Sonderberichte des Berufsverbandes für Vitametik® e.V. 

Unser Rückgrat – Säule für Wohlbefinden und Gesundheit


von Volker Hoffmann

Neue Ansätze zur Förderung von Gesundheit müssen heute keineswegs kompliziert sein, sondern sollten sich insbesondere an der Ganzheitlichkeit des Menschen orientieren. Die Vitametik, die im Folgenden vorgestellt wird, ist eine solche Methode. Ursprünglich aus den USA kommend, hat sich die Vitametik in den letzten Jahren auch in Deutschland verbreitet. Im Erkennen um ganzheitliche Zusammenhänge der Gesundheit des Menschen geht es bei der Vitametik nicht darum Symptome zu bekämpfen und in Schach zu halten. Vielmehr stellt sich die Frage: wie wirken sich die heutigen Verhaltensweisen der Menschen, die sich üblicherweise an gesellschaftliche Normen anpassen, auf die Gesundheit aus?

Stress ist heute nicht nur ein Begriff, der zum Modewort degradiert wird, sondern ein Begriff, den es ernsthaft zu hinterfragen gilt, wobei sich heute jeder ganzheitlich orientierende und denkende Therapeut sehr eingehend mit diesem Thema zwangsläufig beschäftigen muss, will er an die Ursachen so mancher Krankheiten vordringen. Nicht nur allein die Auswirkungen der Stresshormone Adrenalin und Cortisol spielen eine Rolle, sondern auch die Anspannung der Muskulatur. Hier dürfte sich noch ein weites Feld für die Stressforschung auftun. Eine der Hauptkonsequenzen von zu viel und zu lange andauerndem Stress ist ebenfalls zur Genüge bekannt: Schmerz.

  • Schmerz - jeder kennt ihn, keiner will ihn

Und doch schwebt er wie ein Damoklesschwert über dem Menschen, weil er scheinbar zu jeder Zeit zuschlagen kann. Und scheinbar genauso läßt sich daran auch nichts ändern, wenn man sich den Aussagen vieler Spezialisten anschließt, die da heißen: „damit müssen Sie leben“. Die Betroffenen investieren daher auch entsprechend viel Geld in „ihren“ Schmerz. So sind 1995 circa 194 Millionen Packungen Schmerzmittel verkauft worden, was 3,75 Milliarden Einzeldosierungen entspricht (1.100 Tonnen Acetylsalicylsäure, 350 Tonnen Paracetamol, 16 Tonnen Ibuprofen). Allein der Apothekenumsatz betrug dabei über eine Milliarde DM.

  • Chronische Schmerzen: Zahlen und Fakten

Zahlen über das Ausmaß chronischer Schmerzen sind rar. 1997 litten, einer repräsentativen Umfrage der Betriebskrankenkassen zufolge, 33,5 Millionen Menschen ab 14 Jahren an Rückenschmerzen, wovon allein vier Millionen angaben, täglich unter Beschwerden zu leiden. Eine andere Studie über chronische Schmerzen ergab, dass 1991 von insgesamt 32 Millionen Menschen, die in einem Quartal ihren Arzt aufsuchten, circa sieben Millionen von chronischen Schmerzen betroffen waren. Das sind über 20 Prozent aller Patienten.

Diese Zahlen zeigen, dass nahezu ein Viertel der Patienten chronische Schmerzen hat, die damit zu den kostspieligsten, belastendsten und verbreitetsten Gesundheitsbeeinträchtigungen gehören. Neuere Zahlen belegen, dass die Tendenz sogar noch weiter steigt. Die so genannten direkten Kosten für Untersuchungen und Behandlungen betragen jährlich etwa 10 Milliarden Mark. Die indirekten Kosten für Umschulungen, Frühberentungen und Krankheitstage machen dagegen 25 Milliarden Mark pro Jahr aus. Modellrechnungen der Bundesanstalt für Arbeit bezifferten die Kosten für die Wiederherstellung der Gesundheit erkrankter Mitarbeiter 1996 allein in Deutschland jährlich mit rund siebzig Milliarden Mark.

Weitere alarmierende Zahlen über die Selbstmordrate (circa 3.000 Patienten mit chronischen Schmerzen gehen pro Jahr in den Suizid) und den „Schmerztourismus“ (im Durchschnitt hat der unter chronischem Schmerz leidende Patient zehn Jahre Krankheitsgeschichte mit Behandlungsversuchen von mindestens acht verschiedenen Fachärzten hinter sich) verdeutlichen die Brisanz.

