Der Kampf gegen den Schmerz

US-Forscher entwickeln neue Rheuma-Therapie

Von Ingomar Schwelz

Erfolge im Kampf gegen Rheuma: US-Forscher fanden in mehreren unabhängigen Studien heraus, dass spezielle Fettsäure-Verbindungen auch schwere Entzündungen in Gelenken heilen und so chronische Schmerzen lindern können.

 “Für mich”, sagt Dr. Thomas Höhn, “sind die  Wirkungen der Anti-Entzündungsmittel so etwas wie ein modernes Wunder.”  Der Allgemeinmediziner und TV-Doktor des MDR ist einer der ersten Ärzte in Deutschland, der die neuen natürlichen Therapiemöglichkeiten in Deutschland anwendet. “Die Fettsäuren”, so meint der Naturheilarzt, “lindern nicht nur Schmerzen, sie können auch die für Gelenkerkrankungen typischen Überreaktionen des Immunsystems verhindern.”

Es gebe sowohl bei der rheumatoiden Arthritis als auch bei der Arthrose, also dem Knorpelfraß in den Gelenken, “überraschend positive Ergebnisse”. 

Die aktuellen Studien an den Universitäten von Connecticut und Minnesota zeigen, dass vor allem ein konzentrierter Stoff der ungesättigten Fettsäure Myristolsäure für die beobachteten Effekte verantwortlich ist. Dieser Ester mit dem Namen Cetyl-Myristoleat kann sich im Zusammenwirken mit anderen Vitalstoffen “wie ein Mantel außen um die entzündeten Gelenkzellen legen, weil er von diesen als körpereigene Substanz akzeptiert wird”, wie es die Berliner Biochemikern Dr. Carlotta Greif-Gadebusch anschaulich schildert.  

Die neuen Schmiermittel forcieren offensichtlich eine höhere Flexibilität der Zellmembranen: Bereits bestehende Versteifungen der Zellwände – wie sie typischerweise bei Gelenkentzündungen vorkommen – können sogar rückgängig gemacht werden. “Wenn die Membranen durchlässig sind”, so die frühere Chemie-Direktorin des renommierten Berliner Benjamin Franklin Klinikums. “können benötigte Nährstoffe wieder in die Zelle eindringen und Abfallstoffe heraus transportiert werden.”  

In Deutschland leiden inzwischen rund 20 Millionen Menschen mehr oder weniger unter Verschleißerscheinungen und Entzündungen an Knochen, Knorpeln und Gelenken. Die gebräuchlichen Therapien gegen das grassierende Massenleiden sind oft erfolglos: So kann zur Zeit nur jeder zehnte Schwelbrand in den Gelenken vollständig zum Stillstand gebracht werden.

“Der Einsatz chemischer Anti-Rheumatika ist offensichtlich an seine Grenzen gestoßen”, meint deshalb auch einer der Entwickler der neuen Rheuma-Therapie, der kalifornische Biologe Dr. Patrick Millsap. Aufmerksam auf die verblüffende Wirkung der cerylisierten Fettsäuren wurde der Forscher aus San Diego durch die Arbeiten eines Kollegen.

Dr. Harry Diehl vom Nationalen US-Institut für Arthritis hatte herausgefunden, dass Cetyl Myristoleat im Blut der Mäuse zirkuliert und diese deshalb immun gegen Arthritis sind. Dieser Fettsäure-Ester konnte bislang nur noch im Spermaöl des Wales und einer kleinen Biber-Drüse nachgewiesen werden.

Die essentiellen Fettsäuren bringen den Forschungsergebnissen zufolge die bei Rheuma-Patienten beobachtete überaktive Produktion von Botenstoffen wie Tumornekrosefaktor alpha (TNF alpha) oder Interleukin 1 wieder ins Gleichgewicht.

Diese Stoffe locken die Killerzellen des körpereigenen Immunsystems  an, die dann zwar entartete Zellen im Körper zerstören, zugleich aber auch gegen das eigene Bindegewebe Amok laufen und damit die schmerzhaften Gelenkentzündungen hervorrufen . 

Die neuen Therapieansätze bei der Volksseuche Rheuma sind dazu angetan, hierzulande neue Hoffnungen zu wecken: Denn zwischen Nordsee und den Alpen ist es um die Behandlung von Gelenkerkrankungen schlecht bestellt. So hat beispielsweise die Unterversorgung von Rheumakranken mit Fachärzten erschreckende Ausmaße angenommen.

Internistische Rheumatologen würden aufgrund schlechter Bezahlung gleich in Scharen in die lukrativere Hausarzttätigkeit abwandern, vermeldete aufgeschreckt das deutsche Rheuma-Netzwerk, in dem alle Forschungszentren und Rheuma-Kliniken des Landes vereinigt sind.

Die dramatische Folge: In ganz Deutschland sind inzwischen nur noch rund 300 internistische Rheumatologen zu finden. So stehen für die Versorgung der rund 200 000 Rheuma-Patienten in Berlin nicht einmal ein Dutzend Spezialisten zur Verfügung. Im Schnitt landen die Betroffenen zudem mit ihren Beschwerden erst nach 1,6 Jahren beim Facharzt – oft viel zu spät für eine wirklich erfolgreiche Therapie. 

Stimmungssenkend wirkte sich neben diesem Mangel an Spezialisten auch die für Schulmediziner immer deutlicher werdende Tatsache aus, dass die Nebenwirkungen schwerer Anti-Rheumatika wie Cortison und anderer Immunsuppresiva kaum noch in einem ausgewogenen Verhältnis zu den positiven Effekten stehen.

Solche Einsichten stärken die Position der Befürworter von natürlichen Heilansätzen. “Die neuen Fettsäure-Vitalstoff-Komplexe können den Körper über die Stärkung des Immunsystems zur Selbstheilung anregen”, glaubt TV-Mediziner Dr. Thomas Höhn. “Ist der innere Arzt wieder funktionsfähig, können sich sogar verkrümmte Gliedmassen weitgehend wieder in den Gelenken ausrichten”. 

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