22. - 24. Oktober „Ökologie, Gesundheit, Ernährung, Heilen“
– die Grenzenlos-Messe in Saarbrücken

 „Motiviert die richtigen Wege finden“

Der Motivationstrainer Jürgen Höller kommt zur Grenzenlos-Messe nach Saarbrücken. Der ehemalige Erfolgs-Coach will in Zukunft seinen Zuhörern weniger materielle Werte vermitteln und mehr die Spiritualität in seine Arbeit einbeziehen.

Hinter Jürgen Höller liegt seine größte Lebenskrise und 18 Monate Haft in der JVA Würzburg. Eine Zeit, die Motivationstrainer wie er selbst sagt nutzte, um innere Einkehr zu halten. Bei der Grenzenlos-Messe in Saarbrücken spricht er am Samstag, 23. Oktober zu einem Thema, dass er in seinen erfolgreichen Jahren vor seiner Verhaftung im November 2002 seinen Zuhörern immer wieder „predigte“: „Du kannst hinfallen, aber Du sollst immer wieder aufstehen!“ Höller will darüber referieren, wie man „Krisen erkennen, meistern und für einen Neuanfang nutzen kann“. Grenzenlos-Herausgeber Roland Häke sprach mit dem Motivationstrainer und Buchautor wenige Wochen nach seiner Entlassung aus der Haft.

Herr Höller, bezüglich der Vergehen weswegen Sie verurteilt wurden, herrscht in der Öffentlichkeit weitgehendst Unklarheit. Auch deshalb, weil die Medien falsch informierten. Was hat Sie nun wirklich ins Gefängnis gebracht?

Jürgen Höller: Zum einen war das eine Steuerhinterziehung von 20 000 Euro Vorsteuer, das brachte mir 10 Monate ein. Dann habe ich – nach dem Insolvenzantrag – in einer Panikreaktion versucht, privates Vermögen zu retten. Das habe ich dann bei der Abgabe der eidesstattlichen Versicherung verschwiegen und erhielt sodann wegen Meineides nochmals 10 Monate. Schließlich wurde ich offiziell wegen „Untreue“ verurteilt, ohne allerdings Dritte geschädigt zu haben. Ich entnahm aus einer GmbH, in der mein sechsjähriger Sohn Alexander mit 6 Prozent und ich mit 94 Prozent Gesellschafter waren, Geld. Es ist mir wichtig darauf hinzuweisen, dass auch in dem Urteil steht, dass „der Angeklagte und sein minderjähriger Sohn“ die Geschädigten sind. Dieser Straftatbestand der Untreue ergab nochmals 2 Jahre Gefängnis. Diese Untreue wurde dann von der Presse immer so dargestellt, als hätte ich die Geldanleger betrogen. Das ist faktisch falsch!

Als ehemals wohlhabender Unternehmer saßen Sie von heute auf morgen monatelang mit Schwerverbrechern und Profikriminellen im Gefängnis. Beschreiben Sie doch einmal Ihre damaligen Gefühle!

Jürgen Höller: Die ersten Tage war ich wie in einem Trancezustand. Ich hatte das Gefühl ich träume und müsste irgendwann einmal aufwachen. Nach etwa zwei Wochen kamen dann alle schmerzlichen und negativen Gefühle hoch die man nur haben kann: von Wut auf sich selbst aber auch auf andere. Dann kam die Trauer, darüber, dass ich meine Freiheit verloren hatte und auch meine ganze materielle Absicherung. Dann kam die Angst um die eigene Person, Angst um Leib und Leben. Denn – wie Sie schon richtig sagten – ich saß zeitweise zusammen mit Schwerverbrechern. Danach kam die Reue mit Fragen „Warum hast Du das getan, warum hast Du Dich nicht besser informiert?“ Nach 6 bis 8 Wochen stand ich vor der Entscheidung, entweder aufzugeben und an der Sache zu zerbrechen oder die Angelegenheit - auch mental – zu verarbeiten und wieder aufzustehen. Und das habe ich dann auch getan. Ich habe mir alles ausgearbeitet und habe - mit Methoden die ich schon kannte - begonnen das alles zu bewältigen. Ich hatte – das mag sich jetzt aus meinem Mund etwas komisch anhören – auch Eingebungen die mir zeigten, wie man auch mit solchen Situationen umgeht.

Der auch Ihnen bekannte Psychologe Günter Scheich hat ein Buch mit dem Titel „Positives Denken macht krank“ geschrieben. Hat Herr Scheich bei dem Positiven Denken etwas falsch verstanden oder gibt es da tatsächlich etwas „Krankmachendes“?