  • Schmerz-Chronifizierung

Es ist sinnvoll und wichtig die Schmerzen mit adäquaten Mitteln zu bekämpfen. Doch heißt das für manch einen Betroffenen, dass er nicht nur wochen- oder monatelang zur Schmerzpille greifen muss, sondern sehr häufig ist dies ein Zustand, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinzieht. So durchläuft ein Patient mit chronischen Schmerzen einen vierstufigen

Der Schmerz-Chronifizierungs-Prozess

  • Stufe eins: Abwehr
    Die erste Stufe, die Tage bis Wochen dauern kann, wird begleitet von Abwehr, Bagatellisierung und Verleugnung der Schmerzen. Die Betroffenen haben Gedanken wie „... wird schon nicht so schlimm sein...“, „...das ist nicht möglich...“, „...ist doch bald wieder vorbei...“.
  • Stufe zwei: Wut
    Die zweite Stufe ist gekennzeichnet von Ärger und Wut und hält meist für einige Wochen an. „Warum muss das ausgerechnet mir passieren.“ „Warum gerade jetzt?“ „Warum dauert das so lange?“ „Das kann ich jetzt gerade gebrauchen.“
    Dies sind die Gedanken, die den Betroffenen mit chronischen Schmerzen in diesem Stadium beschäftigen.
  • Stufe drei: Resignation
    In der dritten Stufe treten dann über Monate oder sogar Jahre deutliche Merkmale der Resignation bis hin zur Depression zutage. Hier beginnt oftmals der soziale Rückzug. Der Betroffene wird „unausstehlich“ für sich und seine Umgebung, denn Schmerz zermürbt. Er wird immer passiver, er kehrt sich von anderen Menschen ab, aber auch andere Menschen kehren sich von ihm ab. Möglicherweise tauchen Gedanken an Selbstmord auf.
  • Stufe vier: Neuorientierung
    In dieser letzten Stufe der Verzweiflung versuchen die Betroffenen ihre Schmerzen mehr oder weniger erfolgreich in das weitere Leben zu integrieren. Sie versuchen ihren Alltag, ihre Ziele und Zukunftspläne mit der Schmerzbehinderung zu vereinbaren. Diese Stufe ist meist nur mit Hilfe anderer zu erreichen.

In allen Stufen, insbesondere aber in dieser letzten, ist es besonders wichtig, die Hoffnung nicht aufzugeben. Denn oft genug haben sich dann doch noch Möglichkeiten ergeben, wenn der Betroffene weiter auf der Suche nach möglichen Alternativen geblieben ist.

  • Rückenschmerzen - keine Krankheit, sondern Signal

Rückenschmerzen werden sehr oft als die Volkskrankheit Nummer eins bezeichnet, obwohl Schmerz keine Krankheit an sich darstellt, sondern lediglich ein Symptom, ein Signal des Körpers, dass etwas in Disharmonie, bzw. außer Kontrolle geraten ist. Als Ursachen werden viele Erklärungsmodelle herangezogen. Vom Beckenschiefstand über verschobene Wirbel, bis hin zum Bandscheibenvorfall.

Die Frage ist allerdings, ob es sich dabei wirklich um die Ursachen handelt oder, ob auch dies nur Folgen von auf anderer Ebene ablaufenden Prozessen sind. „Psychosomatisch“ ist das Reizwort, das schnell im Munde geführt wird, so das Röntgenbild und das Computertomogramm keine, für die Rückenschmerzen ursächlichen Hinweise ergeben.

  • Ursachenforschung

Die Gretchenfrage, um die sich alles beim Thema Rückenschmerz dreht, lautet: wo liegen die wahren Ursachen? Und vor allem, wo muss eine Behandlung ansetzen, wenn sie nicht nur Auswirkungen und Symptome bekämpfen will? Prävention heißt das Stichwort. Um Prävention betreiben zu können, muss ich aber wissen, wo die Ursachen liegen. Ein Teufelskreis ohne Ende?

