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Hanf Wiederentdeckung einer alten Nutz- und Heilstoffpflanze Wissenschaftler finden viel versprechende und hilfreiche Ansatzpunkte für den medizinisch/heilkundlichen Einsatz von Hanf / Gefahr bei unkontrolliertem Konsum: Haschisch ein „Lebensenergie-Räuber“. |
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von Roland Häke Die meisten von uns, die heute an „Hanf“ denken, verbinden mit diesem Wort Begriffe wie „Haschisch“, „Marihuana“, „Kiffen“, „einen Joint rauchen“. Schließlich wird Hanf oder Cannabis (botan. Cannabis sativa) von zirka vier Millionen Deutschen mehr oder weniger regelmäßig zur „Entspannung“ geraucht. Dabei ist Hanf eine der ältesten Heil- und Kulturpflanzen der Menschheitsgeschichte. So fand man in Thüringen in Gräbern aus der Zeit des Neolitkums (ca. 5500 v. Chr.) Hanfsamen in einer Vase, ersetzten um 2800 v. Chr. in China erstmalig Seile aus Hanffasern die bis dato üblichen Lederriemen. Über die Heilwirkung des Hanfs wusste schon die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ebenso Bescheid wie der indische Ayurveda. Ab dem 16. Jahrhundert war Hanf auch in Mitteleuropa als wirksames Mittel gegen bronchiale und rheumatische Erkrankungen bekannt. Und auch die Naturheilexpertin Hildegard von Bingen war über Hanf bestens informiert denn sie schrieb u. a. „.... Der Same enthält Heilkraft und er ist für gesunde Menschen heilsam zu essen und in ihrem Magen ist er leicht und nützlich, so dass er den Schleim einigermaßen aus dem Magen wegschafft. Er kann leicht verdaut werden, vermindert die üblen Säfte und macht die guten Säfte stark“. Bei Migräne, Neuralgie, epilepsiähnlichen Krämpfen und Schlafstörungen erfuhr Hanf bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weit verbreitete Verwendung. Als mehr und mehr synthetisch hergestellte Mittel wie z. B. Aspirin® (1898) auf den Markt drängten, verlor die Pflanze ihre Bedeutung als heilender Wirkstoff. Gefahren nicht verharmlosen
Körpereigene Cannabinoide Für alle Wirkungen – die guten wie die negativen - sind die gleichen Substanzen im Hanf, die so genannten Cannabinoide, verantwortlich. Sie brachten der Pflanze bereits seit Urzeiten den positiven Ruf als Heilstoff ein. In den vergangenen Jahren nahmen und nehmen sich immer mehr Wissenschaftler dem Hanf an und machten zum Teil überraschende Entdeckungen. Der Hauptwirkstoff heißt Tetrahydrocannabiol, THC genannt. Dazu gibt es weitere ca. 65 Cannabinoide. Das Besondere an diesen Wirkstoffen ist, dass der menschliche Körper selbst Substanzen produziert, die denen aus der Hanfpflanze ähneln. Zurzeit sind fünf körpereigene Cannabinoide bekannt. Aus der medizinischen Grundlagenforschung resultieren Hinweise, dass Stoffe in unserem Körper, die denen aus der Cannabispflanze ähneln, das Knochenwachstum stimulieren. So ist es sicher nicht zu optimistisch gedacht, wenn hier eine therapeutische Ansatzmöglichkeit für an Osteoporose leidende Menschen gesehen wird. Neben den Cannabinoiden verdient die Gamma-Linolensäure (GLA), die zwischen 2 und 4 Prozent im Samen der Hanfpflanze enthalten ist, besondere medizinische Beachtung. Bei gesunden Menschen wird dieser Stoff im Körper gebildet. Bei einem Mangel an dieser 3-fach ungesättigten Fettsäure kann es zu Stoffwechselerkrankungen kommen. Mit von außen zugeführter Gamma-Linolensäure können verschiedene Krankheitszustände positiv beeinflusst werden. So haben Untersuchungen festgestellt, dass GLA bei Neurodermitis an Neugeborenen und Kleinkindern überaus effektiv wirkt. Berichten zufolge erzielten Mütter bei Kindern mit Neurodermitis und anderen Hautproblemen durch äußerliche und innerliche Anwendung von Hanföl „erstaunliche Heilerfolge“ (Quelle: HanfHaus) Hanf – ein Kraut gegen Krebs? Italienische Wissenschaftler wollen Hinweise darauf gefunden haben, dass die körpereigenen Cannabinoide bei der Krebsbekämpfung eine gute Rolle spielen könnten. Sie sollen das Wachstum von Tumoren und die Ausbreitung von Metastasen verringern, ja hemmen. Ob die Forscher in absehbarer Zeit ein Mittel gegen Krebs auf Cannabinoid-Basis hervorbringen können und ob mit dem Hanf so ein Kraut gegen die oft noch immer ein Todesurteil bedeutende