsel) im Körper werden durch Q10 nachhaltig beeinflusst.

Dazu übt dieses Coenzym eine wichtige Funktion bezüglich des Zellschutzes aus und gilt als wirkungsvolles Antioxidans, sorgt durch die Vernichtung der so genannten freien Radikale für eine nachhaltige Entgiftung des Körpers.

Freie Radikale sind als Abfallprodukte unseres Stoffwechsels zu verstehen und schädigen die menschlichen Zellen. Mediziner sind sich inzwischen einig darüber, dass freie Radikale als Ursache zahlreicher Krankheiten angesehen werden können. Ein vitaler und gesunder Organismus kann normalerweise mit seinen körpereigenen Schutzvorrichtungen gegen diese aggressiven Teilchen vorgehen. Doch weil es durch die unausgewogene Ernährung, durch hohe körperliche und geistige Belastungen sowie durch die Schadstoffe unserer Umwelt dem Organismus immer schwerer fällt, genügend Kräfte zu mobilisieren, lässt sich die Entstehung der schädigenden freien Radikale kaum vermeiden. Es kommt zur Bildung von übermäßig vielen freien Radikalen, es entsteht oxidativer Stress, die Vorstufe von Krankheiten.

So ist es nur allzuverständlich, wenn Mediziner und Ernährungswissenschaftler zellschützende Substanzen wie Q10 als ein Muss in unserer Gesundheitspflege- und Vorsorge beschreiben. Nicht zuletzt seit bekannt ist, dass ein Q10-Mangel von 25% zahlreiche Körperfunktionen beeinträchtigen kann. Messbar ist die Q10-Konzentration im Blutplasma. Bei einem gesunden Menschen beträgt der so genannte Plasma-Q10-Spiegel ca. 1 Mikromol pro Liter.

Dabei ist die Konzentration des Q10 nicht in allen Zellen unseres Körpers gleich. Seine höchste Konzentration findet sich in Herz und Leber. Sie gelten als die Organe mit dem höchsten Energiebedarf. Aber auch Nieren und die Bauchspeicheldrüse weisen eine hohe Q10-Konzentration auf. 

Das Coenzym ist dabei ein wahrer Energieaktivator für den menschlichen Organismus. So wie in einem Wasserkraftwerk die Energie des Flusses über eine Turbine in elektrische Energie umgewandelt wird, so wird in jeder unserer Körperzellen die Energie aus der zugeführten Nahrung in (notwendige) körpereigene Energie umgewandelt. Q10 nimmt die Rolle der Turbine ein: es hilft, Nahrungsbestandteile  nach dem Verdauungsprozess in für die Zellen verwertbare Energie umzuwandeln. Erst danach ist die in der Nahrung enthaltene Power für uns nutzbar. Die Rolle des Q10 beim Energiestoffwechsel ist unverzichtbar und der Ablauf des Prozesses ist auf eine ausreichende Menge von Q10 angewiesen.

Neben der Aktivierung von Körperenergie und dem Schutz der Zellen vor freien Radikalen stabilisiert Coenzym Q10 die Zellwände und sichert ihre Durchlässigkeit für lebensnotwendige Stoffe. Um diese Funktionen zu erfüllen, ist das Coenzym direkt in den Zellmembranen eingelagert.

Ebenfalls wichtig zu erwähnen ist die Bedeutung von Q10 für das menschliche Herz. Die Energiegewinnung des Körpers findet in den Mitochondrien, den so genannten „Kraftwerken der Zelle“ statt. Mit Hilfe des Coenzyms Q10 wird hier – wie oben bereits genannt - Energie der Nahrung in körpereigene Energie umgewandelt. Um den hohen Energiebedarf zu decken, sind in den Zellen des Herzmuskels besonders viele Mitochondrien vorhanden. Wie viel Energie erzeugt werden kann, hängt unmittelbar von der verfügbaren Menge an Coenzym Q10 ab. Steht nur wenig Q10 zur Verfügung, kann nur wenig Energie erzeugt werden. Eine ausreichende Versorgung mit Coenzym Q10 ist also für die normale Funktion des Herzens unerlässlich.

Auch für unsere Haut ist das Coenzym Q10 existentiell wichtig. Wie alle anderen Zellen des menschlichen Körpers, sind auch die Hautzellen auf eine ausreichende Menge an Q10 angewiesen, um die notwendige Energie erzeugen zu können. Nur wenn sie über genügend Energie verfügt, kann die Hautzelle richtig funktionieren und ist in der Lage, sich gegen negative Umwelteinflüsse zu schützen. Coenzym Q10 ist hier zweifach wirksam. Zum einen sorgt es für die Energiebereitstellung in der Zelle und verhindert durch das Neutralisieren der freien Radikale den oxidativen Stress. Diese antioxidative Wirkung des Q10 wird heute in regenerierenden Hautcremes und Antifalten-Produkten genutzt. Coenzym Q10 kann nach Expertenmeinung sowohl Hautkrankheiten verhindern als auch bei ihrer Behandlung zu einer schnellen Regeneration des Schutzschildes der Haut beitragen.