Zur Erklärung ist folgendes ausschlaggebend: Knochen werden ausschließlich und allein von Muskeln bewegt. Keiner der circa 200 Knochen hat eine direkte Verbindung über motorische Nerven zum Gehirn. Dies besagt nichts anderes, als dass sich auch die Wirbelkörper nicht von allein verschieben, dass auch eine Fehlhaltung, ein Beckenschiefstand, eine Skoliose, von der man medizinisch in 80% der Fälle die Ursache nicht kennt, nicht einfach ohne Grund im Laufe des Lebens entstehen.

Rückenschmerzen - keine Krankheit sondern Signal

Die Ursache muss also weit weg vom knöchernen Bewegungsapparat gesucht werden. Und zwar dort, wo Bewegung stattfindet: in der Muskulatur. Unfälle und Stürze mit nach sich ziehenden Operationen oder die seltenen hormonell bedingten Wachstumsstörungen sind von dieser Betrachtung ausgenommen, da sich dadurch echte Fehlstellungen und Verkürzungen von Knochen ergeben können.

Dass die Behandlungsversuche der Rückenschmerz-Patienten nicht von dem Erfolg gekrönt sind, der notwendig wäre, um die Menschen von ihren Schmerzen zu befreien, belegen die steigenden Zahlen der Schmerzpatienten, die immer mehr zunehmenden Ausgaben für Schmerzmittel und nicht zuletzt die häufiger werdenden Operationen, wobei mehr als ein Drittel der Patienten nach einer Bandscheibenoperation die gleichen Schmerzsymptome haben als wie zuvor. Volkswirtschaftlich betrachtet ein Riesendilemma, vom Leid der Betroffenen ganz zu schweigen.

  • Stress und Muskelanspannung

Was mir bei der Forschung nach den Hintergründen am wesentlichsten erschien, war, dass auf sämtlichen Schmerzkongressen der letzten Jahre ein Thema besonders im Vordergrund stand: der Fakt, dass Rückenschmerzen mit dem Übergang vom Industriezeitalter mit harter körperlicher Arbeit in die Informations- und Freizeitgesellschaft nicht abnahmen, sondern im Gegenteil dramatisch zugenommen haben. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Doch des Rätsels Lösung rückt näher, wenn man sich mit den genauen Auswirkungen von Stress auf die Muskulatur befasst.
Auf jede Art von Stress, seien es alltägliche Begebenheiten, wie Ärger mit dem Chef, den Kindern oder auch zu langes Sitzen im Büro oder vor dem Fernseher, oder seien es Stress-Dauersituationen (siehe Tabelle) reagiert der Körper, neben der Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol mit all ihren Begleiterscheinungen auf Herz- und Kreislauf, auch mit einer muskulären Anspannung.

Bestimmte Lebensereignisse als (Dauer-) Stressoren
(Nach Wichtigkeit der Hauptstressoren)
  • Tod eines Ehepartners
  • Scheidung, Trennung
  • Tod eines Familienangehörigen
  • Eigene Verletzung oder schwere Krankheit
  • Verlust des Arbeitsplatzes
  • Ehestreit
  • Schwangerschaft
  • Sexuelle Schwierigkeiten
  • Familienzuwachs
  • Arbeitsplatzwechsel
  • Erhebliche Einkommensveränderung
  • Berufswechsel
  • Geldschwierigkeiten
  • Neuer Verantwortungsbereich im Beruf
  • Kinder verlassen das Elternhaus
  • Großer persönlicher Erfolg
  • Ausbildungsbeginn- oder Ende
  • Wohnungswechsel
  • Sonstige Veränderungen (Freizeit, Schlaf, Ernährung, u. s. w.)

Interessanterweise immer zuerst im Nacken. Hier ist es vor allem der Trapezmuskel, der mit seinen oberen Zacken an den ersten Halswirbeln ansetzt. Es spielen hierbei die Nervensignale des Nervus Akzessorius, dem elften Hirnnerven eine Rolle, da er den Trapezmuskel, sowie den Musculus sternocleidomastoideus (ein seitlicher Halsmuskel) mit Nervenimpulsen versorgt. Außerdem gibt er seine Signale über die Nerven der ersten drei Halswirbel an alle anderen circa dreißig Nackenmuskeln weiter. Der Nervus Akzessorius ist in seinem Ursprung ein „Abkömmling“ des Vagus-Nervs. Ihre Ursprungskerne liegen dicht beieinander, manchmal geht der Akzessorius-Nerv aus dem Ursprungskern des Vagus-Nervs hervor. Der Vagus ist an den im Körper ablaufenden Stressfunktionen maßgeblich beteiligt.