Krankheit gewachsen ist, bleibt abzuwarten. Aber auch bei anderen Zivilisationskrankheiten soll es weitere therapeutische Ansatzpunkte für Cannabis geben. So sollen einige der Wirkstoffe bei der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn (siehe Kasten) „helfen können“ (Zeitung „Die Rheinpfalz“). Experimentelle Studien in einer Klinik in England zeigen, dass Cannabinoide Gewebeschäden nach einem Herzinfarkt mindern können. Auch wenn aus fach- und universitätsmedizinischer Sicht „kritische Überprüfungen“ zu diesen „Hinweisen“ noch ausstehen: Hanf als Lieferant von natürlichen Heilstoffen ist nicht mehr von der Hand zu weisen. So berichten HIV-Patienten, die infolge Appetitlosigkeit und Übelkeit in kurzer Zeit viel an Körpergewicht verloren hatten, dass sie „nach Hanfeinnahme zum ersten mal wieder richtig Appetit verspürten“. Quellen im Internet sprechen davon, dass „ein appetitanregender Effekt bei Aids und Krebs bereits bei Tagesdosen von 5 mg“ des Cannabinoids THC vorhanden sei. Hanfpflanze vor dem Hanf-Haus in Zürich Natürlich gab es auch Forscher, die sich um Hanf und die damit verbundene Erfahrungsheilkunde bemühten. Für Fischer in Jamaika und Marokko ist es selbstverständlich, Cannabis zu konsumieren um nachts bei der Arbeit auf dem Meer besser sehen zu können. Tatsächlich wurde bei Versuchen festgestellt, dass THC-Präparate und Marihuana die Fähigkeit verbessern, im Dunkeln besser zu sehen. Nun erhofft man sich, aus dieser Erkenntnis Medikamente für Augenkrankheiten zu entwickeln. Hanf hat aber weit mehr zu bieten als die für den Laien wenig verständlichen medizinischen Inhaltsstoffe, um die sich erfreulicherweise Wissenschaftler mehr und mehr bemühen. Das oben bereits erwähnte Hanföl – heute oft kombiniert mit anderen Wirkstoffen aus der Natur (z. B. Jojobaöl, Mandelöl, Salbei, Brennessel, Grapefruit) - ist aus mit seiner heilenden und pflegenden Wirkung ist seit grauer Vorzeit weltweit bekannt. Kosmetikfirmen haben den Hanf und seine natürlichen Heilkräfte längst entdeckt. So bietet der Markt komplette Körperpflegesysteme an Ölen, Cremes, Lotions und Gels. Sicher nicht gerade auf Discounterpreisniveau, dafür aber mit Inhaltsstoffen, die der menschlichen Haut weitaus besser bekommen als die gängigen Angebote in unseren „normalen“ Einkaufläden (siehe auch: „Gesunde Körperpflege: Nur Natur für die Haut“, Grenzenlos, Februar/März 2005). Auch in der Textilbranche scheint man sich daran zu erinnern, dass mit der Produktion von Bekleidung aus Hanf gleich mehrere Vorteile einhergehen. Vor allem ist diese reißfeste und natürliche Weichfaser überaus hautverträglich. Aus alten volksheilkundlichen Berichten weiß man, dass Menschen mit Haut-, Knochen und Gelenkerkrankungen empfohlen wurde, Kleidung aus Hanf zu tragen. Anders als z. B. Kunstfaser-Pullover entspricht die mikroelektrische Spannung von Hanf genau dem „Spannungsklima“ unserer Haut. Hervorzuheben ist die gute Feuchtigkeitsregulierung der Hanffaser, die bis zu 30 Prozent Feuchtigkeit aufnehmen kann ohne selbst chemisch zu reagieren. So ist Hanfkleidung vor allem für die kommenden Sommer-Sonnentage zu empfehlen. Ein weiterer Pluspunkt für Hanftextilien: Anders als bei der herkömmlichen Baumwolle, ist man beim Anbau und der Weiterverarbeitung von Hanf nicht auf die Verwendung von Pestiziden angewiesen. Kaum Beachtung findet, dass beim Anbau der Baumwolle – die mittlerweile 50 Prozent des Welttextilverbrauchs abdeckt – Unmengen an Giftstoffen eingesetzt werden. Angefangen vom Aufwachsen der Pflanze bis hin zur fertigen Kleiderherstellung. Experten sprechen von einer wahren Kontaminierung durch Pestizide sowie Farb- und Veredlungsstoffe. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass es weltweit jährlich zu ca. 1.5 Millionen Vergiftungsfällen bei Baumwollarbeiten kommt. Davon sollen etwa 28 000 tödlich verlaufen. Welche Folgen diese Stoffe bei Allergikern und hautempfindlichen Trägern dieser Kleidung hervorrufen können, leuchtet nicht nur Befürwortern des Hanfs als Textilfaser ein. So erscheint es durchaus angebracht, die „alte“ Hanfpflanze als einer der zukünftigen Bio-Fasern wiederauferstehen zu lassen.
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