Waschen mit der Nuss

Geld sparen und die Umwelt schonen

Die reinigende Kraft der indischen Waschnuss ist bei uns noch weitgehend unbekannt.

Doch wer umweltbewusst waschen und reinigen will, kommt an der Frucht des Soapnut-Baumes nicht mehr vorbei.

Berichte über die Verschlechterung des Grundwassers, über die Verschmutzung unserer Bäche und Flüsse sind jedem von uns bekannt und geläufig. Bewusst und verantwortungsvoll tätige Umweltexperten reden sich seit Jahren den Mund fusselig, machen auf die Gefahren aufmerksam, die uns unsere Zivilisationsgesellschaft mit all ihren scheinbar angenehmen und doch negativen Begleiterscheinungen beschert. Jeder Einzelne ist gefordert, denn jeder kann etwas tun. Wenn es um ökologisches, umweltbewusstes und zugleich preiswertes-sparsames Waschen geht, führt – so die Meinung von Umweltexperten - kein Weg an der indischen Waschnuss mehr vorbei. Problem: Sie ist in unserer Breiten in den privaten Haushalten noch nahezu unbekannt.

In Indien wird die reinigende Kraft der Waschnuss seit Jahrhunderten genutzt. Sie ist die Frucht des zu den Seifenbaumgewächsen gehörenden Soapnut-Baumes, dessen Hauptverbreitungsgebiet Südindien war. Mittlerweile kommt der sapindus mukorossi – so sein botanischer Namen - in ganz Indien vor. Die Familie der Seifenbaumgewächse umfasst ca. 2000 Arten, verteilt auf ca. 150 Gattungen. Der Name „sapindus“ rührt vom charakteristischen Inhaltsstoff Saponin her, das bekanntermaßen eine hohe Reinigungskraft besitzt. In der Schale der Frucht enthalten, hat sich Saponin als Fettlöser und Entferner auch von hartnäckigen Flecken bewährt. Sobald es mit Wasser in Berührung kommt, wirkt Saponin – das auch in der westlichen Industrie schon lange bei der Seifenherstellung mit verwendet wird – selbst wie Seife. Gegenüber den „zivilisierten“ Waschmitteln hat die Waschnuss – zumindest aus ökologischer Sichtweise betrachtet – nur Vorteile: Die Gewässerbelastung ist gleich null, weil Saponin zu hundert Prozent abbaubar ist. Bevor die Schalen mit dem Kompost-Müll entsorgt werden, kochen sie manche Anwender nochmals auf und besprühen mit dem gewonnenen Sud Garten- und Zimmerpflanzen.

Es gibt aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen die besagen, dass Waschnüsse Pflanzenschädlinge wirksam bekämpfen und beseitigen können. Allergiker, Schuppenflecht- und Neurodermitispatienten berichten von ganz augenscheinlichen gesundheitlichen Verbesserungen, nachdem sie herkömmliche Wasch- und Reinigungsmittel durch die natürliche Waschnuss ersetzten.

Immer mehr Mediziner – nicht aus der ayurvedischen Gesundheitslehre kommende – konstatieren die überaus gute Hautverträglichkeit der Waschnuss und weisen daraufhin, dass viele Hauterkrankungen und Allergien durch den übermäßigen Gebrauch von chemischen Inhaltsstoffen ausgelöst werden. Der Appell von Umweltmedizinern geht bereits seit Jahren dahin, dass wir – wann immer es möglich ist – naturbelassene anstelle von industriell hergestellten und mit zum Teil gefährlichen Chemikalien versehenen Produkte verwenden sollten. Die Waschnuss des Soapnut-Baumes – ohne anionische und nichtionische Tenside, ohne Phosphate, ohne optischen Aufheller, ohne Parfüm, ohne Schaumregulatoren, ohne Proteasen – bietet diesbezüglich eine hervorragende Möglichkeit, umweltbewusstes Handeln im privaten Bereich umzusetzen.

Wirtschaftlich ist die Sapindus mukorossi allemal: 1 kg (ca. 20 bis 26 Euro) soll für 100 bis 130 Waschmaschinen reichen. Manche Waschnuss-Vertreiber nennen 150 bis 200 Waschgänge für ihre Produkte. Sicher sind diese Angaben von dem Verschmutzungsgrad der Wäsche und der Qualität der Nüsse selbst abhängig. Unter Waschnuss-Experten wird die Meinung vertreten, dass die Qualität der Nüsse mit dem Alter der Früchte tragenden Bäume unmittelbar zusammenhängt. Höchste Qualität mit höchstem Anteil an Saponin erhalte man „nur von Bäumen, die jünger als 40 Jahr sind“, so ein Ökologe, der selbst Waschnüsse verwendet. Danach falle der Gehalt des Saponins ab. Unstrittig ist: Die Waschleistung der „Sauber-Nuss“ steigt mit der Temperatur des Wassers. Im Bereich von 30 bis 90 Grad sind die Schalen mit der außergewöhnlichen Reinigungskraft einsetzbar. Anwender/innen berichten, dass die Waschnüsse bei 30 und bei 60 zweimal zu benutzen sind. Benutzt man sie für die Kochwäsche bis 90 Grad, ist die einmalige Verwendung möglich. Die finanzielle Ersparnis kann bis zu 50 Prozent im Vergleich mit normalen Waschmitteln betragen.