Das Signal Anspannung, welches durch eine Stressreaktion ausgelöst wird, sorgt dafür, dass der Körper zunächst versucht sein wichtigstes Organ zu schützen, den Kopf. Ein Relikt aus der Urzeit, als die Steinzeitmenschen im Kampf ums Überleben in ständiger Alarmbereitschaft waren (Kampf-Flucht-Prinzip). Dies ist der Grund, weshalb sich die Nackenmuskulatur vor allen anderen Muskeln anspannt, was in Studien über muskuläre Auswirkungen von Stress belegt werden konnte. Je häufiger und permanenter ein Mensch unter Stress steht, desto permanenter hält die Anspannung an. Dies wiederum hat zur Folge, dass die gerade im Nackenbereich besonders häufigen Druckrezeptoren (3.000 bis 5.000 Rezeptoren pro Gramm Gewebe) diese Anspannungsinformation aufnehmen und an das Gehirn weiterleiten. Diese Information wird in den sensomotorischen Rindenfeldern des Gehirns registriert und abgespeichert. Je öfters nun die gleichen Reize dort eintreffen, desto stärker brennen sich diese Informationen ein. Es kommt zur Daueranspannung, die mit der Zeit zu einem regelrechten Muskelpanzer führen kann.

  • Druck auf Nerven

Die Konsequenz ist weiter zunehmender Druck auf Nerven und Rezeptoren - es entsteht ein „Anspannungs“- und daraus folgernd ein „Schmerzteufelskreis“. Jede der 70 Billionen Körperzellen braucht, um die richtigen Funktionen ausführen zu können, zu jeder Zeit Informationen mittels Nervenimpulsen aus dem Gehirn. Wenn es hierbei infolge eines Druckes auf einen Nerv zu Störungen kommt, und seien sie auch noch so gering, werden die Informationen verfälscht oder irritiert.

Druck auf einen Nerv wird sichtbar am verminderten Aktionspotential. Nervenimpulse können irritiert sein und nicht optimal an ihr Ziel weitergeleitet werden.

Solche Drücke, die Nervenirritationen hervorrufen, hat man bereits in den 1970er Jahren an der Universität Boulder/Colorado in den USA ermittelt. Dort haben die Physiker Suh, Sharpless, Luttges und MacGregor festgestellt, dass bereits ein Druck von nur 20 mm HG (vgl. normaler Luftdruck 760 mm HG) ausreicht, um die Nervenimpulsübertragung um 50 Prozent zu reduzieren (siehe Abbildung Disk. Dia1+2 und dazugehörige Beschr.).

Neuere Studien an der Texas Women‘s Universtiy in Houston/Texas konnten die Forschungen aus den 1970er Jahren bestätigen. Solche Zusammenhänge sind bei uns bisher zu wenig bekannt, bzw. deren Auswirkungen werden zu wenig berücksichtigt. Der minimale Druck auf Nerven im Bereich der Halswirbelsäule von nur 10 oder 20 mm HG, der durch die angespannte Muskulatur verursacht werden kann, ist mit den heute üblichen Meßverfahren kaum nachzuweisen.

  • Seitenunterschiedliche Anspannung

Die Spannung im oberen Bereich der Halswirbelsäule vollzieht sich nicht gleichmäßig über alle Nackenmuskeln, sondern seitenunterschiedlich. Dies liegt an der Verschiedenheit der anatomischen Strukturen dieses Bereichs. So haben kernspintomographische Aufnahmen gezeigt, dass weder die einzelnen Wirbel, noch die Blutgefäße, Nerven oder Muskeln seitengleich identisch sind. Es existieren für eine Struktur oftmals so viele unterschiedliche Aussehensmöglichkeiten, dass davon ausgegangen werden kann, dass sie kaum bei zwei Menschen gleich sind. So unterschiedlich die Aussehensmöglichkeiten, so unterschiedlich auch die Funktionen. Beispielsweise haben dickere oder dünnere Nervenstränge an einer Muskelzacke des Trapezmuskels, unterschiedlichen Zug an den Wirbeln zufolge. Hiervon betroffen sind insbesondere die ersten beiden Halswirbel, Atlas und Axis. Sie sind die beiden beweglichsten Wirbel überhaupt und deshalb für Verschiebungen extrem anfällig (siehe Abbildung CD Tusche2.tif). Wohlgemerkt: es handelt sich dabei um Verschiebungen, die durch unterschiedlichen Muskelzug ausgelöst werden und dieser wird wiederum verursacht durch die Reaktion der Muskeln auf Stress.

