Persönlichkeitsentwicklung

Motivationstrainer und ihre Angebote:

„Selbsttäuschung armer Seelen“ oder doch Wege aus Krisen? 

Deutschland „einig Jammerland“? Warum werden Motivationstrainer und ihre Seminare (in) der Öffentlichkeit so negativ beschrieben?

„Was ist dran am Positiven Denken ? Was ist am eigentlich Positiven so negativ ? Ist es Augenwischerei, Schönfärberei? Oder ist in Zeiten der Not und des Klagens der Ruf nach Motivationstrainern besonders laut ?“ Mit diesen und anderen Fragen  konfrontierte Sonja Jung, Moderatorin einer Gesprächsrunde zum Thema „Positives Denken“ während der Grenzenlos-Messe „Ökologie, Gesundheit, Ernährung, Heilen“ im Oktober 2004 Jürgen Höller, Clemens Maria Mohr und Erhard F. Freitag. Jeder der drei ist - für sich auf ganz eigene Art - als Motivationstrainer, Berater, Mental-Coach, Seminarleiter und Buchautor tätig. 

Colin Goldner, Leiter des „Forums Kritische Psychologie in München“ sieht in dem was Höller, Freitag, Mohr und andere von der gleichen oder ähnlichen Branche in ihren Büchern schreiben und in Seminaren oder bei so genannten „Motivationstagen“ von der Bühne herunter verkünden eine „überautoritäre Gängelung und Konditionierung des Publikums“ – und das alles zu einem überhöhten Preis. Höller und Co. sind für den Mann mit den schulterlangen, hellblonden Haaren „nützliche Handlanger“ kühl kalkulierender Firmenchefs, die „stromlinienförmige Mitarbeiter“ wünschten.

Als „gefährliche Scharlatane“ glaubt der Psychotherapeut Günter Scheich Motivations- und Erfolgstrainer entlarvt zu haben. Günter Scheich sagt: „Positives Denken macht krank“ und weil der Mann davon überzeugt ist, hat er ein Buch mit gleichem Titel zum Thema geschrieben.   

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichte 2001 zwei Beiträge des Journalisten Christian Schüle. In „Kostspielige Selbsttäuschung armer Seelen mit atomisiertem Ich“ und in „Die Diktatur der Optimisten“ beschreibt er – zumeist in einem stakkatoartig anmutenden Stil – Jürgen Höller und Jörg Löhr, erläutert – sich informativ gebend – die Umsätze von Verlagen mit Motivationsbüchern, beschreibt – scheinbar gründlich recherchiert – Verkaufsabläufe, Zusammenhänge, kombiniert scheinbar wichtigen Infos aus der ehemaligen Höller-Firma Inline AG.  Namen wie Dale Carnigie, Joseph Murphy und Erhard Freitag werden – ebenso wie Nikolaus Enkelmann, Bodo Schäfer, Brian Tracy, Napoleon Hill, Ulrich Strunz und andere – nur am Rande erwähnt und dann oft mit einem negativen Seitenhieb versehen.

Seit 2001 ist einiges passiert in Deutschland. Das Klagen und die Unzufriedenheit über: „zu wenig Geld“, „immer weniger in der Tasche haben“, „immer mehr Steuern und Abgaben“ hat zugenommen. Die von der jetzigen Bundesregierung auf den Weg gebrachten „Reformen“ ließen Menschen bei „Montagsdemonstrationen“ auf die Straße gehen. Das Volk „murrt“. Durchaus vergleichbar mit dem was damals geschah, als Moses „die Kinder Israel“ von Ägypten aus auf den beschwerlichen Weg Richtung „Gelobte Land“ brachte.  

Und: Jürgen Höller, ehemals Star-Motivationstrainer mit einer Tagesgage von ca. 20 000 Euro ging pleite, landete für insgesamt 18 Monaten u. a. wegen Untreue (gegenüber seiner eigenen GmbH), Steuerhinterziehung  von ca. 20 000 Euro, vorsätzlichem Bankrott und Meineids bei Abgabe der eidesstattlichen Versicherung in der JVA Würzburg.

Was ist dran am Positiven Denken?“, fragte Sonja Jung bei der Grenzenlos-Messe in der Saarbrücker Congresshalle in die Runde. Und Jürgen Höller, Clemens Maria Mohr und Erhard Freitag stellten klar: Nichts – oder zumindest nicht viel. Wenn es nur beim Denken bleibt!