Die Anwendung der Waschnüsse ist recht einfach. Oft werden die Nüsse bereits „geknackt“ geliefert, wenn die ganze Nuss noch vorhanden ist, leistet ein Nussknacker gute Dienste. Der innere schwarze Kern der Nuss geht auf den Kompost, denn der Wirkstoff Saponin befindet sich nur in der Schale. Mitgeliefert wird meist ein Baumwollsäckchen, in das – je nach Grad der Verschmutzung – 3 bis 6 Nüsse gegeben werden. Das Waschnussbündel kommt nun die Waschmaschinentrommel mit der Schmutzwäsche. Ein Weichspüler ist bei diesem umweltbewussten Vorgang natürlich nicht erforderlich. Die „nussige“ Wäsche wird auch so flauschig weich.

Wer seiner Wäsche eine besondere Duftnote verleihen möchte, gibt zuvor einige Tropfen ätherischer Öle – sehr beliebt ist Lavendel – auf das Säckchen mit den Waschnussschalen. Der Duft der mit den Nussschalen gewaschenen Wäsche ist neutral. Immer mehr umweltbewusste Benutzer des natürlichen „Vollwaschmittels“ wissen dies zu schätzen. Wer für die weiße Wäsche ein Bleichmittel benutzt – auch hier gibt es umweltfreundliche Produkte -  wird keinen Unterschied mehr zu herkömmlichen Waschmitteln entdecken.

Zu überaus positiven Ergebnissen beim Ausprobieren der Waschnuss kam auch die Redaktion „Umwelt“ des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF). „Bei normaler Verschmutzung konnten durchaus gute Ergebnisse erzielt werden ... sowohl Bunt- und Kochwäsche als auch Wolle oder Seide lassen sich damit reinigen“ – schreiben die Redakteure des Öffentlich-rechtlichen Senders auf ihrer Internetseite. Und sie stellen weitere Pluspunkte der reinigenden Nussschalen fest: „Der Weichspüler kann eingespart werden, weil die Wäsche bereits sehr weich aus der Waschmaschine kommt; Buntwäsche wird zudem sehr farbschonend behandelt.... Darüber hinaus ist die Waschsubstanz 100 Prozent biologisch abbaubar und etwa halb so teuer wie herkömmliches Waschmittel“. Nur bei „hartnäckigen Flecken“ stellten die „Mainzelmännchen“ fest, dass konventionelle Waschmittel der Sauber-Nuss aus Indien überlegen seien und empfehlen „bei besonderer Verschmutzung eine zusätzliche Fleckenbehandlung“.

Zusatzinformation „Saponin“

Das Saponin der Waschnüsse wird in geringen Mengen auch vom Ackerschachtelhalm (lat. Equisetum arvense)  produziert. Mit diesem geringen Anteil an Saponin kann diese auch als Heilkraut bekannte Pflanze selbst auf kargen Böden gedeihen. Daraus kann geschlossen werden, dass Saponin Pflanzen zu einer besseren Nährstoffaufschlüsselung verhilft. Es wurde beobachtet, dass selbst andere Pflanzen, in direkter Nachbarschaft zum Ackerschachtelhalm besser wachsen. In wenigen landwirtschaftlichen Betrieben werden „gebrauchte“ Waschnussschalen als Wachstumshilfe für schlechtwachsende Pflanzen verwendet – ganz ohne sonstigen Dünger.

Waschnüsse säubern jedoch nicht nur Wäsche. Sie bzw. der Waschnuss-Sud  eignet sich als Körperreinigungs- und Pflegemittel wie auch als Putzmittel im Haushalt. Sogar in der Geschirrspülmaschine lassen sich die Schalen mit dem natürlichen Reinigungsstoff Saponin verwenden. Wer sich mit dem Waschnuss-Sud die Haare spült kann feststellen, dass das Nachfetten weniger schnell geschieht, die Haare selbst mehr Volumen erhalten. Berichte, dass die Bildung von Schuppen wie auch Haarausfall sich verringert oder das Ergrauen von Haaren verlangsamt wird mögen Kritiker in den Bereich der Fabelwelt verweisen. Wenn man sich jedoch überlegt, welche Belastung unsere Kopfhaut alleine durch die auf rein chemischer Basis hergestellten Shampoos  und konventionellen Haarpflegemittel ausgesetzt ist, kommt man schon mal ins Nachdenken.

Und einen weiterer Punkt „pro Waschnuss“ will bedacht sein: Für das nicht vom Wohlstand verwöhnte Indien könnten der gesteigerte Anbau und der damit verbundene Export der Waschnuss zu einer wirtschaftlichen Verbesserung der Lage im Land werden. Nach Expertenmeinung reichen bereits wenige Soapnut-Bäume, um einer indischen Familie den Lebensunterhalt zu sichern. Auch wenn es auf den ersten Blick eher zum Schmunzeln ist: In Indien werden Arbeitselefanten seit je her mit dem Sud aus der Waschnuss gepflegt und gesäubert. Für die Menschen in dem von uns so weit entfernten Subkontinent sind diese Tiere Freunde und wertvolle Helfer. Und die Dickhäuter sind mit einer sehr empfindlichen Haut ausgestattet.....

So spricht aus vielen guten Gründen nichts mehr dagegen, wenn sich die Waschnuss auch in unseren Breitengraden auf den Vormarsch begibt. Den Menschen hier bei uns, im Ursprungsland Indien und unserer aller Umwelt zuliebe.