Schema der querverlaufenden Hinterhauptmuskelnam Kopfansatz im entspannter Zustand

  • Muskuläre Kompensation

Die weiteren Auswirkungen lassen sich unschwer an nebenstehender Abbildung (siehe Abbildung CD Tusche1.tif) erkennen. Da der Körper von Natur aus darauf ausgerichtet ist Harmonie und Ordnung herzustellen, versucht er eine Anspannung des Nackenbereichs durch eine Gegenspannung auszugleichen. Diese muskuläre Kompensation, die sich bis zum Becken vollzieht, bewirkt letztendlich eine Fehlhaltung, die sich auch als Beckenschiefstand und als Beinlängendifferenz zeigen. Dass das Gehirn nicht mehr in der Lage ist, diesen Zustand umzukehren, liegt darin begründet, dass sich die bereits angesprochenen Rindenfelder im Laufe der Zeit nicht mehr an den ursprünglich entspannten Zustand der Muskeln erinnern können.

  • Sensomotorische Amnesie

Dieses Phänomen bezeichne ich als sensomotorische Amnesie, was nichts anderes bedeutet als das mangelnde Erinnerungsvermögen des Gehirns, genauer der motorischen und sensorischen Rindenfelder an einen ursprünglich entspannten Zustand. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, erscheinen sehr viele Modelle zur Bekämpfung von Rückenschmerzen, aber auch anderer Symptome, wie durch dauernde Fehlbelastung hervorgerufene Hüft- oder Knieprobleme, nicht nur unangebracht, sondern auch äußerst fragwürdig. Weder das Zurechtrücken von Knochen und Wirbeln, noch medikamentöse Schmerzbekämpfung, noch Operationen können auf Dauer eine sinnvolle Lösung des Problems der Volkskrankheit Nummer eins, den Rückenschmerzen bieten. Was helfen kann, ist die Unterstützung der Muskulatur zur Entspannung. Wobei es darauf ankommt, diese Entspannung so gezielt einzuleiten, dass sich die durch Stress im Nackenbereich angespannten Muskeln zunächst entspannen, da hier der ganze Prozess seinen Anfang nimmt.

Schema der querverlaufenden Hinterhauptmuskeln am Kopfansatz im angespannten Zustand. Dadurch minimalste Lageveränderung des Atlas-Wirbels.

Um die sensomotorische Amnesie zu durchbrechen, ist eine ganz bestimmte Vorgehensweise erforderlich. Es kommt nämlich darauf an, dass die Information von Entspannung nerval-reflektorisch über das Nervensystem zu den entsprechenden Rindenfeldern und von dort aus zurück in die Muskulatur geleitet werden kann.

  • Eine spezielle Technik

Hierzu ist eine Technik, wie sie bei der Vitametik angewandt wird, notwendig. Sie wird mittels eines sehr schnell mit den Daumen ausgeführten Impulses im Bereich des Muskelansatzes des seitlichen Halsmuskels (M. sternocleidomastoideus) ausgeführt.
Von dort wird die notwendige Entspannungsinformation über den Nervus Akzessorius an die sensorischen und motorischen Rindenfelder weitergeleitet. Diese Technik, die, infolge der bei jedem Menschen gleich ablaufenden muskulären Stressreaktion, auch bei jedem Menschen gleich ausgeführt wird, ist eine Entspannung für die gesamte Muskulatur entlang der Wirbelsäule, da sich die Entspannungsinformation über die Nerven und Muskeln als Kettenreaktion nach unten fortsetzt. Dass der Körper dadurch Fehlhaltungen selbst korrigieren kann, liegt genau so in der Natur der Sache, wie vordem die muskuläre Anspannung.