Ausnahmslos alle Mental-, Verkaufs- und Motivationstrainer, alle Coaches oder Personality-Trainer die der Autor dieser Zeilen in den vergangenen 15 Jahren persönlich oder über Bücher, CDs und Videos erlebte, hatten eines gemeinsam:
Sie ermuntern und fordern – jeder auf seine Art – auf zu mehr Selbstverantwortung, mehr Eigeninitiative und zu mehr Mut. Sie machen Mut – ebenfalls jeder auf seine Weise. So z. B. spricht der eine mit ruhiger, manchmal beinah nur flüsternder Stimme (Erhard Freitag). Oder wie Jürgen Höller – vor seiner Zeit hinter Gittern – ein auf der Bühne herumsprintender Derwisch mit zum Teil beschwörenden Gesten auf sein Publikum einwirkend.

Grenzenlos Moderatorin Sonja Jung nach ihrer Talkshow mit Jürgen Höller (rechts) und Clemens Maria Mohr

Doch die guten Trainer fordern – ausnahmslos alle – den Leser ihrer Bücher wie den Zuhörer ihrer Motivationstage, Mental-Seminare oder Kick-Off-Kurse auf, sich zunächst über die persönlichen Wünsche und Ziele im Leben klar zu werden. Und das möglichst exakt, im Detail. Da geht es eben nicht um „Firlefanz“, wie es Colin Goldner sieht. Der übrigens immer dann in Medienberichten zu Wort kommt, wenn gilt, Front zu machen gegen das so genannte Positive Denken und seinen Haupt- und Nebenschauplätzen.

Dann gibt es in den Seminaren die unterschiedlichsten Strategien mit auf den ersten Abschnitt des möglichen neuen Weges.

„Hausaufgaben“ sind – oft auch im Seminar selbst beginnend - zu machen. Und – wie in jeder Schule - wird häufig empfohlen, dies schriftlich zu erledigen. Es werden – etwa wie im Bereich des Leistungssportes – so etwas wie „Trainingspläne“ für den Alltag erstellt. Bei den offenen und sehr oft mit Entertainment versehenen werbenden Veranstaltungen wird das natürlich nur kurz „angerissen“, angetippt.

„Mehr dazu in den Seminaren“ – so der Hinweis der Matadore. Doch was ist schlecht daran, wenn Referenten Werbung für ihr eigenes Produkt machen? Vereine, Verbände und Parteien machen schließlich nichts anderes!

Es muss doch etwas dran sein, wenn Verkaufs- und Motivationstrainer von Firmen als Seminarleiter bestellt, von Hochleistungssportlern als Coaches gebucht werden. Oder sind diese Firmen und Profisportler nur bekloppt und machen sich durch Positives Denken tatsächlich „krank“? 

von links:
Erhard F. Freitag, sein Lehrmeister Dr. Joseph Murphy und Jürgen Höller

Eher nicht, denn wie sonst hätte Boris Becker zu seinen vergangenen Glanzzeiten als aktiver Spieler so manchen schon verloren gegangenen Tenniskrimi noch zu einem Sieg umgebogen. „Das Match wurde sicher im Kopf entschieden“ – so der rote Tennisbaron nach mehr als einer seiner großen Schlachten auf den Center Courts der Welt. Außer ihm hatte wohl niemand mehr an den Erfolg geglaubt. Mentales Training lässt grüßen !

Nicht ganz so sehr Vergangenheit ist die Meldung über einen Fußballprofi des Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern. Leisten-Operation, Bänderrisse, Meniskusschäden prägten bisher die Karriere des Patrick Wittich (22). Immer wieder stoppten ihn Verletzungen, warfen ihn wochen- und monatelang in den Vorbereitungsphasen zurück. Mit Beginn des neuen Jahres 2005 nimmt er einen neuen Anlauf.

Dass er diesem positiv gestimmt entgegensieht hat er – wie einem Bericht der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ zu entnehmen ist – „einem Tipp von Gunter Metz zu verdanken. Der B-Jugentrainer .... hatte dem zwischenzeitlich unendlich gefrusteten Dauer-Patienten das Buch „Die Macht des Unterbewussten“ von Joseph Murphy empfohlen. Das hat viel im Kopf Wittichs bewirkt“.

Natürlich soll es in diesem Beitrag nicht darum gehen, den Psychologen Scheich und seine recht pauschalen Aussagen zum Positiven Denken in Bausch und Bogen zu verdammen. Es gibt sicher genügend Beispiele, wo sich oberflächliche Positiv-Denk-Kurse nachteilig für den Einzelnen auswirkten. Das ist dann so, als wenn ich heute als 50jähriger – ohne große Vorbereitung – wieder das Fussballspielen aufnehmen würde.