Jürgen Höller: Nach meiner Einschätzung gibt es erst mal nichts was „gut“ oder „schlecht“ ist sondern – wie Shakespeare schon sagte – erst unser Denken macht es dazu. Positives Denken ist zweifellos eine gute Sache aber – und da muss man dem Günter Scheich auch Recht geben – wie alle Dinge kann man das auch übertreiben und kann damit auch Falsches anstellen. Zum Beispiel wenn man Ängste nicht wahrhaben will. So kann man auch nicht pauschal sagen „es ist alles Blödsinn was Günter Scheich schreibt“ – was er aber pauschal umgekehrt über das Positive Denken tut. Das Positive Denken hat mir ganz konkret geholfen, die zurückliegenden schlimmen Monate zu überstehen. Ich bin ein optimistischer Mensch, ich glaube an mich, glaube an die Zukunft und diese Einstellung hat mir geholfen wieder aufzustehen und wird mir auch helfen, wieder durchzustarten.

Wie werden Sie jetzt – nach dem Gefängnisaufenthalt – von Ihren Seminarteilnehmern auf- und angenommen? Wie ist die Nachfrage nach Jürgen Höller als Redner, als Kursleiter ?

Jürgen Höller: Die ersten offenen Seminare haben stattgefunden. Beim ersten Seminar waren es 14, beim zweiten Seminar schon 32 Teilnehmer. Die Reaktionen waren für mich überwältigend. Etwas 1/3 der Teilnehmer waren erstmalig in einem Seminar von mir, 2/3 kannten mich schon aus früheren Veranstaltungen und alle waren begeistert. Vor allem hat den Menschen gefallen, dass ich ganze Zeit über präsent und fast immer für sie „greifbar“ war, Fragen beantworten und persönliche Gespräche führen konnte. Das zeigt mir, dass ich durch all das was passiert ist – so negativ wie es auch war – mich weiterentwickelt habe und dadurch vielleicht noch besser bin als vorher.

Die Zeitschrift BUNTE hat nach Ihrer Entlassung getitelt: Der neue Höller – nie wieder Großkotz. Waren Sie zuvor „großkotzig“ und was ist tatsächlich neu am „neuen Höller“?

Jürgen Höller: Der Begriff Großkotz stammt in diesem Zusammenhang ja nicht von mir, sondern von der Boulevard-Presse. Es stimmt jedoch, dass ich im Jahr 2000, als meine Firma Inline mit 500 Millionen Euro bewertet wurde, schon abgehoben bin. Das viele Geld, das ich verdiente, dass mir angeboten wurde und das ständige Hochjubeln in der Presse hat dazu geführt. So war es gar nicht schlecht, dass ich auch die andere Seite kennen lernte, um meine Mitte zu finden. Großkotz in dem Sinn war ich jedoch nie. Ich hatte meinen Ferrari und ein wunderschönes Haus. Ansonsten war ich meistens am Arbeiten oder beim Entspannen mit meiner Familie. Das Highlife und der Jetset waren jedoch nie meine Welt.

Nach dem großen und großartigem Erfolg sind Sie auf der Erfolgsleiter dramatisch abgestürzt. Welche Ziele haben Sie jetzt – wie hoch möchten Sie auf dieser Leiter des Erfolges wieder klettern?

Jürgen Höller: Ich habe meine Ziele neu ausgerichtet. Es ist mir nicht mehr wichtig, große Hallen zu füllen und vor immer noch mehr Menschen aufzutreten. Ich lehne es aber auch nicht ab und freue mich, wenn ich zu großen Veranstaltungen als Redner eingeladen werde. Meine persönlichen Ziele sind qualitativer, ganzheitlicher ausgerichtet. D. h.., dass ich weiterhin viel arbeite, weil es mir Freude bereitet, weil es meine Berufung ist. .... Ich habe in den letzten zwei Jahren erkannt, dass viele meiner vorherigen Ziele nicht meiner Berufung, meiner Aufgabe entsprochen haben. Das ist einiges einfach aus dem Ego entstanden und ich habe die großen Mengen an Menschen gesucht weil ich glaubte, dadurch könnte ich Anerkennung und – das was wir alle suchen - Liebe bekommen. Das hat sich so als nicht richtig erwiesen. Die Besucher der Grenzenlos-Messe in Saarbrücken werden auf jeden Fall einen weiterentwickelten und gereifteren Jürgen Höller erleben. Weiterentwickelt insofern, als ich mich von den Inhalten von früher – bei denen das Materielle mehr im Vordergrund stand – mehr den immateriellen und auch spirituellen Werten zuwende. So ist es z. B. wichtiger als die Wege richtig zu gehen, zunächst einmal herauszufinden, was die richtigen Wege sind.

Jürgen Höller spricht am Samstag, 23.10. um 19.15 Uhr in Saarbrücken bei der Grenzenlos-Messe über „Krisen - Chancen zum Neubeginn“.

Am Sonntag, 24.10., leitet er einen dreistündigen Workshop und ist zuvor – zusammen mit dem Sportwissenschaftler und Mentaltrainer Clemens Mario Mohr und Erhard F. Freitag Gast in einer Gesprächsrunde zum Thema „Positives Denken“.

Infos unter www.grenzenlos-messe.net  Tel. 06386-5464 oder 999128