  • Das vegetative Nervensystem

Hinzu kommt bei den meisten Betroffenen, dass, je länger die anspannungsbedingten Schmerzen bestehen, sich dies auch auf die Psyche auswirkt, denn Schmerz zermürbt. Dass das vegetative Nervensystem in aller Regel mit betroffen ist, liegt an verschiedenen Nervenknoten von Sympathikus (Ganglion cervicale superius) und Parasympathikus (Ganglion superius und inferius nervus vagi) im Nackenbereich, die durch den Druck der angespannten Muskeln reagieren (diese Zusammenhänge sind in meinem Buch „Vitametik Eine Antwort auf Stress“ genauer beschrieben). Lässt die Anspannung nach, so wird sich auch das Vegetativum stabilisieren können, was sich darin zeigt, dass viele Menschen nach den vitametischen Anwendungen von einer gewissen Vitalität, von allgemeinem Wohlbefinden und vor allem von Gelassenheit und erhöhter Stress-Stabilität berichten.

  • Ein Fall aus der Praxis

Stellvertretend für die Aussage vieler Menschen, dass sie dank der Vitametik ein verbessertes Wohlbefinden erreicht hätten, soll hier ein Beispiel angeführt werden. Dieses soll veranschaulichen, dass es bei der Vitametik nicht vordergründig um die Behandlung spezifischer pathologischer Zustände geht, sondern um die Verbesserung der Regenerationsfähigkeit des Körpers durch das Nervensystem, was in der Folge weitere positive Wirkungen zeitigt.

Hier will ich eine immer mehr um sich greifende Zivilisationskrankheit anführen, den Diabetes Mellitus. Mit der Vitametik soll nicht der Diabetes geheilt, oder die Begleitsymptome behandelt werden.

Es soll sich vielmehr ein verbessertes allgemeines Wohlbefinden einstellen. Bei diesem Krankheitsbild ist jedoch augenfällig, dass sich anscheinend über das Nervensystem in Verbindung mit dem Hormonsystem eine Harmonisierung des Blutzuckerspiegels einstellt.

Durch Muskelanspannung wird die Wirbelsäule in eineFehlhaltung mit Beckenschiefstand gezwungen.

Wenn Betroffene berichten, dass ihr Spiegel stark schwankend verläuft, so stellen viele davon fest, dass sich die Schwankungen nach mehreren vitametischen Anwendungen in einem vernünftigen Maß bewegen, so dass sich die Insulinzufuhr bedeutend leichter einstellen lässt. Durch die Entspannungsreaktion wird zusätzlich erreicht, dass sich die Betroffenen „frischer“ fühlen, das heißt, dass die oft sich einstellende Müdigkeit aufgrund der Blutzuckerschwankungen normalisiert.

An diesem Beispiel ist zu erkennen, dass die Vitametik nicht die Grunderkrankung behandelt, gleichwohl es zu deutlichen positiven Reaktionen des Organismus kommt. Deshalb ist die Vitametik bei allen Erkrankungen therapiebegleitend sehr gut einsetzbar.

  • Die vitametische Anwendung

Der Klient liegt bei der Anwendung in Seitenlage auf der für die Vitametik konzipierten Anwendungsliege Vita-Speed. Das Herzstück von Vita-Speed ist ein spezielles Kopfteil, das für die Schnelligkeit des Impulses sorgt, in dem es einen freien Fall simuliert. In dem Moment, in dem der Vitametiker mit seinen Daumen am seitlichen Halsmuskel den enorm schnellen, lediglich als Hautberührung spürbaren Impuls auslöst, wird in diesem Kopfteil ein freier Fall um einen cm erzeugt. Dieser freie Fall trägt dazu bei, dass sich die minimale Kraft des Impulses proportional zum Fall und der Geschwindigkeit multipliziert, so dass sich ein „Speed“ von 40 bis 50 Millisekunden ergibt. Und das ist genau die Geschwindigkeit mit welcher im Nervensystem Informationen übertragen werden. Und nur dadurch erklärt sich der Zusammenhang, weshalb es durch die vitametische Anwendung zur Entspannung der gesamten Rückenmuskulatur kommen kann. Wie gering die Kraft des bei der Vitametik ausgelösten Impulses ist, wurde in Studien mit Crashtest-Dummies nachgewiesen. Es ließen sich hierbei Werte messen, die um ein vieltausendfaches unter denjenigen Werten lagen, die für einen Menschen ein Risiko im Hinblick auf vulnerable Strukturen im Bereich der Halswirbelsäule darstellen könnten. Hierzu nahmen auch mehrere unabhängige Gutachter Stellung, wie zum Beispiel Herr Dr. Volker Schmiedel, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Chefarzt der Inneren/Orthopädischen Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel, sowie Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Deutschen Naturheilbundes eV.. „Die Vitametik stützt sich auf ein ganzheitliches Konzept, welches sich auf dem Boden anerkannter physiologischer Grundlagen bewegt und daher in keiner Weise den üblichen Lehrmeinungen widerspricht. Neu hingegen ist der Behandlungsansatz der Muskelverspannungen und des Stresses. Von Seiten der Protagonisten der Vitametik wird eine ganzheitliche Betrachtungsweise favorisiert. Dies bedeutet, dass die vitametische Behandlung nicht isoliert und monoman gesehen, sondern eine Berücksichtigung anderer entspannender Aspekte wie Lebensweise, Meditation und Bewegung gefordert wird“.