Fußballprofi Patrick Wittich

Verletzungen wären vorprogrammiert, von der konditionellen Verfassung erst gar nicht zu reden. Ich meine: all das was zu euphorisch, übertrieben unüberlegt und unvorbereitet angegangen wird, ist weniger gut, kann schnell ins Gegenteil umschlagen.

Positives Denken ist – wenn gründlich und sorgsam praktiziert eben keine „Ideologie“ wie es bestimmte Journalisten ihren Lesern immer wieder glauben machen wollen.

„Was ist dran - am Positiven Denken?“ Die Gesprächsrunde bei der Grenzenlos-Messe “Ökologie, Gesundheit, Ernährung, Heilen“ im Oktober 2004 gab Antworten auf Fragen zu diesem Thema.

Von links: Erhard F. Freitag, die Moderatorin Sonja Jung, Clemens Maria Mohr und Jürgen Höller.

Allerdings – und auch damit wird den Menschen Angst eingejagt – ist es schon wichtig, dass der Betreffende sich „umprogrammiert“. Das wiederum hat nichts mit dem negativ behafteten Begriff „Gehirnwäsche“ zu tun. Die Tatsache, dass jeder von uns durch seine Erziehung stark geprägt wurde, ist unumstößlich. Die alten Glaubenssätze- und Muster, die wir von unseren Eltern (und die handelten im „guten Glauben“) mitbekommen haben, zeigen natürlich heute immer noch Wirkung. So wir denn diese „Das kannst Du nicht“, „Dafür bist zu noch nicht erwachsen genug“, „Das wird nie etwas mit Dir“ etc., etc. weiter wirken lassen. Alle guten Motivations- und Mentaltrainer werden nicht müde zu betonen, dass eines wichtig ist: Zunächst den alten „Müll“ an Glaubenssätzen, Gedanken, aus unserem Kopf zu entfernen. Das braucht seine Zeit und bedarf einer sehr detaillierten und praxisorientierten Anleitung, häufig auch einer therapeutisch zu nennenden Begleitung. Nach und nach können dann die positiven Gedanken, die neue mentale Einstellung Fuß fassen.

Wird jedoch versucht, über die alten Gedankenmuster einfach nur das Positive Denken gleichsam einer Glasglocke, drüberzustülpen, ist der Weg schnell zu Ende und es kommt zu den von Günter Scheich in seinem Buch hinreichend beschriebenen Ausfallerscheinungen.   

Zahlreiche Institute und Firmen bieten Trainer oder Coaches Seminare für Menschenführung und Motivation, Produktverkauf und kundenorientiertes Verhalten an. Sei es im persönlichen Gespräch oder am Telefon, oft auch Kommunikations-Training genannt. Neben einzelnen Themenbereichen, die bei einigen Anbietern zuweilen unorthodox aneinander gereiht scheinen, gibt es auch Dienstleister, die sich als Verkaufsakademien vorstellen und regelrechte Trainingspakete offerieren. Manche der Angebote sind berufsbegleitend, umfassen mehrere Wochenenden, dauern mehrere Monate bis zu einem Jahr.

Auch hier geht es natürlich nicht darum, Menschen nur für kurze Zeit zu euphorisieren und sie danach im Regen stehen zu lassen. Auch die von den Medien kritisierten Höller, Strunz, Rattelband und Co. wissen, dass von den Erstbesuchern ihrer Werbeveranstaltungen in großen Hallen nur ein kleiner Teil  (Jürgen Höller sprach in einem Grenzenlos-Interview im Jahr 2001 von „höchstens 10 bis 12 Prozent) beginnt – und die Betonung liegt auf „beginnt“ – Veränderungen im Leben um „mehr Erfolg zu haben“ vorzunehmen. Immer wieder betonen Motivationstrainer, dass a) ein Mehr an Erfolg nur mit viel Fleiß zu erreichen ist und b) dies natürlich nur schrittweise geschehen kann.  

