Gesundheit

Vitaminpräparate - Wirklich gefährlich
oder unentbehrlich für gute Gesundheit ?

Diverse Presseberichte entpuppen sich oft  als pauschale Panikmache bestimmter Medien. So ist oftmals bei zitierten Studien Vorsicht geboten: Oft basieren diese auf „suspekten und/oder veralteten“ Untersuchungen.

Wer sich die verschiedenen Medienberichten der vergangenen Monaten zum Thema Nahrungsergänzungsmittel/Vitamine betrachtet, kommt – so er sich keine Gedanken um die Hintergründe macht – zu dem Schluss, dass Vitamine, die in Form von Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich sind, eine immense Gefahr für den Verzehrer darstellen. Die Wirklichkeit (und sehr oft auch die Wahrheit) sehen jedoch anders aus. Zumindest ist eine differenzierte Betrachtungsweise erforderlich, die auch in anderen Bereichen unseres Lebens gefragt ist, so denn nicht vieles in Bausch und Bogen „verdammt“ werden soll. Ein seriöser Nahrungsergänzungs- und Vitaminhersteller aus den Niederlanden macht in einer Pressemitteilung von Anfang Dezember 2004 darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, bei den oft reißerischen Presseberichten genauer hinzuschauen. 

So seien zahlreiche Studien, die vor der freien Einnahme von Vitamin C und E warnen, mit synthetischen und gemischt synthetischen Vitaminen durchgeführt worden. Vitamine, gewonnen aus 100% pflanzlichen, natürlichen Quellen, blieben demnach zumeist unberücksichtigt. Und selbst Vitamin E, das als „natürlich“ beworben wird, muss nicht unbedingt tatsächlich aus rein natürlichen Quellen stammen. Die niederländische Firma erinnert in ihrem Schreiben daran, dass es „Herstellern erlaubt ist, natürliches Vitamin E mit synthetischem, aus Erdöl gewonnenem Vitamin E zu mischen“. Das müsse nicht auf dem Etikett vermerkt sein und hätte so zur Folge, dass selbst ein Apotheker „im Dunkeln tappt“. Wie andere Produzenten und diverse Verbraucherschutzorganisationen empfiehlt auch die in unserem Nachbarland ansässige Firma, beim Kauf von Vitaminen unbedingt darauf zu achten, dass es die Hersteller bestätigen, wenn es sich um Produkte aus 100% natürlichen Quellen handelt. Zudem sollten auf den Produkt-Etiketten exakt verzeichnet sein, was genau die Tabletten oder Kapseln enthalten.  

In mehreren Presseberichten war der Eindruck vermittelt worden, dass Vitamin E grundsätzlich das Risiko für Herzerkrankungen erhöhe. Weiterhin war durch andere Medienbeiträge der Eindruck entstanden,  Mikronährstoffe als Nahrungsergänzungen seien überhaupt gefährlich.

So wurde im November 2004 in den USA publiziert, dass „tägliche Vitamin E Dosen von mehr als 400 i.E.“ das Risiko an Herzerkrankungen zu sterben erhöhten und deshalb unbedingt gemieden werden sollten. Hintergrund dieser Meldung waren „statistische Auswertungen“ von Studien über Vitamin E, die Professor Dr. Edgar R. Miller von der Universität in Baltimore erstellt hatte.

Beim genaueren Betrachten der Meldung stellte sich jedoch folgendes heraus:

Bei den Miller’schen Auswertungen wurden gezielt Probanten betrachtet, die über 60 Jahre alt waren, zur Risikogruppe der Herz-Kreislauf-Erkrankten zählten oder bereits unter anderen schweren Krankheiten litten und rauchten.

Völlig außer Acht gelassen wurde bei der „statistischen Auswertung“, welche Medikamente diese Testpersonen noch einnahmen und auch über deren Dosierung wurde nichts gesagt.

Dr. Hathcock, Wissenschaftler am „Council für Responibel Nutrition“ in Washington D.C. gelangte bei näherer Untersuchung der Vitamin E-Studien mit dem Negativergebnis zu der Auffassung, dass „die Gesamtbewertung ... von einigen wenigen klinischen Untersuchungen vorangetrieben wurde, welche als suspekt und/oder als veraltet zu bezeichnen sind“.

Den Bedenken von mehr als 400 i. E. Vitamin E täglich steht auch die Auffassung der amerikanischen Gesundheitskontrollbehörte FDA entgegen, die eine Dosierung von bis zu 2000 i.E. täglich für unbedenklich hält.

Wie einfach es ist, dem Vitamin E „ans Bein zu treten“ verdeutlicht die Aussage des Orthomolekular-Mediziners Prof. Dr. Bodo Kuklinski (Foto). Wer die schädliche Wirkung oder die Unwirksamkeit von Vitamin E durch eine Studie belegen möchte, müsse den Probanten nur synthetisches (künstliches) Vitamin E geben.