  • Die Ausbildung zur Vitametik

Der Interessierte durchläuft eine einjährige Ausbildung, die sich in sieben Kurswochenenden im zweimonatlichen Rhythmus gliedert. Dazwischen sind verschiedene Aufgaben im Heimstudium zu bearbeiten. In den ersten drei Basislehrgängen werden die Grundlagen der Anwendung in Theorie und Praxis erarbeitet. Ein Administrationslehrgang bezieht sich auf die rechtlichen und steuerlichen Besonderheiten. Danach wird in zwei Anwenderlehrgängen die praktische Ausführung intensiviert, so dass am siebten Kurswochenende mit einer schriftlichen und einer praktischen Prüfung, die der Aufsicht des Berufsverbandes für Vitametik (BVV) obliegt, abgeschlossen werden kann. Die Ausbildung, die vom Bildungsinstitut BVV durchgeführt wird, beginnt zwei mal im Jahr (April und Oktober).

  • Vorbeugen - besser als heilen

Das besondere Anliegen der Vitametik, so wie es auch von Dr. Schmiedel proklamiert und wie es in der Ausbildung immer wieder betont wird, liegt insbesondere in der Prävention begründet. Wenn auch der Präventivgedanke in der Bevölkerung noch viel zu wenig verankert ist, so will die Vitametik um so mehr dazu beitragen, dass die Menschen erkennen, dass vorbeugen schon immer besser war als heilen. Die Erkenntnis, dass sich ein entspannter Körper bedeutend besser regenerieren kann, ist insbesondere im Falle einer Erkrankung von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Denn Energie, die für die Anspannung der Muskulatur verloren geht, kann nicht für Regenerationsprozesse eingesetzt werden. Ist der Körper jedoch entspannt, so kann er die dadurch freie Energie für die Regeneration und für die Selbstheilung verwenden.

Hinzu kommt natürlich, dass sich jedermann mit den Gedanken einer Vorbeugung vor Krankheit, bzw. dem Erhalt von Gesundheit beschäftigen sollte. Doch allein das Wollen reicht hierbei noch lange nicht aus, was alleine zählt ist das Tun. Und bei diesem Tun wiederum ist der Einzelne aufgefordert sich diejenigen Methoden und Maßnahmen anzueignen, die zu ihm „passen“, denn schon immer galt der Grundsatz: was für den Einen gut ist muss für den Nächsten noch lange nicht gut sein. Die Palette der Vorbeugemaßnahmen ist groß genug, so dass jeder für sich das Richtige finden kann... wenn er will. Angefangen von sinnvoller sportlicher Betätigung, über gesunde Ernährung, bis hin zu Methoden zur Stressbewältigung. Mit der zusätzlichen Hilfe der Vitametik wird es immer mehr Menschen möglich werden eine bewusstere, stressfreiere und damit gesündere Lebensweise zu leben.

(Quelle: Erfahrungsheilkunde, Haug-Verlag

Der Autor
Volker Hoffmann, Jahrgang 1963. Er ist Vitametiker, Heilpraktiker, Buchautor und Ausbildungsleiter für Vitametik.

Das Buch zum Thema:
Volker Hoffmann, Vitametik – Eine Antwort auf Stress,
ISBN 3-927 389-32-3


Mut zur Muße

Richtig Ausruhen hält so richtig fit

Tempo und Termine bestimmen ihren Alltag. Die 37-jährige Bankkauffrau Sabine ist immer in Eile, um ihr Tagespensum zu schaffen. Als berufstätige Mutter versorgt sie ihren Mann, ihre zwei Kinder, kauft ein, kocht, putzt und wäscht. Sie engagiert sich in einer Elterninitiative und im Tennisclub. In ihrer wenigen Freizeit lernt sie Wirtschaftsenglisch. Eine private Einladung würde sie genau so wenig absagen, wie die zusätzlichen Überstunden, die als Abteilungsleiterin in der Bank bei ihrem Gehalt erwartet werden.

