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Sojabohne Kraftpaket und heilige Frucht Für Vegetarier sind Sojaprodukte die Eiweißlieferanten schlechthin. Aber auch Mediziner und Pharmaindustrie interessieren sich vermehrt für die Hülsenfrucht mit den wertvollen Inhaltsstoffen. von Roland Häke |
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Wer dem Fleischverzehr abgeschworen hat, kennt Sojaprodukte meist auf dem Effeff: Soja-Würstchen, Sojasprossen, Soja-Milch, Soja-Joghurt, Tofu in all seinen Variationen und Geschmacksrichtungen. Dabei ist Soja in Deutschland den breiten Bevölkerungsschichten immer noch weitgehendst unbekannt. In Ländern wie Thailand, Japan oder China zählt die oft als „Wunderbohne“ gepriesene Sojafrucht seit mehreren Jahrtausenden zu den Grundnahrungsmitteln. In die westliche Welt, nach Amerika, gelangte sie erst Ende des 19. Jahrhunderts. Etwa 50 Jahre später erst wurde ihr wirklicher Wert als Eiweißlieferant erkannt. Zunächst wurde die strauchige Pflanze, deren Früchte in nur 100 Tagen heranwachsen, als Viehfutter und Ölpflanze verwertet. Heute wird Soja vor allem in Brasilien in riesigen Monokulturen im Mato Grosso angebaut. Die USA, Argentinien und China zählen ebenfalls zu den weltgrößten Sojaproduzenten. Erste Hinweise auf „Glycine Max“, so der botanische Name von Soja finden sich in ca. 5000 Jahre alten chinesischen Texten. Hier wird die zur Familie der Hülsenfrüchte gehörende Pflanze – neben Reis, Hirse, Mohn und Weizen als „heilige Frucht“ bezeichnet. In Asien, ihrem Ursprungskontinent, gilt die Sojabohne seit langem als Grundnahrungsmittel. Über 3000 verschiedene Arten soll es weltweit geben. Die wenigsten davon sind kultiviert. Dennoch werden jährlich immerhin ca. 125 Millionen Tonnen Sojabohnen geerntet. Nach Deutschland werden etwa 14 Millionen Tonnen geliefert. Vor allem als Fleischersatz ist Soja bei uns in der vegetarisch-naturköstlichen Küche bekannt.
Wer unter einer Laktoseunverträglichkeit leidet, sollte zu Sojaprodukten greifen, die frei von Milchzucker sind. Ebenso wird Menschen mit zu hohen Cholesterinwerten der Verzehr von Soja empfohlen. Die in Sojaprodukten vorhandenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren sollen dazu beitragen, die Blutfettwerte zu senken. Natürlich sind Produkte aus der „Powerbohne“ kalorienärmer als vergleichbare Milchprodukte und für eine Ernährungsumstellung im Rahmen von Diäten sehr gut geeignet. Von Bedeutung sind sicher auch die Omega-3-Fettsäuren der Hülsenfrucht. Diese sind üblicherweise in Fischölen anzutreffen und spielen – darüber sind sich Mediziner und Ernährungswissenschaftler einig – eine wesentliche Rolle bei der Prävention von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (siehe auch: „Omega-3-Fettsäuren – Schutz für Herz und Gefäße“, Grenzenlos, Ausgabe September 2004; nachzulesen im „Archiv“ von www.grenzenlos.net). Weiterhin zu nennen: der Lecithin-Anteil, der nervenstärkend und gut fürs Gehirn ist. Ballaststoffe, die positiven Einfluss auf die Verdauung nehmen können. Ganz besonders im Focus von Medizinern sind die in der Sojabohne vorhandenen Isoflavone. Diese Phytoöstrogene sollen in ihrer Wirkung dem weiblichen Sexualhormon Östrogen gleichen und vor allem Brustkrebs mitverhindern helfen. Soja-Befürworter verweisen gerne auf eine japanische Studie, welche vor allem die Miso-Suppe, herstellt aus fermentierter Soja-Paste, positiv darstellt. Dabei wurden mehr als 21000 Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren untersucht. Bei den Probantinnen, die täglich drei Tassen Miso-Suppe auslöffelten, wurde – im Vergleich zu der Gruppe, die lediglich eine Tasse zu sich nahm - eine Verringerung des Brustkrebsrisikos von 40 Prozent festgestellt. Allerdings sind diese Aussagen nicht ohne weiteres auf unseren Lebensraum in der westlichen Welt übertragbar. Denn Soja schützt nur dann wirksam gegen Brustkrebs, wenn es mindestens seit der Pubertät und konzentriert auf dem Speiseplan steht, verzehrt wird. Dann harmonisieren sich – so Experten - auch die für Frauen wenig erfreuliche Begleiterscheinungen (Hitzewallungen, Depressionen) der Wechseljahre. Bekannt ist, dass Japanerinnen durch den regelmäßigen Verzehr an Sojaprodukten eine ausgeglichenere hormonelle Situation aufweisen als Europäerinnen. Interessant in diesem Zusammenhang: Für den Begriff „Hitzewallungen“ hat die japanische Sprache keine Entsprechung. Und noch einmal spielen die Isoflavone Genistein und Daidzein in der Sojabohne eine wesentliche Rolle. Beide sollen das Risiko für Osteoporose vermindern und auch dem von Männern gefürchteten Prostatakrebs vorbeugen. Es ist bekannt, dass Japaner viel seltener an Prostatakrebs sterben als Männer aus westlichen Industrieländern. Dabei weisen die Asiaten genauso häufig kleine latente und nicht infiltrierende Prostatatumore auf. Da diese Tumore in aller Regel hormonabhängig sind und in Japan Sojaprodukte mit ihren schwach hormonwirksamen Isoflavonoiden den Speiseplan beherrschen, wurde die Sojabohne näher untersucht. Bei einem Vergleich von je 14 Japanern und Finnen zeigte sich, dass die Asiaten ca. 110-mal soviel Isoflavnoide im Plasma hatten wie die Nordeuropäer. Da Prostatakrebszellen östrogenempfindlich sind und Östrogene erfolgreich in der Therapie eingesetzt werden, könnten die hohen Isoflavonoidgehalte die niedrigere Sterblichkeitsrate der japanischen Männer erklären. Die westliche Pharmaindustrie hat sich mittlerweile dem Thema „Sojabohne und Gesundheit“ ebenfalls angenommen und so gibt es Pillen, Tabletten und Kapseln, wobei die so wichtigen Isoflavone meist in Kombination mit anderen Wirkstoffen angeboten werden. Die Meinungen über den Nutzen dieser Nahrungsergänzungsmittel gehen auch hier gründlich auseinander. Als Käufer und Kunde sollte man sich beim betreffenden Händler seiner Wahl gründlich informieren. So wäre z. B. zu klären, ob die Produkte aus gentechnisch veränderten Sojabohnen gewonnen werden. Andere Kunden wollen Soja aus Monokulturen, für die riesige Waldflächen gerodet wurden (Brasilien bietet diesbezüglich ein recht unschönes Beispiel), lieber nicht auf ihrem Teller. Doch es gibt erfreulicherweise viele Hersteller, die die Sojapflanze auf biologischer Art und Weise anbauen und die Produkte entsprechend auch herstellen. Doch bei allem Zugetansein für die reichhaltige Angebotspalette dieser positiven Hülsenfrucht: Ab und an mal Sojaprodukte zu sich nehmen, ansonsten seine Gewohnheiten in Bezug aufs Essen und den täglichen Ablauf beibehalten – und dann auch auf das große „Gesundheitswunder“ warten – damit ist nicht ! Beliebigkeit nützt– wie in anderen Bereichen, wenn es um Gesundheit und Ernährung geht - auch in Bezug auf die Sojabohne und ihre guten Dienste für den menschlichen Körper recht wenig. Wer mit diesem „Kraftpaket“ etwas für seine Gesundheit tun will, wird nicht umhin kommen, seine Lebens- und Essgewohnheiten umzustellen, gesund - zumindest gesünder - zu essen und so das persönliche Krankheitsrisiko zu verringern. Dann kann auch für uns die „heilige Frucht“ Soja mit ihren vielfältigen Produkten ein zuverlässiger Gesundheitshelfer sein.
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