Selbst im neurologischen Bereich soll Q10 unverzichtbar sein. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Erkrankungen des Nervensystems wie etwa die Schüttellähmung Parkinson oder die Hirnfunktionsstörung Alzheimer, im direkten Zusammenhang mit dem durch freie Radikale verursachten oxidativen Stress stehen. Oxidativer Stress kann krankhafte Veränderungen der Zellbausteine nach sich ziehen und den Prozess der Energiegewinnung in den Mitochondrien  der Zelle blockieren. Da das Coenzym Q10 – wie mehrfach erwähnt -  in seiner Funktion als Radikalfänger in der Lage ist, oxidativen Stress zu senken, wird angenommen, dass es eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems spielen kann. Zusätzlich kann es als Energieaktivator auch einer Verringerung der Energiegewinnung entgegenwirken.

Mit zunehmendem Alter lässt die Eigenproduktion von Q10 in unserem Körper nach. Besonders betroffen ist dabei das Herz. Prof. Dr. Jürgen Vormann vom Institut für Prävention und Ernährung in Ismaning bei München erläutert dazu: „Im Herzen eines  40-jährigen findet man nur noch 68% und im Herzen eines 80-jährigen nur noch ca. 42% an Coenzym Q10 im Vergleich zu einem 20-jährigen. Es ist schwierig, dies mit normaler Nahrung auszugleichen. Denn wer hat schon Lust, täglich Sardinen zu essen“.

Prof. Dr. Jürgen Vormann

Prof. Vormann, Mitglied der Internationalen Coenzym Q10 Gesellschaft, empfiehlt eine Nahrungsergänzung mit Q10 und nennt dabei 30 mg pro Tag als ausreichend. Gegebenenfalls könne Q10 mit anderen starken Antioxidantien – z. B. Vitamin E – kombiniert werden. Allerdings verweist der Ernährungswissenschaftler auch auf die Notwendigkeit, sich vitalstoffreich und ausgewogen zu ernähren. Auch wenn das in der heutigen Zeit der Fertiggerichte und Fast-Food-Ketten etwas mehr an persönlichem Engagement und Nachdenken über die eigene Gesundheit erfordert.

Entdeckung und Herstellung von Coenzym Q10

Entdeckt wurde das Coenzym 1957 an der Universität Wisconsin, USA. Unter der Leitung von Prof. Frederick Crane sollte anhand gewöhnlicher Rinderherzen die Wirkungsweise der Mitochondrien in lebenden Zellen erforscht werden. Es gelang den Forschern, eine gelbliche Substanz aus den Herzmuskelzellen zu isolieren, deren Bedeutung schnell erkannt wurde. Eine Forschergruppe um Prof. Karl Folkers am Institut für Biomedizinische Forschung an der Universität von Texas entschlüsselte die chemische Formel der gelben Kristalle und nannte sie Coenzym Q10. Prof. Folkers war einer der ersten, der die Existenz von Q10 in menschlichen Zellen nachwies und die enorme Bedeutung des Coenzyms Q10 für den Menschen erkannte. Lange blieb das Rinderherz die einzige zuverlässige Quelle für Q10 und die Gewinnung des Coenzyms war sehr schwierig und kostenintensiv. Die Kosten für ein Gramm Q10 aus Rinderherzen lagen damals bei rund 1000US-Dolar. In den frühen 70er Jahren wurde in Japan eine Technologie entwickelt, die es ermöglichte, aus der Tabakpflanze größere Mengen Q10s kostngünstig herzustellen. 1974 wurde mit der industriellen Produktion von Q10 aus Tabakresten begonnen. Dennoch blieben die Q10-Vorräte beschränkt, bis 1977 wiederum in Japan ein technologischer Fortschritt erzielt wurde: die Q10-Erzeugung durch Fermentation. Damit wurde die Grundlage gelegt, um Q10 intensiv zu erforschen. Der Vitalstoff ist seitdem in ausreichenden Mengen vorhanden und der Rohstoff-Preis ist rapide – von 1000 US-Dollar auf weniger als 10 US-Dollar pro Gramm – gesunken. Die weltgrößten Produktionsstätten für Q10 liegen in Asien. Seit vielen Jahren ist der Vitalstoff dort als lebenswichtige Substanz anerkannt und genutzt.