Für eine detaillierte Betrachtung spricht sich auch der amerikanische Vitamin E-Experte Prof. Dr. Pappas aus wenn er schreibt: „Man sollte sehr wohl unterscheiden, welche Erkrankungen man mit Vitamin E therapieren möchte. So empfehle ich Rauchern, Parkinson-, Alzheimer-, Krebspatienten oder Menschen mit einer hohen Radikalen-Belastung hohe tägliche Dosen von natürlichem Vitamin E (800-1600 i.E.) mit gemischten Tocopherolen. Bei einem Bluthochdruck-Patienten muss die tägliche Dosierung jedoch deutlich niedriger ausfallen, sollte Vitamin E isoliert, d.h. ohne andere Mikronährstoffe, gegeben werden“.

Ein anderer Mediziner, Dr. med. Kenneth Woliner schreibt: „Dr. Miller`s Meta-Analyse basiert auf einem „tragischen Fehler“.

In all den Studien, welche ausgewertet wurden, wurde ausschließlich Alpha Tocopherol verwendet, also nicht die natürliche Vitamin E Form mit gemischten Tocopherolen. Speziell aber das Gamma Tocopherol in Vitamin E schützt vor Krebs und blockiert das Enzym COX-2, welches bei Herz-Erkrankungen beteiligt ist. Ich verordne deswegen Vitamin E immer nur in der natürlichen Form als gemischte Tocopherole“. 

Erstaunlicherweise fallen all die Studien, die den hohen Nutzen von Vitamin E für die menschliche Gesundheit bestätigen, bei den auch in unserem Sprachraum veröffentlichten Presseberichten unter den Tisch. Bei der Panikmache wurden offensichtlich Risikopatienten ausgewählt, von denen man nicht einmal wusste, welche anderen Medikamente in welcher Dosierung sie einnahmen.

Ein seriöser Rückschluss auf die Wirksamkeit von Vitamin E ist durch die genannte Auswertung von Prof. Miller sicher nicht möglich. 

Herz-Kreislauf-Patienten sollten, so die Meinung von fundiert und ehrlich arbeitenden Nahrungsergänzungsmittel-Hersteller und zahlreichen Ganzheitsmedizinern, vielmehr Omega-3 Fettsäuren zu sich nehmen (siehe auch Grenzenlos, Ausgabe 9/2004: Omega-3-Fettsäuren, Schutz für Herz und Gefäße). Neben ganz vielen anderen positiven Effekten wirken diese auch blutverdünnend – ohne Nebenwirkungen. 

Allerdings gilt es auch hier – und damit wären wir wieder bei der Aufforderung, Zusammenhänge detailliert zu betrachten – eine Einnahmeregelung zu beachten: Es  sollte – so schreibt auch der niederländische Vitaminhersteller in seiner Presseerklärung – „immer so viel Vitamin E zusammen mit Fischölkonzentraten“ eingenommen werden, „wie der Gesamtanteil (in mg) an EPA-Fettsäure (Omega-3) ist“.

Beispiel: Bei einer Einnahme von 2 Gramm Fischölkonzentrat, das einen Gesamtanteil von z. B. 800 mg EPA-Fettsäure enthält, sollte mindestens 800 mg Vitamin E zusätzlich eingenommen werden. 

Ein ähnliches Vorgehen wie bei dem „Feldzug“ gegen Vitamin E war auch an anderer Stelle zu beobachten: Wenn die positive Wirksamkeit von Vitaminen grundsätzlich in Frage gestellt wird, warnen „Experten“ zunächst vor der Überdosierung von Vitamin A und D. Der Verbraucher ist verunsichert, fragt sich, ob sein Präparat vielleicht auch schädlich sein könnte. Aber allein diese Verunsicherung ist anscheinend gezielt und gewollt.

Tatsächlich können die fettlöslichen Vitamine A und D überdosiert werden. Jedoch erreichen fast alle Präparate auf dem Markt nicht die kritische Höchstmenge an Vitaminen.

Wenn jetzt aktuell (synthetisch) hergestelltes Vitamin C ins Fadenkreuz der Medien gerät und vor „hochdosierter“ Verwendung gewarnt wird muss man wissen, dass viele Vitamine ihre Wirkung in (unbedenklich) hohen Dosierungen erst entfalten. Eine Untersuchung hat ergeben, dass das Krebsrisiko bei Menschen, die täglich 2,5 g oder mehr säurefreies Vitamin C über den Tag verteilt einnehmen, sich um 50% reduziert.

Umgekehrt können Vitamin C-Dosierungen von weniger als 200 mg täglich zwar Mangelerscheinungen vorbeugen – Krebs vorzubeugen sind sie jedoch nicht imstande.

Die in den diversen Presseberichten lancierte Meinung, Vitamine würden nicht helfen, ist unzulässig, falsch und unseriös. Dem niederländischen Vitaminhersteller ist zuzustimmen, wenn er in seiner Pressemitteilung schreibt: „Es müsste richtig heißen: niedrig dosierte und synthetische Vitamine schützen nicht vor Herz- oder Kreislauferkrankungen“.