Doch seit sie immer öfter und immer länger krank wird, ist sie zunehmend unzufrieden mit sich und der Umwelt. Nicht nur die ständigen Kopf- und Nackenschmerzen quälen sie, sondern es gesellen sich auch Erkältungen bis hin zur kräftigen Angina hinzu. Ob wohl ihre Muskulatur zu schwach ist und das Immunsystem nicht mehr richtig funktioniert? „Streikt mein Körper?“ fragt sie sich. „Ich komme ja kaum zur Ruhe.“

Sabine erfährt wie viele andere, was Wissenschaftler bestätigen: Rastlosigkeit und Stress können krank machen. Die Muskulatur verspannt mehr und mehr, das Immunsystem ist angegriffen und außer Kraft gesetzt. Der Körper gibt Alarmsignale: Lass mich endlich ausruhen, lass mich entspannen. Die natürlichste Entspannung ist zunächst einmal das Nichtstun. Wer langsamer lebt, bleibt lange jung. Das Leben lässt sich durch „Energiesparen“ verlängern. Die bedächtige Schildkröte wird nicht umsonst steinalt - ganz im Gegensatz zum umherhetzenden Hasen.

Während ständige Anspannung, auch in der Freizeit, viele Abwehrstoffe verbraucht, früher altern lässt und die Leistungsfähigkeit reduziert, kann der Körper nur in der gezielten Entspannung Stressstoffe abbauen und regenerieren. Wer bereits ausgepowert ist, tut sich mit übertriebenem Fitnesstraining nichts Gutes. Zuerst sollte sich jeder häufiger trauen, einfach mal nichts zu tun und dieses Nichtstun zu genießen. Das ist zwar leicht gesagt, wo doch das Nichtstun als Laster gilt, als Disziplinlosigkeit gegenüber sich selbst. Doch wer sich immer mal wieder genussvoll entspannt, ist noch lange kein Faulpelz. Die wahre Lebenskunst, die lange Gesundheit versprechen kann, findet sich im Ausgleich zwischen dem aktiven Tun und dem passiven Nichtstun.

Dies gilt nicht nur für den Alltag, sondern dar über hinaus ebenso für längere Lebensphasen. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“. Auch ganz Große holten sich ihre Kraft in der Ruhe. So verbrachte der Dichter Dostojewski ganze Sommer am Strand, ohne dass er auch nur eine Zeile zu Papier gebracht hätte. Er tankte so lange Kraft in der Ruhe, bis er den Kopf voller Ideen hatte, die dann in einer Zeit voller Tatendrang aus ihm heraussprudelten. Große Geister sehen das „aktive Nichtstun“ als Schwelle zu großen Taten, als Quelle der Kraft und Inspiration, als notwendige Voraussetzung um Höchstleistungen zu vollbringen. Es ist nicht auszudenken, was die Welt heute wäre und welche wichtigen Werke zu wahrem Fortschritt für die Menschheit nicht entstanden wären, wenn alle Größen Workaholics gewesen wären, unter ständigem Stress und null Freizeit.

Das Geheimnis des Genies ist aber nun auch wieder nicht allein das süße Nichtstun. Denn nur im Wechselspiel zwischen Ruhe und Arbeit wird wirklicher Genuss zur Realität, kann sich ein Glücks- und Selbstwertgefühl einstellen. Wer nach getaner, erfüllter Arbeit rechtschaffen müde ist und sich ausruhen kann, erlebt wirkliches Glück. Wer sich hingegen hinlegen muss, ohne es zu wollen, für den kann auch das Ausruhen zur Qual werden. Der richtige Ausgleich zwischen An- und Entspannung will also wieder geübt und gelebt werden, da sich nur dadurch wirkliche Zufriedenheit und Gesundheit einstellen kann.

Verantwortlich für die Sonderseiten des Berufsverbandes für Vitametik e.V.: Berufsverband für Vitametik e. V., Hans-Thoma-Str. 9, 69190 Walldorf, Tel. 0 180 500 7301, Fax. 06227 / 3 01 67, Email: info@vitametik.de , Internet: www.vitametik.de