Die von mir besuchten Werbeveranstaltungen einiger medienmäßig so arg kritisierten angeblichen „Windmacher“ hatten zumindest einen gewissen Unterhaltungswert. Traten dort doch Menschen als Referenten auf, die man nicht jeden Tag live erleben kann. Es war einfach interessant aus dem Munde eines Reinhold Messmer zu erfahren, wie er sich zunächst auf seine abenteuerlichen Exkursionen vorbereitete und dann in vielen kritischen Situationen – „positiv aber auch nüchtern und klar denkend“ zurechtkam. Ebenso war es ein Erlebnis, den bekannten Pantomimen Sammy Molcho zu erleben, der einen praktischen Einblick in seine Arbeit rund um unsere Körpersprache gab. Auch dieser Punkt wird von vielen Motivationstrainern – je nach ihrem Seminarangebot – angesprochen und an praktischen Beispielen erläutert und geübt. 

Auf  einen anderen Punkt in der Medienkritik sei ebenfalls hingewiesen. Da wird bemäkelt und  den einzelnen Protagonisten vorgeworfen,  dass sie ich gegenseitig  zu Auftritten einladen würden. Doch was ist daran verwerflich, wenn sich Wettbewerber, die sie nun mal sind, gegenseitig vorstellen und somit auch werbemäßig unterstützen? Das sollte doch wohl eher beispielgebend sein in unserem Land der Klagenden und Unzufriedenen,  die sich – so hat es zumindest den Anschein - recht einfach von bestimmten Massenmedien lenken und Gedanken und Worte in den Kopf bzw. in den Mund legen lassen.   

Bei vielen Seminaren geht es eben nicht nur um die theoretische Vermittlung von vorgefertigten Praktiken, sondern – wie es bei einem Anbieter auf den Internetseiten heißt - „um eine Bewusstmachung der jeweiligen Situation“. Und da ist der positive Gedanke einfach der Einstieg, die Voraussetzung für selbst herbeigeführte Veränderungen. 

So hat sich auch der Sportwissenschaftler und Mental-Coach Clemens Maria Mohr nach oben gearbeitet. Vor 15 Jahren bot er einen über mehrere Wochen dauernden Abendkurs „Positives Denken“ im Nebenzimmer einer Saarbrücker Gaststätte an. Heute ist er ein gefragter Firmentrainer, der sich bei allem Erfolg seine Natürlichkeit, gepaart mit einer außerordentlichen Portion Humor, bewahrt hat. „Wir, die wir hier sitzen“, so der Buchautor und Seminarleiter bei der Grenzenlos-Messe 2004 in Saarbrücken, „möchten den Menschen helfen, mehr und mehr zu ihrer Eigenverantwortung zurückzufinden“.

Es stellt sich – angesichts der zum Teil unglaublich einseitig negativen Medienberichte über Motivationstrainer und Positives Denken in den vergangenen Jahren – die Frage, ob diese Eigenverantwortung in diesem Land, trotz aller gegenteiligen Beteuerung durch Volksvertreter, doch nicht so sehr erwünscht ist.  

Die „schwarzen Schafe“ in der Motivationstrainer-Branche einmal außer Acht lassend (die gibt es bekanntlich auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens) sollten allen Pauschal-Kritikern die Zeilen einer Frau („Julchen“) zu denken geben, die sich in einem Internetforum zu dem Buch „Positives Denken macht krank“ von Günter Scheich äußerte:

„Positives Denken macht krank??? Das ist das Hirnverbrannteste was ich je gelesen habe. Positives Denken hat Columbus auf den Weg geschickt, und Captain Cook und Marco Polo. Positives Denken hat eine machtvolle Kirche in 2 geteilt und die Bibel übersetzt und gedruckt. Positives Denken hat über 700 Überlebende der Titanic produziert und Positives Denken gibt täglich Kindern mit wirklich lausigem Elternhaus einen Abschlussbrief irgendeiner Universität - ‘against  all odds’ (Gegen jede Gewinnquote)!

Positives Denken hat uns von den Bäumen geholt, uns Kunst und Literatur gegeben. Positives Denken hat das elektrische Licht angezündet, uns den Mercedes beschert und das stunden-kurze Rumhupfen auf dem Planeten um ein paar Tage Sonne und Strand zu bekommen. Positives Denken hat uns zum Mond gebracht - und zum Mars. Es hat uns gelehrt einen Blinddarm zu entfernen und 2 Buben zu trennen, die niemals auch nur im Bett hätten sitzen können, wenn sie weiterhin am Kopf zusammengewachsen wären... Positives Denken ist stärker als manche Krankheit  und viel stärker als jedes ‘Aufgeben’-Wollen. Und dieser Mann (Günter Scheich) behauptet es sei Gift?“

 

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