Konsumenten von Vitalstoffpräparaten sollten unterscheiden zwischen niedrig dosierten Multi-Präparaten mit womöglich synthetischen Vitamin-Komponenten und hochdosierten, natürlichen Präparaten, die durchaus Schutz vor degenerativen Erkrankungen bieten. Übrigens: Zu diesem Thema veröffentlichte der Nobelpreisträger Linus Pauling bereits vor über 30 Jahren wissenschaftliche Arbeiten. 

Eine vernünftige Erklärung für die Negativ-Kampagne gegen Vitalstoffe, Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel scheint es auf den ersten Blick nicht zu geben. Doch geben die Zeilen eines Dr. med. Klaus Mohr, entdeckt zum gleichen Thema im Interforum des Magazins „Stern“ sicher den einen oder anderen Denkanstoß.

Er schreibt u. a.: „.... Die Wirtschaft ist inzwischen längst bestimmt von weltweit operierenden Konzernen, besonders im Pharma-Bereich. Je hilfloser, abhängiger und schon deshalb ungesünder die Menschen werden, umso mehr sind sie auf Produkte dieser Konzerne angewiesen. Die Politiker lehnen (bisher noch) jede ernsthafte Selbstbeteiligung ab. Internationale Konzerne streben nach Rendite, Umsatzwachstum und Marktmacht. .... Immer wieder sehen wir das gleiche Vorgehen: Desinformation, gezielte Interessenvertretung ohne Rücksicht auf die Kreatur und dann die Zerschlagung gewachsener Strukturen - zur Errichtung einer „schönen, neuen Welt“: synthetisch - einträglich - effektiv zu beherrschen. Fern vom Leben und von der Wirklichkeit, fern vom Einzelnen und vom Menschlichen, entfremdet von der Natur, armselig - oder schon unselig? Noch steht die Natur mit ihren Selbstorganisations- und Selbstheilungskräften diesen Machenschaften im Wege. Deshalb wird sie rhetorisch gehätschelt und in Werbespots verkitscht, aber in der Realität ausgebeutet, weiter zerstört und bekämpft (nicht zuletzt im Menschen selber). Es geht um Macht und Geld. Selbstverantwortung und Selbstheilung könnte dabei störend wirken.
.... Ein Beispiel für die schöne neue Weit ist die Kampagne gegen die Vitamine: Da flackern Gerüchte auf: die französische Regierung befände Vitaminaufnahmen über die zweifache (von Kommissionen festgelegte) Zufuhrmenge als gesundheitsschädlich. Da ist die Finnlandstudie, die gefährliche Auswirkungen von (synthetischem) Beta-Carotin für Raucher mit hohem Alkoholkonsum aufzeigt - und die CARET-Studie mit schädlichen Auswirkungen des Beta-Carotins für Asbestarbeiter und Raucher. In Rom (eigentlich ein schönes Reiseziel) hat sich eine Kommission der UN/WHO etabliert: CODEX (Alimentarious Commission on Nutrition and Foods for Special Dietary Uses). Der Auftrag dieser Kommission ist es, Normen für Nahrungsergänzungsmittel aufzustellen, deren Einhaltung dann von der Welthandelsorganisation (WTO) mit der Androhung hoher Geldstrafen durchgesetzt werden soll. Die Anwältin der amerikanischen Gesundheits- und Umweltstiftung Life Extension Foundation (LEF), Suzanne Harris, hat in einer Liste für die Berufung der Kommissionsmitglieder einen Anteil von 90 % aus Vertretungsorganisationen internationaler Pharmakonzerne festgestellt. Deren Interessenlage ist klar. Vitamine sind nicht patentierbar. Und der weltweit größte Vitaminhersteller ist noch immer Mutter Natur. Ein derartiges Produktionsvolumen, zum günstigen Abgabepreis, bei bester Akzeptanz der Kunden, ruft den Eifer der Wettbewerber auf den Plan.
.... Interessanterweise stoßen deutsche Öko-Magazine wie Natur und Öko-Test ebenfalls vollmundig in das Horn der Warnungen vor den Vitaminen. Dabei verstieg sich der Öko-Test sogar zu der (unbegründeten) Behauptung, durch Vitamin C bzw. Vitamin E würden Herzkrankheiten begünstigt. Tatsächlich haben sorgfältige Untersuchungen, u. a. seitens der Weltgesundheitsorganisation, z. B. für das Vitamin E exakt das Gegenteil bewiesen, nämlich Schutz vor Arteriosklerose und Herzinfarkt. Auf meine Anfrage an die Redaktion des Öko-Test nach Beweisen für deren Behauptung zum Vitamin C erhielt ich die freundliche Antwort, die Quelle sei nicht mehr vorhanden und der Verfasser des Artikels nicht mehr im Hause“. 

Es empfiehlt sich also nicht nur, beim Bestellen von Nahrungsergänzungen auf entsprechende Qualität zu achten, zu vergleichen, nachzufragen, ja: nachzubohren wenn Unklarheiten bestehen. Es ist auch dringend geboten, sich beim Studieren von Pressemeldungen über angeblich Ungesundes zu fragen: Wer hat einen Vorteil davon, wenn das alles von der Mehrheit der Bevölkerung geglaubt, für bare Münze genommen wird?

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